Klimawandel bringt Sonne an den Tag

Das Kima ist im Wandel – die Temperaturen steigen und auch die Niederschläge verändern sich. Doch was können wir von der Sonnenscheindauer in Europa, in der Schweiz und auf dem Zürichberg erwarten? Klimamodelle befassen sich zwar mit der Einstrahlung, doch Prognosen der künftigen Sonnenscheindauer für eine bestimmte Region gibt es kaum, zu gross sind die Unsicherheiten.

sonnenscheinverlauf

Wir blicken in die Vergangenheit und sehen, dass die Sonnenscheindauer auf dem Zürichberg in den letzten 120 Jahren starken Schwankungen ausgesetzt war. Zudem wird ersichtlich, welch aussergewöhnliche Rolle die kürzlich abgelaufene Dekade einnimmt.

Der sonnige Aufschwung
Ende des vorletzten Jahrhunderts gab es in Zürich viel Sonnenschein. Häufig konnten die durch die Industrialisierung proletarisch gewordenen Zürcherinnen und Zürcher mehr als 1700 Sonnenstunden in einem Jahr geniessen. Anno 1893, als 11 eigenständige Gemeinden zum Stadtgebiet erklärt worden sind und Zürich von einem Tag auf den anderen zur Grossstadt geworden ist, waren es sogar mehr als 2033 Sonnenstunden. Dieser Wert gilt auch heute noch als zweitgrösster in der Messreihe. Im aufstrebenden  Zürich hatte die MeteoSchweiz 1884 begonnen, in Zürich die Sonnenscheindauer zu beobachten, so dass heute eine Messreihe von rund 120 Jahren vorliegt. Die Anfänge des nächsten Jahrhunderts waren dann nicht mehr so sonnig. Trotz eines weiteren Jahres mit mehr als 2000 Sonnenstunden anno 1911 wurden auch vermehrt Jahre mit weniger als 1500 Stunden Besonnung beobachtet. Bis in die 30er des 20. Jahrhunderts gab es pro Dekade rund 1000 Sonnenstunden weniger als noch Ende des 19. Jahrhunderts. Nach dieser ziemlich konstanten Periode mit verminderter Sonnenscheindauer kam die bis heute sonnigste Dekade seit Messbeginn – die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Zu erwarten waren jährlich mehr als 1700 Sonnenstunden auf dem Zürichberg.

Die lange „Dunkelheit“
Zürich in der Nachkriegszeit – in der Zeit des Wirtschafswunders mit ungeheurem Aufschwung. Jedes Jahr kamen neue Haushaltsgeräte auf den Markt, immer mehr Fahrzeuge rollten über die Strassen und Fabriken schossen aus dem Boden. Die Wirtschafts- und Stimmungslage wurde heller und heller – doch das Klima wurde dunkler und dunkler. Nach den sonnigen 40ern kam der grosse Zerfall des Zürcher Sonnenscheins. In den 50ern und 60ern wurden bereits rund 100 Stunden weniger pro Jahr gemessen. Der negative Trend verstärkte sich in den 70ern und 80ern abermals, so dass die 80er im Schnitt nur noch etwas mehr als 1450 Sonnenstunden pro Jahr brachten. In den 80ern schien die Sonne insgesamt  rund 2700 Stunden weniger als noch in den 40er-Jahren. Doch woher diese Dunkelheit? Wenn wir auf die Temperaturkurve des vergangenen Jahrhunderts blicken, zeigt sich ein ähnliches Bild. Nach einem vorläufigen Wärmerekord im Jahre 1947 sind die Temperaturen in der Folge bis in die 80er deutlich abgesunken. Die Gletscher sind vorgestossen und trotz aufstrebender Wirtschaft und erhöhter Emissionen von CO diskutierten Forscher über eine neue Eiszeit. Der Temperaturabstieg und die verringerte Sonnenscheindauer haben wohl ein und dieselbe Ursache. Durch die aufstrebende Industrie in Europa und Nordamerika wurden neben CO auch grosse Mengen Staubpartikel, sogenannte Aerosole, in die Atmosphäre gepustet. Diese Staubpartikel wirkten wie ein riesiger Sonnenschirm und schwächten die Sonneneinstrahlung ab. Die Luft war in den 60ern und 70ern so stark verschmutzt, dass Herr und Frau Zürcher nur noch selten die Alpen sahen. Möglich scheint, dass durch die Partikel in der Luft auch die Wolkenbildung beschleunigt wurde und deshalb in Zürich weniger Sonnenschein beobachtet werden konnte.

Sonnige Zukunft?
In Folge strenger Verordnungen im Laufe der 80er-Jahre konnte die Luftqualität deutlich verbessert werden. Es waren deutlich weniger Aerosole in der Luft, so dass sich auch die Sonne wieder häufiger zeigte. Bereits die 90er brachten wieder mehr Sonnenstunden. Das Treibhausgas CO wurde aber weiterhin in immer grösseren Mengen in die Atmosphäre emittiert, so dass die Temperatur mit dem fehlenden „Sonnenschirm der Aerosole“ nun stark anzusteigen begann. Ein richtig sonniges Jahrzehnt erlebten wir in den Nullerjahren des neuen Jahrhunderts. Die Dekade von 2000 bis 2009 war hinter den 40ern des 20. und den 90ern des 19. Jahrhunderts die drittsonnigste in der Messreihe. Jährlich durften wir auf dem Zürichberg wieder rund 1700 Sonnenstunden erwarten, knapp 200 Stunden mehr als im vorhergegangenen Jahrzehnt. Auch verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt schwingt das vergangene Jahrzehnt deutlich oben aus. Das Jahr 2003 brachte mit mehr als 2040 Stunden neben dem Jahrtausend-Hitzesommer auch den absoluten Rekord der Jahresbesonnung. Durch die verbesserte Luftqualität ist die Besonnung in Zürich angestiegen, doch hatte auch der zunehmende Treibhauseffekt einen Anteil am starken Anstieg des letzten Jahrzehnts? Möglich wäre es, da sich der subtropische Hochdruckgürtel  zumindest in den Sommermonaten immer weiter nach Norden ausbreitet und uns viel Sonnenschein beschert. Allein das spricht für eine sonnige Zukunft. 

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