Der Herbst auf der Sonnenseite

Der diesjährige Oktober verwöhnte die Schweiz mit anhaltend sonnigem Wetter. In Zürich summierte sich der Sonnenschein allein im Oktober auf knapp 190 Stunden. Damit war der Oktober 2016 der 2.-sonnigste seit 1901. Verantwortlich dafür war ein kräftiges Hochdruckgebiet, welches sich ab dem 10. Oktober aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa schob. Es war der Beginn eines anhaltend prächtigen Altweibersommers in der ganzen Schweiz. In Zürich ist während eines durchschnittlichen Oktobers nur mit drei bis vier heiteren Tagen zu rechnen. Ganz anders präsentierte sich die Situation in diesem Jahr. An dreizehn Tagen lachte die Herbstsonne von einem fast wolkenlosen, stahlblauen Himmel. Dabei kletterten auch die Tageshöchsttemperaturen nochmals auf spätsommerliche 23 Grad – dies, nachdem das Quecksilber seit dem 5. September nicht mehr so hoch stieg. In Zürich war es letztmals vor genau 50 Jahren, im Jahr 1967, noch eine Spur sonniger als im diesjährigen Oktober. Damals war es vom 10.-30. Oktober mit jeweils nur ganz kurzen Einschränkungen ausgesprochen sonnig. Die Sonne schien in dieser Periode meistens 7 bis 10 Stunden pro Tag. Im Oktober 2017 zeigte sich die sonnigste Periode vom 10.-19. Oktober mit aussergewöhnlich vielen Tagen mit maximaler Sonnenscheindauer von 10 Stunden. Ebenfalls sehr sonnig war in Zürich der Oktober 1971. Weitere vergleichbar sonnige Oktober sind in der bis 1901 zurückreichenden Sonnenscheinmessreihe nicht zu finden.

Trübe Oktober

Dass der Oktober wettertechnisch auch alles andere als golden sein kann, zeigte er im Jahr 1939. Mit total nur 35 Sonnenstunden war es der trübste Oktober in der Messreihe seit Messbeginn 1901. Dies lag aber nicht wie möglicherweise vermutet an vielen Nebeltagen, sondern an anhaltendem Regen-, respektive Schneewetter. Kein einziger Tag ging damals trocken über die Bühne. Der Oktober 1939 war in Zürich nicht nur der sonnenärmste, sondern auch der niederschlagsreichste. Ende Monat schneite es sogar schon bis ins Flachland. Einen ähnlich trüben Oktober in Zürich gab es letztmals im Jahr 1992. Mit insgesamt 37 Sonnenstunden war er nur unbedeutend sonniger als der grauste Oktober im Jahr 1939. Auch im trüben Oktober 1992 war anhaltendes Regenwetter schuld am grossen Sonnendefizit.

Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1939 am Messstandort Zürich.
Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1992 am Messstandort Zürich.

Heitere November

Trübes und nasses Wetter passt aber gefühlsmässig noch besser in den November als in den Oktober. Dieses Gefühl wird auch durch die langjährigen Wetterbeobachtungen bestätigt. So sind in Zürich während eines durchschnittlichen Novembers nur gerade zwei heitere Tage zu erwarten. Richtig trüb verlief der November 1958. In Zürich zeigte sich die Sonne im ganzen Monat nur gerade 13 Stunden. Die Schuld konnte damals auf den Nebel geschoben werden. Es war gleichzeitig einer der sonnenärmsten Monate überhaupt. Dass der November aber auch eine Sonnenseite hat, haben die letzten Jahre gezeigt. So gehört der November 2015 mit mehr als 100 Sonnenstunden zu den sonnigsten Novembern überhaupt. Ebenfalls sehr sonnig war der November 2006 und damit ein zweiter November seit der Jahrtausendwende. Mehr als 100 Stunden Novembersonne brachten ansonsten nur noch die Jahre 1969, 1981 und 1986.

Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1967 am Messstandort Zürich.
Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 2017 am Messstandort Zürich.

Mehr Sonne im Herbst

Der ausgesprochen sonnige Oktober 2017 und der sonnenverwöhnte November 2015 sind keine Zufälle, sondern Zeugen einer Tendenz zu sonnigeren Herbstmonaten. Ein Blick in die Sonnenscheinstatistik der Herbste in Zürich seit 1901 zeigt, das sich die Herbstsonne in den 10er-Jahren des 21. Jahrhunderts deutlich häufiger zeigt als noch in den 90er-Jahren. Heute scheint die Sonne im Herbst (September bis November) durchschnittlich 360 Stunden. In den 90er-Jahren waren es noch weniger als 290 Sonnenstunden. Ähnlich trübe Herbste gab es auch in den zwei Jahrzehnten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Deutlich sonniger verliefen die Herbstmonate in den 40er- und 60er-Jahren. So sonnig wie heutzutage waren die Herbste in Zürich aber seit Messbeginn im Jahre 1901 noch nie.

Die letzten Herbste brachten so viel Sonnenschein wie noch nie seit Messbeginn 1901.
Der Herbst auf der Sonnenseite

Wetterjahr 2017 wohl wieder unter den wärmsten

Die Schweiz erlebte einen ausserordentlich sonnigen und sehr milden Oktober. Der zehnte Monat des Jahres war in Zürich rund anderthalb Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Referenzperiode 1981-2010 und brachte bis zu 70 Prozent mehr Sonne als in einem durchschnittlichen Oktober. Gleichzeitig blieben die Niederschläge deutlich hinter den Erwartungen. Noch viel extremer präsentiert sich das Niederschlagsdefizit auf der Alpensüdseite. Im Tessin hat es den ganzen Oktober praktisch nie geregnet. Gerade einmal 1 mm Niederschlag wurden in diesem Oktober in Locarno gemessen. Auch in Lugano sind es lediglich knapp 6 mm. Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 fällt die Niederschlagsbilanz ernüchternd aus. So erreichte Locarno nur 0,5 Prozent dieses Wertes. Normalerweise fällt im Tessin im Oktober nämlich rund 190 mm Regen. Nicht nur in der Schweiz, auch weltweit präsentiert sich das Wetter im laufenden Jahr erneut von seiner extremen Seite. Das zeigt sich vor allem in rekordhohen globalen Durchschnittstemperaturen.

Wahrscheinlich wird das Wetterjahr 2017 in Zürich zu den 10 wärmsten gehören. Wo genau das sich 2017 einreihen wird, ist aber noch offen. Drei Szenarien geben mögliche Antworten.

393 zu warme Monate in Folge

Die globale Durchschnittstemperatur – also die Lufttemperatur über den Kontinenten und die Meeresoberflächentemperatur – liegt auch 2017 in rekordverdächtiger Höhe. Die ersten neun Monate des Jahres 2017 reihten sich alle jeweils zu den vier wärmsten in ihrer Monatskategorie. Der September 2017 war im weltweiten Mittel ebenfalls der 4.-wärmste September seit 1880. Er war damit der dreihundertdreiundneunzigste zu warme Monat in Folge! Das Jahr 2017 ist bis jetzt (Januar-September) weltweit das 2.-wärmste in der knapp 140-jährigen Messreihe. Die positive Temperaturabweichung gegenüber dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts beträgt knapp 0,9 Grad. Neun der zehn wärmsten Januar-bis-September-Perioden sind in den Jahren seit 2005 zu finden! Nur eines (1998) stammt aus dem 20. Jahrhundert. Um herauszufinden, wie 2017 am Ende des Jahres abschneiden wird, schaut der amerikanische Wetterdienst NOAA mit drei einfachen Szenarien bis zum Jahresende. Das erste Szenario rechnet damit, dass die verbleibenden Monate des Jahres jeweils den 5.-wärmsten Wert erreichen. Das zweite Szenario rechnet damit, dass die verbleibenden Monate eine durchschnittliche Temperaturabweichung von +0,85 Grad haben werden. Das dritte Szenario rechnet damit, dass die restlichen Monate des Jahres jeweils gleiche Werte annehmen, wie die entsprechenden Monate im Jahr 1998. Das Jahr 1998 ist dabei nicht zufällig gewählt. So rechnen die Meteorologen in den Monaten rund um den Jahreswechsel im Pazifik nämlich mit einer La Niña. Also einem dominierenden Wettermuster, welches durch die immense räumliche Ausdehnung sogar die globale Temperatur um einige Zehntelgrad nach unten drücken kann. Eine solche Konstellation gab es auch 1998. Die stark positive globale Temperaturabweichung 2017 wird bis Ende Jahr daher noch etwas nach unten korrigiert. Unabhängig von den erwähnten Szenarien zeigt sich aber, dass das Jahr 2017 auf globaler Ebene sehr wahrscheinlich das 3.-wärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1880 wird. Noch wärmer als das aktuelle Jahr waren nur die beiden Vorjahre 2015 und 2016.

 

2017 unter den wärmsten?

Auch in der Schweiz waren die letzten beiden Jahre sehr warm. 2015 war beispielsweise in Zürich das bisher 2.-wärmste Jahr seit Messbeginn 1864. Das Jahr 2016 war das 9.-wärmste in der über 150-jährigen Messreihe. Auf dem Thron des wärmsten Jahres in Zürich sitzt weiterhin das Jahr 2014. Hat das laufende Jahr 2017 in der Schweiz und in Zürich Ambitionen auf einen Podestplatz der wärmsten Jahre oder kann es sogar dem Rekordjahr 2014 Paroli bieten? Lassen wir das Jahr 2017 kurz Revue passieren: Das Jahr startete mit einem eisigkalten Januar, welcher mehr als drei Grad unterkühlt blieb. Der Wärmeumschwung kam aber sogleich und so waren Februar und März deutlich übertemperiert. Nach einem durchschnittlichen April waren die Monate Mai bis August allesamt zu warm. Mai, Juni und August waren sogar recht deutlich zu warm. Der September war dann hingegen rund ein Grad unterkühlt bevor der gerade zu Ende gegangene Oktober wiederum anderthalb Grad zu mild ausfiel. Die Wärme dominiert bis anhin also klar. So erstaunt es nicht, dass 2017 in Zürich bis jetzt (Januar-Oktober) das 4.-wärmste Jahr seit Messbeginn ist. Die Periode Januar bis Oktober war bisher nur in den Jahren 2007, 2011 und 2014 noch ein bisschen wärmer als heuer. Doch wo wird sich das gesamte Jahr 2017 in Zürich einreihen? Wendet man die gleichen drei Szenarien der amerikanischen Wetterbehörde für Zürich an, so zeigt sich, dass noch vieles möglich ist. Würden November und Dezember je jeweils 5.-wärmste in ihrer Monatskategorie (Szenario 1), so würde 2017 in Zürich am Ende das 2.-wärmste Jahr sei Messbeginn sein. Sind November und Dezember hingegen 0,85 Grad wärmer als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts (Szenario 2), so landet 2017 am Ende auf Platz 7 der wärmsten Jahre – noch vor den warmen Jahren 2003, 2007 und 2016. Folgen die Temperaturen im November und Dezember hingegen den Werten aus 1998 (Szenario 3), wäre mit einem sehr kalten November zu rechnen und das Jahr 2017 würde sich am Ende nur noch auf Platz 9 wiederfinden. Die Spannung bleibt beim Wetter zum Glück bis am Ende gewährleistet. Mit einem weiteren Top-10-Jahr auf der Wärmeskala ist aber durchaus zu rechnen – auch in Zürich.

Wetterjahr 2017 wohl wieder unter den wärmsten

Goldener Oktober im Flachland: mehr Zufall als Regelfall

Vom 11.-20. Oktober herrschte in der Schweiz sonniges und mildes Bilderbuchwetter – sprich goldenes Oktoberwetter, oder sonniges Altweibersommerwetter? Abgesehen vom Nebel im Mittelland gab es zahlreiche Sonnenstunden und für die Jahreszeit hohe Temperaturen. Nach einem September, welcher im landesweiten Durchschnitt 1,6 Grad unter den Erwartungen blieb und der in den Bergen oberhalb von 2000 Meter mehrmals Schnee brachte, kamen die goldenen Oktoberwochen wie gerufen.

Langanhaltende Schönwetterphasen im Herbst werden Altweibersommer genannt. Der Altweibersommer ist einer der bekanntesten Witterungsregelfälle im jährlichen Wetterjahr. Gemäss MeteoSchweiz wird als Witterungsregelfall, auch Singularität genannt, eine an bestimmten Kalendertagen mehr oder weniger regelmässig auftretende Abweichung vom mittleren jährlichen Gang der meteorologischen Elemente bezeichnet. Gemäss Definition in der Literatur soll der Altweibersommer in Mitteleuropa fast regelmässig in der zweiten Septemberhälfte und Anfang Oktober auftreten (z.B. Meyers kleines Lexikon Meteorologie, 1987 oder Allgemeine Klimageographie, 1980). In der Schweiz hält sich der Altweibersommer jedoch nicht genau an diese Definition.

Weder Mitte noch Ende Oktober ist in Zürich, anders als in den Bergen, eine Häufung von Schönwettertagen ersichtlich.

Mitte Oktober

Falls der Altweibersommer regelmässig auftritt, muss dies in den historischen Wetterdaten ersichtlich sein, namentlich in der täglichen Dauer des Sonnenscheins. Erwartungsgemäss bringt der Altweibersommer viele Tage mit sonnigem Wetter. Ein Tag gilt als „heiter“ oder eben „schön“, wenn die Sonnenscheindauer 80 Prozent oder mehr erreicht. Das heisst, die Sonne darf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nur zu einem Fünftel der Zeit von Wolken oder Nebel verdeckt werden. Auswertungen von MeteoSchweiz für die Wetterstation Davos zeigen eindrücklich, dass der Altweibersommer ein Mitte-Oktober-Phänomen ist. In der gesamten betrachteten Periode von 1901 bis 2015 zeigten die Tage vom 12. bis zum 17. Oktober am häufigsten schönes Wetter. Insbesondere waren der 12., und 13. sowie der 16. und 17. Oktober in mindestens 50 Prozent der Fälle, im langfristigen Durchschnitt also mindestens jedes zweite Jahr schön. An den übrigen Oktobertagen sowie im September war schönes Wetter sichtbar weniger häufig.

 

Altweibersommer gestern und heute

Der Altweibersommer hat sich im Laufe der Zeit terminlich und auch in seiner Ausprägung deutlich verändert. Zwischen 1901 und 1930 war der 11. und 12. Oktober in 60 Prozent der Jahre schön, der 16. und 17. Oktober gar in 67 bzw. 70 Prozent der Jahre. Der 13., 14. und 19. Oktober war im Durchschnitt jedes zweite Jahr schön. Zwischen 1931 und 1960 erreichte die Häufigkeit für Schönwetter vom 12. bis zum 16. Oktober 50 bis 60 Prozent. Es war die stabilste Schönwetterzeit in den Monaten September und Oktober. In der Periode 1961 bis 1990 zeigte der Oktober eine auffallend andere Charakteristik. Eine definierte mehrtägige Phase um die Monatsmitte mit häufig schönem Wetter ist nicht mehr erkennbar. Dagegen wurde Schönwetter in der zweiten Oktoberhälfte markant häufiger. Auch unter den heutigen Klimabedingungen ist der Altweibersommer im Oktober ein Thema, allerdings nicht mehr in der markanten Ausprägung wie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. In der Periode der automatischen Messungen von 1981 bis 2015 ist vom 25. bis am 27. Oktober eine Häufung von Schönwettertagen zu finden, wie Auswertungen von MeteoSchweiz zeigen. Die einst klassische Schönwetterperiode zur Oktobermitte kommt in den letzten 35 Jahre hingegen nicht mehr zum Ausdruck.

Fehlanzeige im Flachland

Analysen der Schönwettertage im Herbst in Zürich zeigen hingegen ein ganz anderes Bild. Weder in den Klimaperioden des 20. Jahrhunderts noch unter aktuellen Klimabedingungen der letzten Jahre ist ein Altweibersommer im September oder Oktober ersichtlich. Anzeichen für einen Altweibersommer in Zürich zeigen sich noch am ehesten Anfang September. Zwischen 1931 und 1960 erreichte die Häufigkeit für Schönwetter vom 3. bis 6. September 40 bis 50 Prozent. In der Periode 1981 bis 2016 erreichen der 8. und 9. September eine Schönwetterquote von nahezu 50 Prozent. Vom Altweibersommer, welcher Mitte oder Ende Oktober in den Bergen auftritt, spürt das Flachland nichts. Grund ist der Nebel oder Hochnebel, welcher die Sonne im Herbst auch bei Schönwetterlagen länger verdecken kann.

In der Schweiz tritt der Altweibersommer also erst im Oktober auf und ist folglich gleichbedeutend wie der „Goldene Oktober“. So richtig zur Geltung kommt der Altweibersommer nur in Berglagen über dem Nebelmeer. Im Flachland sind weder Altweibersommer noch der „Goldene Oktober“ nachweisbar. Umso mehr lernen wir den diesjährigen Oktober zu schätzen.

> siehe auch MeteoSchweiz “Altweibersommer” 

Goldener Oktober im Flachland: mehr Zufall als Regelfall

Wieder ein (kleiner) Hitzesommer

Die Schweiz und Zürich durchschwitzten den 3.-heissesten Sommer seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1864. Anders als 2003 und 2015 kam heuer trotz wechselhaftem Charakter grosse Hitze zustande.

Zürich registrierte nach dem drittwärmsten Frühling auch den drittwärmsten Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Heisser waren bisher nur der Sommer 2015 und der Hitzesommer 2003. Seit den 1980er sind die Sommer spürbar wärmer geworden (10-Jahresdurchschnitt in rot).

Bereits seit Mitte Mai verwöhnte uns der diesjährige Sommer mit viel Wärme und Sonnenschein. Es sind aber nicht lang anhaltende Schönwetterperioden mit eitlem Sonnenschein, welche den diesjährigen Sommer prägten. Vielmehr zeichnete sich der Sommer 2017 durch ein ständiges Auf und Ab der Temperaturen und ein Hin und Her des Wetters aus. So reihten sich nie mehr als zehn schöne und hochsommerlich warme Tage hintereinander. Im Gegenteil, fast im Wochenrhythmus wechselten sich heisse und kühlere Phasen ab. Die heissen Phasen dauerten aber länger und waren in ihrer Intensität deutlich ausgeprägter als die kühlen Phasen. Mit insgesamt vier Hitzewellen und 15 bis 20 Hitzetagen mit mehr als 30 Grad gesellt sich der Sommer 2017 in Zürich zu den ganz heissen. Nur die Jahre 2003 und 2015 brachten mit je 26 heissen Tagen deutlich mehr Hitze hervor. Nur an neun Tagen blieb die Höchsttemperatur unter 20 Grad. So erstaunt es nicht, dass die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur zwischen Juni und August mit 25,8 Grad die zweithöchste war seit Messbeginn im Jahr 1864. Nur im legendären Hitzesommer 2003 stiegen die täglichen Höchsttemperaturen mit durchschnittlich 28 Grad noch höher.

 

Schlaflos in Zürich

Die grosse Sommerwärme machte sich in diesem Jahr nicht nur in hohen Tageshöchsttemperaturen bemerkbar, sondern vor allem auch durch erstaunlich hohe Nachttemperaturen – die das Schlafen in vielen Sommernächten erschwerten. Während sieben Nächten sank die Temperatur sogar nie unter 20 Grad. In diesen Fällen sprechen Meteorologen von Tropennächten. Solche waren für Zürich bis vor wenigen Jahren noch eine absolute Seltenheit. Selbst im Jahrhundertsommer 2003 gab es lediglich eine Tropennacht in Zürich. Der bisherige Rekordhalter ist der Hitzesommer 2015 mit insgesamt neun Tropennächte. Der Sommer 2017 reiht sich somit gleich dahinter auf Platz zwei in Sachen Tropennächten ein.

 

Konstant hohe Temperaturen über alle drei Sommermonate. Jedoch mit einem ständigen Auf und Ab.

Höhepunkt bereits im Juni

Der Sommer 2017 setzte relativ früh zum Höhepunkt an. So brachte die Hitzewelle vom 19.-23. Juni mit Temperaturen bis 34 Grad am Zürichberg die höchsten Temperaturen. Der 23. Juni war mit einer Tagesdurchschnittstemperatur von 27 Grad zudem der wärmste Tag des Sommers. So war der Juni auch der wärmste Monat im diesjährigen Sommer. Juli und August waren in der Folge einige Zehntelgrad kühler, wobei der August wiederum etwas wärmer war als der Juli. Grosse Unterschiede zeigten sich temperaturmässig aber kaum zwischen den einzelnen Sommermonaten. Vielmehr hielt sich die Sommerwärme seit Mitte Mai auf relativ konstantem Niveau. Richtig sonnig war vor allem der Juni. Vom 10.-27. Juni präsentierte sich der Sommer abgesehen von kurzen Unterbrüchen von seiner sonnigen und heissen Seite. Mit 260 Sonnenstunden war der Juni der sonnigste Monat des Sommers. Der Juli war dann mit 200 Sonnenstunden nur durchschnittlich. Mit 210 Sonnenstunden war der August dann etwas sonniger als im langjährigen Durschnitt. Mit insgesamt 670 Sonnenstunden machte die Sonne diesen Sommer rund 70 Überstunden. Seit 2001 waren jedoch auch sechs Sommer sonniger als 2017.

 

41% der Tage brachten Regen

Der wechselhafte Charakter des Sommers schlägt auch bei der Anzahl Regentage durch. An insgesamt 38 Tagen, oder an 41 Prozent der Sommertage, fiel Regen – häufig in Form von Gewittern. Diese Anzahl Regentage liegt im Bereich der langjährigen Erwartungen. Die Regenmengen summierten sich auf total 330 mm. Das entspricht knapp 90 Prozent der üblichen Sommerniederschlagsmengen. Die Niederschlagsmengen waren jedoch nicht gleichmässig über den Sommer hinweg verteilt. So blieben Juni und August trockener, wohingegen im Juli überdurchschnittlich grosse Regenmengen in Zürich niedergingen.

 

3.-wärmster Sommer

Mit durchschnittlich 19,6 Grad am Zürichberg reiht sich der Sommer 2017 als drittheissester Sommer seit Beginn der systematischen Erhebungen im Jahr 1864 in die Messreihe ein. Wenige Zehntelgrad heisser war lediglich der Hitzesommer 2015 mit durchschnittlich 20,2. Der Jahrhundertsommer 2003 bleibt mit 21,6 in Zürich weiterhin unantastbar. Erstaunlich ist, dass im Unterschied zu den Hitzesommern 2003 und 2015 der diesjährige Sommer trotz wechselhaftem Witterungscharakter so viele Hitzetage hervorbrachte.

Wieder ein (kleiner) Hitzesommer

Bei welcher Wetter-App herrscht eitler Sonnenschein?

Auf den Smartphones sind sie nicht mehr wegzudenken: Wetter-Apps können das Wetter zwar auch nicht beeinflussen, aber zumindest schöner darstellen. Dieser Artikel hat bekannte und weniger bekannte Wetter-Apps auf dem Radar und zeigt ihre Hochs und Tiefs.

Wie wird das Wetter am Wochenende? Kann der Tennismatch noch fertig gespielt werden oder kommt schon die nächste Regenfront? Wie stark hat der Sturm letzte Nacht gewütet? Unsere Fragen rund ums Wetter beantworten wir heutzutage mit ein paar Klicks in unseren Wetter-Apps auf unseren Smartphones. Es gibt zahlreiche Wetter-Apps in den App-Stores und fast täglich kommen neue dazu. Alle mit einem etwas anderen Erscheinungsbild, alle mit ein paar neuen Funktionen und fast alle mit einer anderen Wetterprognose für die nächsten Tage. Auch wenn es hunderte Wetter-Apps gibt, haben sich einige wenige Apps als Froschkönige etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die populärsten Apps, deckt Relevantes auf und sagt, was jeder über Wetter-Apps wissen muss.

Zweierlei Wetter-Apps

Eine gute Wetter-App liefert verlässliche Wetterinformationen, genaue Prognosen und bietet eine einfache und personalisierte Bedienung. Um beurteilen zu können, ob die Wetter-App verlässliche und gute Prognosen liefert, sollte sich jeder fragen: «Wer steckt dahinter?». Es gibt grundsätzlich zwei Gruppen von Wetter-Apps: Apps der Wetterbüros wie bspw. die App von MeteoSchweiz oder SRF Meteo, die ihre eigenen Daten, Dienste und Prognosen präsentieren, und Wetter-Apps wie «Wetter Alarm», «Landi Wetter», «Wetter Live» oder «Wetter für die Schweiz» von Firmen oder Entwicklern, die eingekaufte Wetterdaten neu darstellen. Hinter den Apps der ersten Gruppe stecken immer ortskundige Meteorologen, so dass die Qualität und Zuverlässigkeit grundsätzlich höher ist als bei der zweiten Gruppe. Grosse Unterschiede gibt es bei den rundum beliebten Orts- oder Punktprognosen. So kann zum Beispiel eine Lokalprognose für die Postleitzahl 8053 oder für den Bürkliplatz abgerufen werden. Solche Punktprognosen werden immer automatisch aus Wettermodellen generiert, sind also keine Prognosen von erfahrenen Meteorologen. Wie gut diese Punktprognosen sind, ist davon abhängig, wie gut das verwendete Wettermodell ist. Die App WeatherPro von MeteoGroup hat sich auf diese automatischen Punktprognosen spezialisiert und erreicht daher weltweit wie auch in der Schweiz eine hohe Qualität. Aber auch MeteoSchweiz, SRF Meteo und meteoblue haben eigene Modelle und Berechnungsverfahren, um eine hohe Zuverlässigkeit dieser automatischen Punktprognosen zu liefern. Anders sieht es bei Apps wie WetterOnline, «wetter.com», «Yahoo! Wetter», oder AccuWeather aus. Diese verwenden als Basis für ihre Punktprognosen in der Schweiz grob aufgelöste Weltwettermodelle, welche in der kleinräumigen und topografisch anspruchsvollen Schweiz völlig durchfallen und praktisch unbrauchbar sind. Gleiches gilt auch für die vorinstallierte iPhone-Wetter-App, weil sie Daten von «The Weather Channel» verwendet und in der Schweiz ein No-Go ist.

Ein Hoch auf diese drei Wetter-Apps

Die wertvollsten Informationen können übrigens in den Lauftexten des «Wetterberichts» in den Apps von MeteoSchweiz und SRF Meteo gefunden werden. Diese Texte werden von erfahrenen Meteorologen verfasst und mehrmals täglich aktualisiert. Diese Berichte schildern den Wetterablauf der nächsten Tage detailliert und geben einen viel besseren Überblick als einfache Sonne-Wolken-Regen-Symbole. Im Ausland geben die Punktprognosen von «WeatherPro» einen guten Überblick. Die Apps «MeteoSwiss», «SRF Meteo» und «WeatherPro» gehören deshalb auf jedes Smartphone.

 

SRF Meteo

Die App von SRF Meteo bringt die landesweit bekannten Wolken-animationen vom Fernsehen auf die Smartphones. Die App verfügt über einen von Meteo-rologen verfassten Wetterbericht und weltweite Orts-prognosen. Die Lokalprognosen in der Schweiz basieren auf einem hochaufgelösten Wettermodell speziell für Mitteleuropa. Mehrmals täglich werden Beiträge im Blog namens «Meteo-News» auf der App veröffentlicht.

Meine Erfahrung:

Intuitive Bedienung mit Glamour-Effekt. Die Expertise der Meteorologen kommt mit den standardisierten Ortsprognosen und den knappen Wetterberichten zu kurz.

Radar unterscheidet zwischen Regen und Schnee, Wetterbericht von Meteorologen, Saisonspezials wie Schneekarten.

Wenig detaillierter Wetterbericht, Grafiken wirken etwas überladen, keine Stationsmesswerte.

Bewertung:

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MeteoSwiss

Die offizielle App des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz besticht durch ihre individualisierbaren Darstellungs-möglichkeiten. Neben einem detaillierten Wetterbericht für die nächsten fünf Tage und einem Ausblick auf die Tage 6 und 7 ist auch ein Trend für die nächsten 14 Tage in Textform enthalten. Die Wetterprognosen und die Radarprognose stammen von einem hochaufgelösten Wettervorhersage-modell speziell für den Alpenraum.

Meine Erfahrung:

Den Wetterbericht und die Blogbeiträge lese ich jeden Tag. Im Sommer vertraue ich auf den Niederschlagsradar der MeteoSchweiz App.

Wetterbericht von Meteorologen, Radarprognose, zahlreiche Messwerte, intuitive Bedienung.

Im Ausland unbrauchbar, Radar unterscheidet nicht zwischen Regen und Schnee, keine Klimadaten zugänglich.

Bewertung:

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WeatherPro

Bei der Wetter-App «WeatherPro» von MeteoGroup stehen automatisierte Punktprognosen im Zentrum. Und genau darauf, hat sich MeteoGroup unter anderem spezialisiert. Die Prognosen von «WeatherPro» werden von amerikanischen und europäischen Modellen gefüttert und mit statistischen Verfahren, sogenannten Model Output Statistics (MOS) auf die lokalen Gegebenheiten angepasst. Damit gelingen weltweit verlässliche Prognosen.

Meine Erfahrung:

Ob in der Schweiz oder im Ausland: für eine einfache Lokalprognose nutze ich immer «WeatherPro». Wetterberichte von Meteorologen suche ich hier aber vergebens.

Weltweite Lokalprognosen, hohe Prognosegüte, einfaches und anschauliches Design.

Kein Wetterbericht von Meteorologen, Kein verlässlicher Radar für die Schweiz, exklusive Inhalte der Premium-Version.

Bewertung:

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meteoblue

Die App von meteoblue, einem Spin-off der Universität Basel, liefert weltweit ortsgenaue Wetterinformationen in hoher Qualität. Dafür verfolgt meteoblue einen sogenannten Ensemble-Ansatz und kombiniert und gewichtet verschiedene Wettermodelle miteinander, um daraus eine präzise Ortsprognose abzuleiten. Mit «Where2Go» bietet die App die einzigartige Möglichkeit, das beste Wetter für die nächsten Tage in einem Umkreis von z.B. 30 km zu finden.

Meine Erfahrung:

Seine Hochschulherkunft kann die App von meteoblue kaum verbergen. Vieles wirkt akademisch und detailverliebt. Wer genau das sucht, kommt mit meteoblue voll auf seine Kosten.

Weltweite Lokalprognosen auf Land und See, zahlreiche Wettermodelle, Where2Go, europäische Wind-Strömungsanimation.

Inhalte (z.B. Meteogramme) nicht Smartphone-optimiert, kein Wetterbericht von Meteorologen, Radar zu kompliziert.

Bewertung:

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MeteoNews

Die App von MeteoNews gibt es als einzige nur in der Bezahlversion. Für den Download sind 4 Franken fällig. Die App liefert Wetterprognosen und aktuelle Messwerte für Ortschaften in der Schweiz und Frankreich sowie für zahlreiche Orte weltweit. Die App liefert zudem Wintersportberichte der relevanten Skiorte und die Wassertemperaturen von Seen, Flüssen und Freibädern in der Schweiz und von Stränden in Feriendestinationen.

Meine Erfahrung:

Die App von MeteoNews macht einen veralteten und verstaubten Eindruck. Die letzte Aktualisierung muss Jahre zurückliegen. Der Kaufpreis von 4 Franken ist nicht gerechtfertigt.

Wassertemperaturen und Wintersportberichte, aktuelle und vergangene Messwerte, Webcams.

Unübersichtlich, veraltetes Design, geringer Funktionsumfang, nur in der Bezahlversion erhältlich.

Bewertung:

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Wetter Alarm

Der «Wetter Alarm» war eine der ersten Wetter-Apps der Schweiz. Heute wird sie von den kantonalen Gebäude-versicherungen und der Helvetia Versicherung betrieben. Die Wetterdaten werden von SRF Meteo geliefert. «Wetter Alarm» informiert per App und Push-Nachrichten über aufkommende Unwetter in der Schweiz. Zudem können Ortsprognosen der kommenden 5 Tage für die ganze Schweiz abgerufen werden.

Meine Erfahrung:

In Punkto Design und Übersicht gibt der «Wetter Alarm» den Takt vor. Im Sommer hilft der exklusive Blitzradar beim Beobachten von Gewittern.

Schönes, intuitives Design, Blitzradar, Pegelstände, Informationen zu Gewässern, Push-Mitteilungen vor Unwettern.

Kein Wetterbericht von Meteorologen, im Ausland unbrauchbar, keine aktuellen Wetterdaten.

Bewertung:

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Bei welcher Wetter-App herrscht eitler Sonnenschein?

Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Der Frühling 2017 ist bisher so warm wie nie seit Messbeginn. Nur drei Jahre, respektive sechs Jahre nach den letzten beiden Rekordfrühlingen. Ob auch die zweite Frühlingshälfte warm verläuft, bleibt aber ein Geheimnis.

Die Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Und so ist es auch mit dem Frühlingswetter. Dieses ist heuer, drei Jahre nach dem letzten Rekordfrühling, so warm wie noch nie seit mehr als 100 Jahren. In der Meteorologie dauert der Frühling vom 1. März bis zum 31. Mai. Es ist also bereits Frühlings-Halbzeit. Und diese erste Halbzeit brachte in Zürich mehr Frühling, als in vielen Jahren überhaupt der ganze Frühling im Stand war. Die Lufttemperatur erreichte in der Periode vom 1. März bis 15. April auf dem Zürichberg einen Durchschnitt von 9,4 Grad. Die erste Frühlingshälfte war damit um deutliche 3,4 Grad übertemperiert, verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Zürich erlebte gleichzeitig auch die wärmste erste Frühlingshälfte seit mindestens Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Temperaturniveau ist dem Kalender rund ein Monat voraus. Und das begann nicht erst im März – bereits der Februar war so mild wie ein Märzmonat. Der März brachte dann durchwegs Apriltemperaturen und in der ersten Aprilhälfte erreichte das Thermometer bereits „Maiwärme“. Die erste Frühlingshälfte 2017 war mit 9,4 Grad sogar wärmer als das langjährige Mittel des Gesamtfrühlings – also die Periode März bis Mai – welches zwischen 1981-2010 9,1 Grad vorweist. Dies erstaunt umso mehr, da die zweite Frühlingshälfte (16. April bis 31. Mai) normalerweise deutlich wärmer ausfällt als die erste (1. März bis 15. April). Dieser Vergleich bringt zutage, wie markant die diesjährige Temperaturanomalie ist.

Die erste Frühlingshälfte (1. März-15. April) war heuer mit durchschnittlich 9,4 Grad in Zürich so warm wie nie zuvor seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Top 5

So warm wie 2017 war die erste Frühlingshalbzeit noch nie, umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass erst das Jahr 2014 und davor 2011 ähnlich hohe Temperaturen in der ersten Frühlingshälfte hervorbrachten. Es scheint als wollen sich die Rekordfrühlinge im 3-Jahres-Rythmthmus wiederholen. Die ersten Frühlingshalbzeiten in den Jahren 2011 und 2014 waren praktisch identisch zum diesjährigen Rekord. Wie heuer war die Periode vom 1. März bis 15. April durch Trockenheit und sehr viel Sonnenschein geprägt. Am trockensten und sonnigsten war es 2011. Damals fiel in dieser Periode nur gerade 37 Liter Regen pro Quadratmeter und die Sonne strahlte 316 Stunden über Zürich. Vor drei Jahren wie auch 2017 waren es immerhin rund 50 Liter Regen, gleichzeitig gab es etwas mehr als 300 Sonnenstunden. Temperaturtechnisch können die Vorjahre der aktuellen Anomalie das Wasser nicht reichen. So erreichte die erste Frühlingshälfte 2011 eine mittlere Lufttemperatur von 8,5 Grad, 2014 waren es 8,8 Grad. Damit gehören sie alle in die Top 5 der wärmsten seit mindestens 1901. Die 2.-wärmste erste Frühlingshälfte wird im Jahr 1981 gefunden. Damals erreichte die Durchschnittstemperatur 9,1 Grad. Jedoch fiel damals in der gleichen Periode mehr als doppelt so viel Regen verglichen mit 2017, und die Sonne schien mehr als 100 Stunden weniger häufig. Es war mehrfach bewölkt. Dies zeigte sich auch in den sehr milden Nächten. So sank das Thermometer 1981 in den Nächten jeweils nur auf 5,3 Grad. 2017 waren die Nächte in der ersten Frühlingshalbzeit mit durchschnittlich 4,4 Grad deutlich kühler, was ein Zeichen dafür ist, dass die Nächte häufig klar und die Tage anschliessend sonnig verliefen. Ebenfalls sehr mild zeigte sich die erste Frühlingshälfte 1961, welche 8,6 Grad am Zürichberg erreichte. Auch witterungstechnisch gibt es viele Parallelen zum aktuellen Frühling. So war es auch 1961 trocken und sonnig, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie in diesem Jahr.

Sommer oder Schnee im Mai?

Dass eine rekordwarme erste Frühlingshälfte keine Garantie für eine weiterhin hochfrühlingshafte zweite Hälfte gibt, offenbart ebenfalls ein Blick in die Wetterbücher. Vor drei Jahren gab es in der zweiten Aprilhälfte sowie im Mai wiederholt ausgeprägte Kaltluftvorstösse. Der Mai verlief insgesamt kühl und regenreich. Auch 1981 kehrte das Wetter in der zweiten Frühlingshalbzeit. Die zweite Aprilhälfte war sehr kühl – respektive nochmals spätwinterlich. Im Mai 1981 folgte ein ständiges Auf und Ab. Noch extremer verlief der Frühling 1961, als nach der sehr milden ersten Frühlingshälfte ein ausserordentlich kalter Mai folgte. Der Mai war sogar kühler als der vorangegangene April und am 28. Mai gab es sogar nochmals messbaren Schnee in Zürich. Es war bis heute der späteste Schneefall in Zürich seit Messbeginn 1931. Ganz anders verlief die zweite Frühlingshälfte 2011, welche der ersten Hälfte nacheiferte. Der einmonatige Temperaturvorsprung blieb erhalten und so war der Mai 2011 so warm wie ein durchschnittlicher Juni und die Trockenheit setzte sich fort. Dem Frühling 2017 kann nun also die Gretchenfrage gestellt werden.

Kälteeinbruch zur Monatsmitte (Ostern 2017)

Von rekordwarm zu fast rekordkalt in nur einer Woche.
Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Der Frühling kommt zwei Wochen früher

Der Frühling kommt in Folge des Klimawandels immer früher und mit ihm seine Boten in Flora und Fauna.

Der erste meteorologische Frühlingsmonat, der März, ist bereits weit fortgeschritten. Bisher war der März deutlich zu mild. Ursache für die milde Witterung war hauptsächlich eine dominierende Westwetterlage, bei welcher Tiefdruckgebiete in schneller Abfolge vom Atlantik kommend über Skandinavien zogen. Mitteleuropa wurde dabei aus Südwesten mit milder Subtropenluft bedient. Wintereinbrüche, wie sie sonst im März vorkommen können, blieben daher aus. Mitte März stellte sich eine über mehrere Tage anhaltende Hochdrucklage ein, welche für viel Sonnenschein und sehr milde Temperaturen sorgte. Das Wochenmittel (Durchschnitt aller Temperaturmessungen während sieben Tagen, Tag und Nacht) stieg daher das erste Mal in diesem Jahr über 8 Grad.

 

Start der Feldarbeit

Im Durchschnitt der Jahre seit 1991 lag das Wochenmittel Mitte März bei 6,3 Grad. Der Frühling 2017 ist verglichen damit bisher 2 Grad wärmer. Im Durchschnitt der Jahre 1961-1990 erreichte das Wochenmittel Mitte März erst 4.2 Grad. Bei diesem Vergleich ist der diesjährige Frühlingsbeginn sogar 4 Grad übertemperiert. So erstaunt es kaum, dass um den 20. März die Grünlandtemperatursumme bereits die magische Grenze von 200 erreichte – so dass der nachhaltige Vegetationsbeginn eingeläutet wurde. Die Grünlandtemperatursumme ist eine Spezialform der Wachstumsgradtage, die in der Agrometeorologie verwendet wird. Sie wird herangezogen, um in Mitteleuropa den Termin für das Einsetzen der Feldarbeit nach dem Winter zu bestimmen.

 

Frühling in drei Akten

Das Erreichen der Grünlandtemperatursumme von 200 gilt als Übergang vom Vorfrühling zum Erstfrühling (auch Mittfrühling). Die erste Phase des Frühlings, der Vorfrühling, startet bereits im Januar – häufiger im Februar oder Anfang März – mit der Blüte der Hasel, Erle und Schneeglöckchen. Als zweite Frühlingsphase folgt der Erstfrühling, gekennzeichnet durch die Blüte der Forsythie (ab einer Grünlandtemperatursumme von 200), der Blattentfaltung von Johannisbeere und später mit der Blüte von Kirsche und Birne. Die Wiesen ergrünen und die Birke setzt ihre Pollen frei, bevor sie, wie auch die Rosskastanie, austreibt. Der Blühbeginn der Birke ist heuer in Zürich auf den 24. März prognostiziert – aufgrund der milden Witterung rund 11 Tage früher als üblicherweise. Die Bauern beginnen mit dem Setzen von Kartoffeln und der Aussaat der Zuckerrüben. Die letzte Phase des Frühlings wird Vollfrühling genannt und präsentiert die Blüte des Flieders und später der Himbeere. Der Vollfrühling startet meist Ende Februar im Südwesten von Portugal und erreicht etwa 90 Tage später(Ende Mai) das etwa 3’600 km entfernte Finnland. Er zieht in Europa also mit etwa 40 km pro Tag nordwärts.

 

Frühlingsboten

Wie in der Flora gibt es auch in der Fauna typische Frühlingsboten. Sobald im März die Sonne die Luft genügend erwärmt, trauen sich erste Insekten heraus. So ist der Marienkäfer ein typischer Bote des Frühlings. Sobald die Märznächte nicht mehr frostig sind und die Bodentemperatur über 5 Grad steigt, beginnt der Wanderzug der Kröten, Frösche und Molche zu einem nahe gelegenen stehenden Gewässer, um zu laichen. Vor allem regnerisches Wetter beschleunigt das Wanderverhalten. Bei Bodenfrost wird die Wanderung unterbrochen und die Tiere graben sich wieder ein. Zum Schutz der Tiere sind an gut frequentierten Strassen deshalb jetzt wieder Krötenzäune aufgestellt. Zugvögel sind weitere Frühlingsboten. Dabei richten sich die verschiedenen Arten nach einem klaren Zeitplan. Star und Bachstelze künden den Vorfrühling an, Mauersegler und Nachtigall kehren häufig in der zweiten Aprilhälfte – also im Vollfrühling zurück.

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Das Sprichwort deutet an, dass auch innerhalb einer Art nicht alle Individuen gleichzeitig heimkehren, wie die Vogelwarte Sempach berichtet. Die ersten Rauchschwalben werden häufig bereits um den 20. März gesichtet, der Hauptharst in der ersten Aprilhälfte und die letzten erst Ende Mai. Bei vielen Arten treffen die Männchen mehrere Tage vor den Weibchen ein, um einen guten Brutplatz zu ergattern.

Frühlingsindex als Mass für die Vegetationsentwicklung; dunkelgrüne Jahre mit späterer, hellgrüne Jahre mit früherer Vegetationsentwicklung; gelb das 5-jährige gewichtete Mittel.
(Grafik: MeteoSchweiz)

Frühlingsindex

Die MeteoSchweiz „vermisst“ mit Hilfe von zahlreichen freiwilligen Beobachtern den Frühling jährlich höchst wissenschaftlich im Rahmen des Frühlingsindex. Dieser zeigt den Zeitpunkt der Vegetationsentwicklung im Frühling im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Der jährlich ermittelte Index fasst die phänologischen Frühlingsphasen zusammen. Da die Temperatur für die Entwicklung der Pflanzen ein zentraler Faktor ist, eignet sich der Frühlingsindex als Mass für die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation. Der Frühlingsindex wird anhand von zehn verschiedenen phänologischen Frühlingserscheinungen ermittelt und jeweils Ende Mai berechnet. Darin fliessen die Beobachtungen ein, die im betreffenden Jahr an rund 80 Stationen in der Schweiz erfasst werden. Der Index zeigt so beispielsweise, dass sich die Vegetation im Jahr 2016 im Frühling früher als im Mittel entwickelte. Im Januar und Februar betrug der Vorsprung der Vegetation drei bis vier Wochen. Kälteeinbrüche verkleinerten den Vorsprung im März und April auf etwa eine Woche und im Mai lag die Vegetationsentwicklung ungefähr im Durchschnitt, wie MeteoSchweiz schreibt.

Das Datum, an dem das Wochenmittel der Temperatur in Zürich über 12 Grad klettert hat sich seit 1991 deutlich nach vorne verschoben. Zuvor war dies rund 90 Jahre lang um den 12. Mai der Fall, heutzutage bereits am 26. April.

Früher Frühling

Ein früher Frühlingsbeginn wie im vergangenen und heuer wieder im aktuellen Jahr sind in den letzten Jahren immer häufiger aufgetreten. Es ist eine direkte Folge des globalen Temperaturanstiegs, welcher auch die Frühlingstemperaturen in der Schweiz deutlich nach oben hievt. Ein Blick auf die Frühlingstemperaturen in Zürich seit 1901 zeigt, dass der Frühling heutzutage immer früher kommt. In der 30-jährigen Periode 1901-1930 überstieg das Wochenmittel erstmals Mitte Mai die 12-Grad-Grenze. Im Zeitraum 1931-1960 war dies im Durchschnitt vier Tage früher, am 10. Mai der Fall. Zwischen 1961-1990 dann jedoch wieder am 13. Mai. Die historischen Wetterdaten zeigen, dass während rund 90 Jahren die 12-Grad-Grenze im Frühling recht konstant jeweils zwischen dem 10.-14. Mai überschritten wurde. In den 26 Jahren seit 1991 zeigt sich ein ganz anderes Bild. Das Wochenmittel überschreitet seither bereits am 26. April die 12-Grad-Grenze – mehr als zwei Wochen früher als noch in der Periode zwischen 1961-1990!

Der Frühling kommt zwei Wochen früher

Februarfrühling

Milde Temperaturen in Zürich, Rekordtemperaturen auf Island und rekordtiefe Ausdehnung des Meereises an beiden Polen des Planeten. Der Februar 2017 spürt den Frühling. Eine Bestandesaufnahme von Pol zu Pol.

Frühlingsgefühle im Februar? Zwischen dem 14.-17. Februar stiegen die Temperaturen auf ungewöhnlich milde Werte für Mitte Februar. Mit fast 17 Grad in Chur, 16 Grad im Wallis und rund 14 Grad im Flachland kamen zweifelsfrei erste Frühlingsgefühle auf. Allgemein begann der Februar 2017 nach dem hochwinterlichen Januar ein neues Kapitel. In einer Westwindströmung gelangte während der ersten Februarwoche sehr milde und feuchte Atlantikluft nach Mitteleuropa. Die Temperaturen lagen 3 bis 5 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. In der Folge baute sich über dem Nordostatlantik ein kräftiges Hochdruckgebiet auf, welches die Westwindzirkulation abermals diesen Winter blockierte. Das Hoch führte an der Ostflanke zu Beginn wieder etwas kältere Luft nach Mitteleuropa, verlagerte seinen Kern dann aber rasch nach Südosten, so dass hochdruckbestimmtes Wetter auch Mitteleuropa dominierte. In der schon kräftigen Februarsonne bedeutete dies Sonnenschein und bis zu 10 Grad Höchsttemperaturen. In der Folge wurde die Witterung wieder stärker zonal und damit unbeständiger, nicht aber kälter, so dass sich insgesamt ein milder Februar abzeichnet. Es steht also ausser Frage, dass der Februar den Frühling spürt.

Ein kalter Januar gefolgt von einem milden Februar. Diese Konstellation kommt in der Schweiz relativ selten vor. In der über 150-jährigen Messreihe von MeteoSchweiz sind nur acht solche Jahre zu finden. Letztmals 1997. Häufiger folgt auf einen kalten Januar auch ein kalter Februar, wie zum Beispiel in den Jahren 2006, 2009 und 2010, oder auf einen milden Januar ein kalter Februar. Auch der zweite Fall ist in Mitteleuropa aus den letzten Jahren bestens bekannt, wie die Jahre 2012, 2013 und 2015 illustrieren.

Blühbeginn

Bei dieser Februarmilde erstaunt es nicht, dass auch die Frühblüher Hasel und Erle den nahen Frühling spüren. Pollengeplagte juckt es bereits wieder in der Nase. Der Blühbeginn der Hasel fand am 16. Februar statt – jener der Erle ist auf den 23. Februar prognostiziert. In der Westschweiz blühen die Erlen aber bereits seit einer knappen Woche, so dass bei geeigneten Windverhältnissen auch in Zürich schon mässige Pollenkonzentrationen auftreten können. Blühende Hasel- und Erlengewächse sind für Mitte Februar aber keinesfalls aussergewöhnlich. Im Gegenteil: Der diesjährige Blühbeginn in Zürich ist sogar zwei Wochen nach Termin. Grund dafür war der sehr kalte Januar – die Vegetation verharrte den ganzen Monat über in der Winterruhe. In den letzten Jahren, als der Januar regelmässig mit ungewöhnlicher Wärme auftrumpfte, konnte der Blühbeginn von Hasel und Erle vielfach bereits im Januar verzeichnet werden.

Gesamte Meereisbedeckung am Nord- und Südpol. Der jährliche Verlauf wird geprägt durch die Ausdehnung und den Rückzug des Meereises an beiden Polen. Aufgrund der gegensätzlichen Jahreszeiten und der grösseren Eismassen am Südpol zeigt sich das charakteristische Muster mit zwei Spitzen im Juni und November. Seit September 2016 zeichnet sich eine dramatische Entwicklung der globalen Meereisbedeckung ab: so wenig Meereis wie aktuell gab seit Beobachtungsbeginn 1979 noch nie.

Eisschmelze im Winter

Nicht nur das lokale, auch das globale Wetter spielt weiterhin verrückt. Am deutlichsten zeigt sich das zurzeit an den beiden Polen der Erde. Am Nordpol, nördlich des 80. Breitengrades, gab es seit Dezember 2015 keinen einzigen Tag während der Polarnacht (Oktober bis März) mehr, welcher kälter war verglichen mit dem langjährigen Mittel der Jahre 1958-2002. Seit Herbst 2016 erlebte die Arktis bereits vier winterliche „Hitzewellen“ mit Temperaturen, die bis zu 20 Grad über dem Durchschnitt lagen. Das wäre, wie wenn es in der Schweiz mitten im Januar 25 Grad werden würde. Für die Nordpolregion bedeutet dies -10 anstatt -30 Grad. Lokal kann dies jedoch ein krasses Ausmass annehmen. So wurde am 12. Februar in Eyjabakkar, im Osten von Island, eine Höchsttemperatur von frühlingshaften 19,1 Grad gemessen. Die konstante Wärme am Nordpol hat zur Folge, dass sich das Meereis in der Arktis viel langsamer ausdehnt als in anderen Jahren. Im Januar und Februar wurden neue Negativrekorde der Meereisbedeckung beobachtet. Obwohl sich das Eis normalerweise noch bis Mitte März weiter ausdehnt, gab es Mitte Februar sogar schon einzelne Tage mit einem Netto-Eisverlust. Eisschmelze mitten im Winter ist schon sehr aussergewöhnlich. Es scheint klar zu sein: Die Arktis spürt bereits den Frühling.

Zweiter Frühling in der Antarktis

Das Meereis fehlt in diesem Februar aber nicht nur am Nordpol, sondern auch am Südpol in der Antarktis. Am Südpol wird in rund einem Monat das jährliche Meereis-Minimum erwartet, denn es ist zurzeit Sommer auf der Südhemisphäre. Doch dieses Jahr zog sich das Meereis deutlich stärker zurück als in den Jahren zuvor. Blieb das Meereis in den letzten Jahren erstaunlich konstant, respektive war es in einigen Jahren sogar überdurchschnittlich, so beschleunigte sich das Abschmelzen in den letzten zwei Jahren umso schneller. Der bereits 2016 beobachtete starke Rückzug setzt sich nun auch 2017 fort. Noch nie seit Beobachtungsbeginn der Meereisbedeckung in der Antarktis 1979 gab es im Januar und Februar so wenig Meereis. Kein Zweifel: Die Antarktis erlebt ihren zweiten Frühling. Zwei Negativrekorde in der Meereisbedeckung an beiden Polen der Erde. Das heisst, dass global noch nie seit 1979 so wenig Meereis unseren Planeten bedeckte wie zurzeit. Mitte Februar waren nur noch etwas mehr als 13,5 Millionen Quadratkilometer mit Meereis bedeckt. Dieser neue Negativrekord unterschreitet den alten Rekordwert um beinahe 1 Million Quadratkilometer! Im langjährigen Durchschnitt dehnt sich das Meereis im Februar global auf 15,5 Millionen Quadratkilometer aus. Aktuell ist die von Meereis bedeckte Fläche also rund 13% kleiner als üblicherweise zu dieser Jahreszeit.

Es scheint, als ob alle den Frühling spüren würden. Doch ein milder Februar macht noch lange keinen Frühling. Der Winter dürfte zwar überstanden sein, denn ab Ende Februar startet der Frühling normalerweise mit seinem Temperaturanstieg, welcher bis im Juli oder August anhält. Dieser Temperaturanstieg verläuft aber keinesfalls linear. Viel eher ist es ein treppenartiger Anstieg der Temperaturen mit Perioden der starken Erwärmung gefolgt von kurzen Kälterückfällen. Die steilsten Temperaturanstiege brachten in den letzten Jahren jeweils die Perioden Mitte und Ende März, Ende April und Ende Mai.

Februarfrühling

Kalter aber kein eisiger Januar

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten einen der kältesten Januarmonate seit 30 Jahren. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von minus 3 Grad war der Januar am Zürichberg mehr als drei Grad kälter gegenüber der Referenzperiode 1981-2010.

Der Januar 2017 gehört zu den 30 kältesten seit Messbeginn 1864. Damit passt er so gar nicht ins Bild der letzten Jahre. Denn es war der erste unterkühlte Jänner seit sieben Jahren. Letztmals kälter war der erste Monat des Jahres in Zürich 1987 mit minus 4,3 und 1985 mit minus 5,4 Grad durchschnittlicher Lufttemperatur. Auch wenn wir schlotterten, der Januar 2017 ist auch in jüngerer Zeit nicht das Mass aller Dinge, wie MeteoSchweiz schreibt. Vor nur fünf Jahren brachte der Februar 2012 in Zürich mit minus 3,5 Grad noch tiefere Temperaturen.

Selbstgemachte Eistage

Zustande kam die Januarkälte 2017 durch winterliche Hochdruckgebiete. Wie schon im Dezember war auch der Januar geprägt von hohem Luftdruck. Es handelte sich aber nicht um klassische winterliche Sibirienhochs, sondern um eine mitteleuropäische Eigenproduktion. Während Sibirienhochs ganz Europa eisiges Wetter bringen, liegen bei Hochs über Mitteleuropa die nördlichen Teile Europas, vor allem die skandinavischen Länder, häufig in einer etwas milderen westlichen Strömung, Mitteleuropa dagegen bekommt Luft aus dem Osten, respektive produziert seine Kaltluft unter der Schirmherrschaft des Hochs selbst. Diese bodennahe Kaltluftproduktion hat sich schon während der winterlichen Hochs im Dezember 2016 abgezeichnet, verstärkte sich durch das Einfliessen arktischer Luftmassen im Januar aber entscheidend. So war der Dezember 2016 erst leicht unterkühlt. Ein entscheidender Unterschied war auch in der Schneedecke auszumachen. Während der Dezember aufgrund fehlender Niederschläge schneefrei über die Bühne ging, blieben die spärlichen Schneefälle von Anfang Januar in der Folge den ganzen Monat über liegen. Erst mit einer Schneedecke wird die mitteleuropäische Kältemaschine dann auch richtig effizient. So wurden im Januar 2017 in Zürich 18 Tage mit Dauerfrost, sogenannte Eistage, registriert. Also Tage, an denen die Lufttemperatur ganztags unter null Grad verharrte. Damit gehört der Januar 2017 zu den 15 eisigsten Januarmonaten seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Letztmals mehr Dauerfrost brachte der Januar 1997 mit insgesamt 19 Eistagen.

Die längsten Kältewellen erlebte Zürich im Winter 1916/17 und 1996/97 mit 25, respektive 24 Tagen Dauerfrost ohne Unterbruch.

Kältewelle in Zahlen

Die Anzahl Eistage gibt Aufschluss über die Konstanz eines winterlichen Monats. Doch die zeitliche Abgrenzung der eigentlichen Kältewelle stimmt nicht mit dem kalendarischen Monatsanfang und -ende überein.

Genau genommen erlebte Zürich zwei aufeinanderfolgende Kältewellen. Die erste startete am 30. Dezember und dauerte knapp zwei Wochen bis zum 10. Januar. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit Temperaturen bis 5 Grad und Westwind, brach gleich die zweite, die intensivere Kältewelle über Mitteleuropa herein. Sie dauerte vom 14.-26. Januar. Während dieser Periode herrschte anhaltender Dauerfrost. Es konnten also 13 zusammenhängende Eistage beobachtet werden. Die Anzahl zusammenhängender Eistage gibt somit Aufschluss über die Länge einer Kältewelle. Letztmals länger dauerte eine Kältewelle im Februar 2012 mit 16 Tagen Dauerfrost. Die Kältewelle im Januar 2017 gehört aber zu den 17 längsten seit 1901.

Die Intensität einer Kältewelle lässt sich mit einem weiteren Indikator ausdrücken. Mit dem Temperaturdurchschnitt über 14 aneinanderfolgende Tage.

Gemittelt über 14 Tage sank die Temperatur in Zürich während der zweiten Kältewelle im Januar 2017 auf minus 5,4 Grad. Damit war die diesjährige Kältewelle nicht wirklich aussergewöhnlich. Im langjährigen Durchschnitt seit 1901 treten Kältewellen in gleicher oder höherer Intensität sogar alle 3 bis 4 Jahre auf. Die Kältewelle im Februar 2012 erreichte mit minus 9,9 Grad einen spürbar tieferen Wert.

Die diesjährige Kältewelle im Januar 2017 war die intensivste und längste seit Februar 2012. Im langjährigen Vergleich hebt sie sich am ehesten über ihre Länge, keinesfalls jedoch über ihre Intensität von anderen ab.

Harter Winter?

Für Aufsehen sorgte vor allem das tiefe Januarmonatsmittel der Temperatur, welche durch die rasche Abfolge von zwei rund zweiwöchigen Kältewellen zustande kam, so dass der Januar 2017 praktisch durchgehend kalt aber nie richtig eisigkalt war. Zusammen mit dem schon recht kalten Dezember ist der Winter 2016/17 in Zürich bisher recht hart. Dies zeigt sich eindrücklich in der Summe aller negativen Tagesmitteltemperaturen im bisherigen Winter. Meteorologen sprechen von der Kältesumme eines Winters. Am 31. Januar liegt sie im langjährigen Durchschnitt bei minus 108. Heuer lag die Kältesumme an diesem Datum bereits bei minus 130. Zum Vergleich: Vor einem Jahr stand die Kältesumme am 31. Januar nach anhaltender Winterwärme bei rekordverdächtigen minus 17. Der Winterverlauf kann Ende Januar aber auch richtig hart sein. So lag die Kältesumme Ende Januar 1963 schon bei minus 355, 1941 zumindest bei minus 293.

Mit dem Monatswechsel in den Februar kam der Wetterumschwung. Zum ersten Mal diesen Winter konnte sich der mildernde Westwind für mehrere Tage in Folge etablieren und führte laue aber auch sehr feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa. Nach einer zweieinhalbmonatigen Trockenperiode fiel vom 30. Januar bis zum 1. Februar in Zürich innert kurzer Zeit so viel Niederschlag wie üblicherweise im ganzen Monat zu erwarten wäre. Die Temperaturen sprangen in die Höhe. In Zürich gab es Anfang Februar knapp 10, in Genf sogar 15 Grad. So kamen schon fast leise Frühlingsgefühle auf.

Ob sich der Winter von diesem Rückschlag nochmals erholen kann, muss sich zeigen. Was sich sagen lässt, ist, dass in den letzten vier Jahrzehnten massive Kältewellen aus unserem Winterklima fast verschwunden sind.

Kalter aber kein eisiger Januar

Blockiertes Winterwetter

Obwohl das Jahr 2016 global erneut das wärmste seit Messbeginn war, verläuft der diesjährige Winter in Europa äusserst hart. Europa wurde im Januar gleich von zwei Kältewellen heimgesucht. Mitverantwortlich sind blockierte Wetterlagen und möglicherweise die viel zu warme Arktis.

Die globale Erwärmung hat nach 2014 und 2015 auch im vergangenen Jahr 2016 ein Ausrufezeichen gesetzt. Nachdem bereits die beiden Vorjahre jeweils die global wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen waren, setzte 2016 abermals einen neuen Rekord. Dies geht aus drei unabhängigen Datensätzen der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, der US-Klimabehörde NOAA und des britischen Klimadienstes MetOffice zusammen mit der Universität von East Anglia (UEA) hervor. Während die NASA mit Satelliten die Erdatmosphäre aus dem Weltall beobachtet und misst, aggregieren NOAA und die Datenreihe HadCRUT4 (MetOffice mit UEA) mit unzählige Messdaten von Bodenwetterstationen, Bojen, Schiffen, usw., um die durchschnittliche Temperatur der Land- und Ozeanoberflächen zu bestimmen. Trotz unterschiedlicher Herangehensweise kommen alle zum gleichen Schluss: 2016 war 1,1 Grad wärmer (gegenüber der Periode 1850-1990) und damit erneut das wärmste Jahr mindestens seit den 1850er Jahren. Am extremsten waren die Abweichungen in der Arktis rund um Spitzbergen, wo das vergangene Jahr rund 8 Grad wärmer war gegenüber der Referenzperiode 1981-2010! Zum Vergleich: in der Schweiz war 2016 „lediglich“ 0,7 Grad milder und gehörte trotzdem zu den zehn wärmsten Jahren seit 1864.

Blockiertes Strömungsmuster und Abweichung der Lufttemperatur gegenüber 1981-2010 vom 12.-18. Januar 2017. Kartenmaterial: www.karstenhaustein.com/climate

Extrem warme Arktis

Die grössten Temperaturüberschüsse in der Nordpolarregion zeigten sich vor allem zwischen Oktober und Dezember. Und auch im noch jungen neuen Jahr war die Arktis gebietsweise 20 Grad wärmer als üblicherweise in dieser Jahreszeit. Inmitten der Polarnacht steigen die Temperaturen zeitweise sogar über den Gefrierpunkt. Die Folgen: das Meereis dehnt sich viel weniger rasch aus und bedeckt deutlich geringere Flächen als normalerweise. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Strömung auf der Nordhemisphäre. Möglicherweise zeigt der Jetstream, das Starkwindband in rund 10-15 km Höhe, kräftigere Ausschläge mit grossen Trögen bis weit in den Süden. Die warme, eisfreie Arktis wirkt wie eine Pumpe, welche die kalte Luft in die mittleren Breiten (Eurasien, Nordamerika) presst. Bleiben diese Ausschläge über längere Zeit bestehen, sprechen Meteorologen von einem „Blocking“. Dies führt zu extremen und langanhaltenden Wetteranomalien.

Extremer Winter

Ein solches Blocking erlebte die Schweiz mit dem anhaltenden Hochdruckwetter zwischen Ende November und Ende Dezember, als während 43 Tagen keine Niederschläge fielen und die Temperaturen in der Höhe rund 5 Grad übertemperiert waren. Mit dem Jahreswechsel kam der Wetterwechsel. Am 5. Januar steuerte ein umfangreiches Tiefdruckgebiet über Skandinavien aus Nordwesten feuchte und kalte Schneeluft nach Mitteleuropa. Es war der erste Polarluftausbruch des Winters. Die Winde drehten auf Nordosten und führten eisige Luft in die Schweiz. Nach einer klaren Nacht war es am Morgen des 7. Januars bitterkalt. Mit -14,6 Grad in Zürich-Witikon war es die kälteste Nacht seit 5 Jahren. In der Folge erwachte der Atlantik aus dem Winterschlaf, liess die Westwinde für einmal wehen und schickte eine Kostprobe nach Europa. Westlich der Bretagne entwickelte sich das Sturmtief Egon, welches am 12. Januar über Europa brauste. Egon brachte nur eine kurzfristige Milderung. Zu kleinräumig war das Sturmtief, um die Kaltluft nachhaltig aus dem Lande zu räumen. Das Sturmtief war ein Ausreisser und der Westwind versiegte wieder. Die Strömung war daraufhin erneut meridional und dadurch geprägt von grossen Trögen nach Süden und Rücken nach Norden. So erstaunte es nicht, dass ab dem 14. Januar aus Osten der zweite Kaltluftvorstoss erfolgte.

Hoch über Tief

Die zweite Kältewelle im Januar 2017, welche am 14. Januar einsetzte, war besonders langlebig. Erneut war ein Blocking verantwortlich für die Ausdauer. Genauer spezifiziert handelte es sich um ein „High-over-Low-Blocking“. Diese Art von Blocking entsteht, wenn sich ein Hochdruckgebiet (High) von den Britischen Inseln bis nach Russland erstreckt und gleichzeitig ein Tiefdruckgebiet (Low) über dem Mittelmeer zu liegen kommt. Zu erwarten wäre die umgekehrte Situation mit einem Hochdruckgebiet im Süden über dem Mittelmeerraum und Tiefdruckgebieten im Norden bei den Britischen Inseln. Im Januar 2017 lag die Schweiz während dem High-over-Low-Blocking am Rand des Hochs im Norden, so dass mit einer markanten Bisenströmung sehr kalte Luft zur Alpennordseite gelangte.

Eine geschlossene Schneedecke von Deuschland bis in die Türkei und von der Schweiz bis nach Finnland. Quelle: http://zoz.cbk.waw.pl/

Weitere Kältewellen?

Nach dem sehr kalten Januar 2017 drängt sich die Frage auf, wie es mit dem Winter weitergehen wird. Der Pfäffikersee ist bereits eisbedeckt. Bei einem erneuten Kaltluftvorstoss im Februar würde im Kanton Zürich auch der Greifensee überfrieren. Damit Ende Februar auch der Zürichsee zugefroren wäre, müssten die kommenden 30 Tage im Schnitt eisige minus 6 Grad kalt sein. Eine Zürichseegfrörni ist auch heuer unwahrscheinlich, jedoch in diesem Winter mit blockierten Wetterlagen nicht unmöglich. In eine ganz andere Richtung tendiert die US-Klimabehörde NOAA mit ihrer Monatsprognose für Europa. Für den Februar 2017 sagen sie flächendeckend teils deutlich überdurchschnittliche Temperaturen voraus. Vor dem Hintergrund der aktuell sehr ausgedehnten Schneebedeckung in Europa ist dieser Vorhersage jedoch skeptisch gegenüber zu stehen. Nichtsdestotrotz könnte das Aufleben der Westwinde mit milder Atlantikluft den zweiten Teil des Winters noch in ganz andere Bahnen lenken.

Blockiertes Winterwetter