Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Der diesjährige Frühling reiht sich mit gemittelt 10 Grad in Zürich knapp hinter den Top 10 der wärmsten seit Messbeginn im Jahr 1864 ein. Damit setzt sich der Trend hin zu deutlich wärmeren Frühlingen fort. In den letzten 28 Jahren brachte lediglich der Frühling 2013 Temperaturen, die unter der Klimanormperiode 1961-1990 lagen. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre sind die Frühlinge in Zürich mit 9,9 Grad fast 2 Grad wärmer, verglichen mit der Referenzperiode. Warme Frühlinge sind zur Norm geworden und sie werden immer wärmer.

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Grosse Wärme im März und April

Das Wärmeplus des diesjährigen Frühlings stammt vor allem aus den Monaten März und April, welche beide mehr als 1 Grad übertemperiert in die Wetterannalen eingingen, verglichen mit den Jahren 1981-2010. Der Mai konnte das hohe Temperaturniveau der Vormonate vorerst aufnehmen, aber nicht bis zum Ende halten und schloss nach einer deutlichen Tempertaturkorrektur in der zweiten Monatshälfte durchschnittlich ab.

Der Witterungsverlauf der drei Frühlingsmonate März bis Mai ähnelte sich erstaunlicherweise über weite Strecken. Zu Monatsbeginn gab es jeweils mit nordwestlicher Strömung wenig Sonne und immer wieder Regen. Es folgte eine mehrwöchige Schönwetterperiode, die insbesondere im März aber auch im April ausgeprägt war und kaum durch Niederschlagsereignisse unterbrochen wurde. Während im März und April jeweils im mittleren Monatsdrittel Hochdruck dominerte, war es im Mai eher eine Südwestströmung, die heiteres und sehr warmes Wetter brachte. Demzufolge blieb es aber im Mai nicht mehr als eine Woche am Stück trocken. Die feuchtwarme Luft aus Südwesten liess dann auch die ersten heftigen Gewitter der Saison übers Land ziehen. Das letzte Monatsdrittel war dann in allen Monaten durch Niederschläge geprägt. Während diese im März und April kurz vor Monatsende und sehr heftig auftraten, kamen sie im Mai zu Beginn des letzten Monatsdrittels und waren in der Region Zürich nicht mehr so heftig.

 

Alle Frühlingsmonate zu nass

Drei grosse Niederschlagsereignisse – Ende März, Ende April und Anfang Mai – sorgten dafür, dass jeder einzelne Frühlingsmonat in diesem Jahr als zu nass eingestuft werden muss. Während der März nur geringfügig nässer war als seine Vorgänger in der Periode 1981-2010, gab es im April und Mai grosse Niederschlagsüberschüsse, wie Daten von MeteoSchweiz zeigen. In absoluten Zahlen brachten April und Mai ähnliche Regenmengen, da der April aber im langjährigen Durchschnitt als trockener eingestuft wird, ist die relative Abweichung mit einem Plus von 75% im April besonders gross. Mit aufsummiert rund 380 mm war der Frühling 2015 rund 30% nässer als im langjährigen Vergleich der Jahre 1981-2010, dies entspricht einem Überschuss von knapp 100 mm. Auf dem Zürichberg war es der nässeste Frühling seit 10 Jahren, als 2006 mit einer Niederschlagssumme von mehr als 500 mm der feuchteste Frühling seit Messbeginn registriert wurde.

 

Nass und trotzdem sonnig

Die grossen Niederschlagsmengen im diesjährigen Frühling trüben das Bild etwas zu stark. So blieb die Anzahl Tage mit Regen im März und April leicht unterdurchschnittlich und aufgrund der langanhaltenden Schönwetterperioden im März und April verzeichneten diese Monate grosse Sonnenerträge. Während März und April noch ein Sonnenplus von 40-50% vorweisen konnten, blieb der Mai durchschnittlich. Unter dem Strich war der Frühling mit mehr als 580 Sonnenstunden deutlich sonniger als im langjährigen Vergleich. In der Periode 1981-2010 brachten die Frühlinge im Durchschnitt 450 Stunden mit Sonnenschein. Der diesjährige Frühling war somit der drittsonnigste der letzten zehn Jahre. Letztmals sonniger war es im Jahr 2011, als der Frühling 740 Sonnenstunden brachte und gleich als sonnigster Frühling in die bisherige Wettergeschichte von Zürich einging.

 

Viele Frosttage, erste Sommertage

Charakteristisch für mehrtägige Schönwetterperioden in der ersten März- und Aprilhälfte gab es in diesem Frühling relativ viele Nachtfröste. Spätfröste blieben jedoch aus, da der letzte Frost in diesem Jahr mit dem 8. April im langjährigen Durchschnitt sogar als leicht zu früh eingestuft werden darf. Mit 15 Frosttagen gab es aber trotzdem einige mehr als in einem durchschnittlichen Frühling. Mit dem Heranströmen von sehr warmer Luft aus der Sahara brachten die Tage vom 11. bis 13. Mai in Zürich dann die ersten Sommertage des Jahres mit Höchstwerten über 25 Grad. Lokal wurden auch die erste Hitzetage des Jahres gemessen. Mit den drei erfassten Sommertagen liegt der Frühling 2015 genau auf dem klimatologischen Erwartungswert. In einem warmen Frühling wie in diesem Jahr wären durchaus auch mehr Sommertage zu erwarten, jedoch fehlte dazu eine langanhaltenden Schönwetterperiode im Mai. Sommertage im April oder sogar März sind selten, sodass Schönwetterperioden in diesen Monaten erst frühsommerliche Werte aber keine Sommertage bringen. Zwischen 1961 und 2014 trat der erste Sommertag mit mehr als 25 Grad im Mittel am 15. Mai auf. Demzufolge wurde es im diesjährigen Frühling etwas früher sommerlich als im langjährigen Durchschnitt. Letztmals früher startete der Sommer im Jahr 2012, als der erste Sommertag auf dem Zürichberg am 28. April erfasst wurde. Der frühste Termin des ersten Sommertages stammt vom 6. April 1961. Am längsten musste Zürich im Jahr 1990 auf den Sommer warten. Damals dauerte es bis zum 19. Juni, ehe das Thermometer zum ersten Mal 25 Grad anzeigte.

Am 1. Juni beginnt der meteorologische Sommer. Mit den ersten Sommertagen im Mai kam er dieses Jahr frühzeitig. Er soll aber bekanntlich nicht nur früh kommen sondern auch lange bleiben.

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

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