2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

Das Wetterjahr 2016 war warm, nass und trotzdem sonnig. Auf die rekordnahe Winterwärme folgte ein sehr nasses erstes Halbjahr. Der Sommer kam erst spät, verweilte mit grosser Wärme aber bis im September.

Im Dezember 2016 herrschte Hochdruckwetter.
Abweichung des Luftdrucks über Europa gegenüber 1981-2010. Quelle: esrl.noaa.gov

Das Wetterjahr 2016 endete mit dem trockensten Dezember im Mittelland seit Messbeginn. Die letzten nennenswerten Niederschläge des Jahres 2016 fielen bereits am 19. November. Danach war es bis zum Jahresende staubtrocken. Die lang anhaltende Trockenheit hielt bis zum 2. Januar und reihte somit 43 Trockentage ohne Niederschläge aneinander. Damit gehörte die Dürrephase im Mittelland zu den fünf markantesten seit Messbeginn im Jahr 1864. Der Grund ist mit dem beständigen Hochdruckwetter rasch gefunden. Wiederholt legten sich ausgeprägte Hochdruckgebiete über Mitteleuropa, die alle Regen- und Schneewolken im grossen Bogen um die Alpen ziehen liessen. Temperaturmässig zeigten sich jedoch deutliche Gegensätze zwischen den Berglagen und den Niederungen. Während sich im Flachland ein Kaltluftsee bildete, herrschten in der Höhe sehr milde Verhältnisse. Während das Jungfraujoch mit 3,6 Grad über der Norm der Periode 1981-2010 den drittwärmsten Dezember seit Messbeginn registrierte, blieb die Dezembertemperatur in Zürich 0,7 Grad unter der Norm. Pünktlich zu Weihnachten stellte sich eine auch für das Flachland milde Westwindlage ein. Niederschläge blieben aber grösstenteils aus. Bereits am 27. Dezember meldete sich das Hochdruckwetter mit voller Kraft zurück. In Zürich wurde mit über 1044 hPa der höchste Luftdruck seit Messbeginn registriert. Zusammengefasst war der Dezember 2016 in Zürich hochdruckbestimmt, kalt und trocken. Damit wiederspiegelt der letzte Monat das Wetterjahr 2016 in keiner Weise. Denn 2016 geht als warmes und nasses Jahr in die Wetterannalen ein.

2016 war warm. Vor allem der Jahresbeginn sowie der Spätsommer haben zum Wärmeüberschuss beigetragen.

Winter: sehr mild und wechselhaft

Januar und Februar 2016 brachten fast durchwegs unbeständiges und mildes Westwindwetter. Eine festinstallierte West- bis Südwestströmung führte mit teils stürmischen Winden milde und feuchte Atlantikluft in den Alpenraum. Entsprechend waren die ersten zwei Monate des Jahres knapp 3 Grad übertemperiert, sehr nass und trüb. Im Januar 2016 summierten sich die Niederschläge in Zürich auf 146 mm, mehr als das Doppelte gegenüber der Norm 1981-2010. Mit nur 50 Sonnenstunden im Januar und 60 im Februar war der Jahresauftakt ausgesprochen sonnenarm. Zusammen mit dem sehr milden Dezember 2015 war der Winter 2015/16 der zweitwärmsten seit Messbeginn. Noch etwas höhere Temperaturen brachte lediglich der Rekordwinter 2006/07.

Frühling: Kühl und unbeständig

Der meteorologische Frühling (März bis Mai) startete mit Hochdruck im März. Weite Strecken des Monats wurden durch die Bise geprägt, welche trockene und kühle Luft ins Schweizer Mittelland führte. Hochnebelartige Bewölkung verdeckte die Sonne häufig, so dass sich die Luft auch nicht in der Frühlingssonne erwärmen konnte. Ein markanter Wetterwechsel zum Monatswechsel vom März in den April brachte mit Föhn gebietsweise die mildesten Märztage seit Ende des 19. Jahrhunderts. April und Mai waren dann wieder unbeständig und nass. Die Strömung drehte aber allmählich von Südwesten auf Nordwesten, so dass die Temperaturen vor allem im Mai häufig im unterdurchschnittlichen Bereich lagen. Im April sorgten einige Föhnintervalle für insgesamt leicht überdurchschnittliche Temperaturverhältnisse.

2016 war nass. Bis Mitte Juli gab es ergiebige Niederschläge. Danach war es deutlich trockener. Im Dezember gab es praktisch gar keine Niederschläge.

Sommer: Nass, dann sehr sonnig

Der Sommer kam im Juni noch kaum auf Touren. In Zürich gab es lediglich fünf Sommertage mit über 25 Grad. Diese kamen zusammen mit dem ersten Hitzeschub der Saison gegen Ende Juni. Ansonsten war der Juni geprägt von trüber und sehr nasser Witterung. Entweder waren es Stauniederschläge oder starke Gewitterregen, welche wiederholt grosse Regenmengen niedergingen liessen. An einzelnen Messstandorten der MeteoSchweiz war es einer der nassesten Junimonate seit Messbeginn vor über 100 Jahren. Lokale Überschwemmungen waren die logische Folge. Der Juli brachte dann das erste sommerliche Hochdruckgebiet. Trotz Hochdruck wurden die sonnig-warmen Tage immer wieder durch Gewitter gestört. Nach dem ersten Julidrittel führte eine Nordwestlage nochmals recht kühle und sehr nasse Luftmassen an die Alpen. Schnee fiel nochmals bis 1600 Meter über Meer hinunter. Alleine am 12. Juli summierten sich die Regenfälle in Zürich auf 60 mm (rund 50% der üblichen Juliregenmenge). Trotz der trüben und nassen Witterung verharrten die Temperaturen meistens im durchschnittlichen Bereich. Mitte Juli kam dann die Erlösung. Die folgenden Wochen waren dann deutlich sonniger, trockener und wärmer als die Periode von Anfang April bis Mitte Juli. Die dreieinhalb Monate seit Anfang April waren für mehr als die Hälfte des jährlichen Niederschlags 2016 verantwortlich. Die Alpennordseite registrierte regional das niederschlagsreichste erste Halbjahr seit Messbeginn. Handkehrum fielen rund 35% der Jahresbesonnung 2016 auf die Periode zwischen Mitte Juli und Ende September (2,5 Monate). Von Mitte August bis Mitte September gab es nicht nur viel Sonnenschein sondern auch wiederholt heisse Phasen. Die Periode von Ende August bis Mitte September war geprägt durch extreme Wärme. An verschiedenen Stationen wurden neue Temperaturrekorde aufgestellt. Auch Zürich erlebte den drittwärmsten September seit 1864. Mit knapp 2,7 Grad brachte der September die grösste positive Temperaturabweichung des vergangenen Jahres.

Herbst: vom Sommer in den Winter

Der in Zürich 1,4 Grad zu kalte Oktober riss die Schweiz schlagartig aus dem ungewöhnlich warmen Spätsommer. Der Oktober brachte in Zürich gleichzeitig die grösste negative Temperaturabweichung. Mehrere Schneefälle bis in mittlere Lagen waren bereits die ersten Vorboten des kommenden Winters. Im November ging es gleich weiter mit frühwinterlicher Kälte. Dann aber bäumte sich der Spätsommer mit viel Föhnunterstützung nochmals auf und brachte eine ungewöhnliche Wärme zum Novemberende zurück. Die Föhnluft kämpfte sich bis nach Zürich vor und liess die Temperaturen am 21. und 22. November auf knapp 20 Grad steigen. Danach machte sich Hochdruck über der Schweiz breit und startete die anfangs erwähnte Trockenperiode, welche bis zum Jahresende anhielt.

2016 war sonnig. Bis im Mai lief alles nach Fahrplan. Der Juni war dann trüb, der Spätsommer und der Dezember waren dann aber sehr sonnig.

Jahresbilanz

Das Jahr 2016 war am Zürichberg mit durchschnittlich 9,9 Grad sechs Zehntelgrad milder als die Norm 1981-2010. Im landesweiten Mittel, wie auch in Zürich, gehört es zu den zehn wärmsten Jahren seit Messbeginn 1864. Mit 51 Sommertagen mit über 25 Grad in Zürich gab es mehr als 10 Sommertage mehr als im langjährlichen Durchschnitt. An acht Tagen stieg das Quecksilber über 30 Grad. In durchschnittlichen Jahren geschieht dies lediglich sechsmal. In 81 Nächten sank die Temperatur 2016 unter den Gefrierpunkt. Dieser Wert liegt leicht über dem Erwartungswert der Jahre 1981-2010. Eistage mit Ganztags-Temperaturen unter null Grad gab es 2016 hingegen mit sieben Tagen nur sehr selten. Nur in einzelnen Jahren seit 1864 gab es noch weniger Eistage als 2016. Die Jahresniederschläge lagen 14%, die Sonnenscheindauer 6% über dem Referenzwert. Zu trocken waren die Monate März, August, September, Oktober und Dezember. Mehr Sonne als üblich gab es im Juli, August, September und Dezember. Zu warm, nässer und sonniger als normal: 2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr.

 

Weiterführende Links:
MeteoSchweiz

2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

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