Kalter März war kein Zufall

Der Winter gab sich im März noch nicht geschlagen. Nachdem der Februar in Zürich fast drei Grad zu kalt war, blieb auch der dritte Monat des Jahres rund anderthalb Grad unter den Erwartungen. Was im Februar seinen Anfang nahm, setzte sich im März fort. So präsentierte sich der März mehrheitlich grau und winterlich kalt. Auch die Ursache für den zweiten zu kalten Monat in Folge ist die selbe und ist in der Stratosphäre über dem Nordpol zu finden.

Kaum Anzeichen von Frühling: kein einziges Mal stiegen die Temperaturen im März 2018 in Zürich über 15 Grad.

Märzwinter

Der März startete eisig kalt. Es war der Abschluss der für ihr spätes Auftreten recht intensiven Kältewelle, welche im letzten Februardrittel einsetzte. In den ersten zwei Nächten des Märzes sackte das Thermometer daher immer noch bis auf -9 Grad ab und auch tagsüber blieb es mit -3 bis 0 Grad sehr kalt. Die Kälte klang in den folgenden Tagen dann doch recht zügig ab und die Temperaturen lagen in der Folge bis Mitte Monat im jahreszeitüblichen Bereich. So wurden am Nachmittag Temperaturen um 10 Grad gemessen und in den Nächten Werte zwischen null und fünf Grad. Der Frühling schien langsam Einzug zu halten, doch die polare Kaltluft blieb in Lauerstellung und prompt wurde Mitteleuropa Mitte März von der zweiten Kältewelle des Winters heimgesucht. Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit war sie bedeutend weniger kalt, aber für die zweite Märzhälfte doch eindrücklich. Erst am 25. März kehrten die Temperaturen wieder in den für März normalen Bereich zurück.

Auch die zweite Kältewelle war zwar ähnlich wie die erste Ende Februar ausgeprägt, aber im langjährigen Vergleich weder sonderlich intensiv noch langanhaltend. In den letzten 30 Jahren gab es in den Jahren 1996, 2006 und 2013 intensivere März-Kältewellen. Und davor zwischen 1984 und 1987 traten März-Kältewellen sogar jedes Jahr auf. In den 20er-, 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts gehörten Kältewellen im März zur Tagesordnung. In fast jedem zweiten Jahr erlebte Mitteleuropa eine intensivere Kältewelle als in diesem Jahr. Mit insgesamt 13 Frostnächten geniesst der März 2018 in Zürich deshalb auch keine Sonderstellung. Noch bis in die späten 80er-Jahre wurden im März jeweils 15 Frosttage erwartet. In den letzten 30 Jahren korrigierte sich dieser Wert sprungartig nach unten. So werden heutzutage noch 9 Frosttage im März erwartet. Eistage, also Tage an denen das Thermometer ganztags unter dem Gefrierpunkt verharrt, waren im März aufgrund der bereits starken Sonneneinstrahlung schon immer recht selten. Im diesjährigen März wurden drei solche Eistage in Zürich registriert. In nur wenigen Jahren gab es in einem März mehr Eistage. Einen extremen März erlebte die Schweiz im Jahr 1971. Der März war so eisig, dass an acht Tagen Dauerfrost herrschte. Durchwegs frostig war der März im Jahr 1865. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von -1,2 Grad ist er bis heute der kälteste März in der über 150-jährigen Zürcher Messreihe.

Das Frühjahr 2018 ist in Zürich weiterhin sehr trüb. Die Sonnenuhr zählte Ende März erst 200 Sonnenstunden. Vor einem Jahr waren es 75 Prozent mehr. Letztmals trüber startete das Jahr in Zürich im Jahr 2013.

 

Zusammenbruch des Polarwirbels

Die beiden Kältewellen und die anhaltend trübe und kalte Witterung im Februar und März sind Folgen eines speziellen Phänomens, welches sich im Laufe des diesjährigen Februars über dem Nordpol ereignete. Durch die ständige Zufuhr sehr milder und feuchter Luftmassen in Richtung Nordpol und deren vertikaler Ausdehnung ergab sich eine „plötzliche“ Stratosphärenerwärmung. Gewöhnlich dreht sich im Winter über der Arktis in einer Höhe von 30 bis 50 Kilometern ein riesiger Kaltluftwirbel, welcher in der darunter liegenden Troposphäre, unserer Wetterschicht, die milden Westwinde anfacht. Durch die Stratosphärenerwärmung zerfiel der Kaltluftwirbel, auch als Polarwirbel bekannt, in zwei kleinere Wirbel. Die Erwärmung der Stratosphäre über der Arktis war sehr kräftig. Am 4. Februar herrschte 30 Kilometer über dem Nordpol noch eine Temperatur von minus 70 Grad. Am 14. Februar wurden schon minus 30 Grad erreicht. Bricht der Polarwirbel zusammen, beginnt der Jetstream stärker zu mäandrieren. Die Westwinde erlahmen und in der Folge kann kalte Luft aus Sibirien nach Mitteleuropa vordringen. Wie nach Rezept geschah dies Ende Februar.

Die Relevanz dieses Phänomens über dem Nordpol zeigt sich auch eindrücklich in früheren Jahren. Nach dem Zusammenbruch des Polarwirbels im Januar 2013 folgten zwei intensive Kältewellen im Februar und eine weitere ausgeprägte Kaltphase im März. Der März 2013 war entsprechend noch kälter als in diesem Jahr. Der Februar 2012 war der eisigste der letzten drei Dekaden. Zuvor ereignete sich im Januar 2012 eine Stratosphärenerwärmung mit anschliessender Schwächung des Polarwirbels. Ähnliches ereignete sich im Januar 2010 und auch damals wurde Mitteleuropa im Februar und März von eisigen Kältewellen heimgesucht. Auch in den Jahren 2004 und 2006 folgten Kältewellen im März auf eine Stratosphärenerwärmung im vorhergehenden Januar.

 

Der entzweite Polarwirbel konnte sich nicht wieder regenerieren und ermöglichte so auch die zweite Kältewelle im März. Mit der immer kräftigeren Sonneneinstrahlung und dem Ende der Polarnacht über dem Nordpol neutralisiert sich der Polarwirbel jeweils Anfang April und wechselt in den Sommermodus. Die Gefahr, dass er auch das Aprilwetter 2018 beeinflusst, ist also gering.

Kalter März war kein Zufall

Eiswoche beendet milden Winter

Der meteorologische Winter, der vom 1. Dezember bis zum 28. Februar, dauert, war längst abgeschrieben. Nach einem milden Dezember ohne richtigen Schneefall und dem wärmsten Januar seit Messbeginn im Jahr 1864, gänzlich ohne Schnee und dem kompletten Ausbleiben von frostigen Temperaturen, glaubte kaum noch jemand an eine Auferstehung des Winters. Doch der Winter strafte alle Skeptiker Lügen mit einem furiosen Schlussbouquet. Als wollte der Winter am Ende den viel zu warmen und im Flachland schneearmen Winter noch kompensieren, brachte Väterchen Frost zum Februarende eine regelrechte Eiswoche.

Im langjährigen Vergleich ist die Kältewelle von Ende Februar 2018 nichts aussergewöhnliches. Speziell war ihr spätes Auftreten.

Fünf eisige Nächte

Die letzten Februartage waren richtig kalt – eiskalt sogar. In den Nächten vom 26.-28. Februar sackte das Quecksilber auf dem Zürichberg bis auf Tiefstwerte von -11 bis -13 Grad ab. Für Ende Februar sind das ausgesprochen tiefe Werte. Seit 1901 sind in der Periode zwischen dem 20. Februar und dem 10. März in Zürich jedoch auch schon tiefere Temperaturen gemessen worden. Letztmals im Jahr 2005, als es in der Nacht auf den 1. März knapp -15 Grad kalt wurde oder im Jahr 1971, ebenfalls mit Tiefstwerten unter -14 Grad. Im Jahr 1901 wurde es zum Februarende sogar nochmals -16 Grad eisig. Die polaren Luftmassen, welche ganz Europa Ende Februar 2018 im eisigen Griff hatten, prägten auch die Tageshöchsttemperaturen. So zeigte das Thermometer am 26. Februar 2018 in Zürich am Nachmittag einen Maximalwert von unter -7 Grad an. Für die Periode von Ende Februar bis Anfang März war dies die zweittiefste Höchsttemperatur.

 

Spät aber nicht intensiv

Die Kältewelle zum Abschluss des meteorologischen Winters war also heftig, aber sie war nur von kurzer Dauer. Eine anschauliche Kenngrösse für die Intensität einer Kältewelle ist das mittlere Tagesminimum über fünf Tage. Vom 25. Februar bis zum 1. März lag dieses mittlere Tagesminimum bei kalten -10,2 Grad. Ein Vergleich mit den Wintern seit 1901 zeigt, dass die diesjährige Kältewelle nicht aussergewöhnlich war. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts traten in 49 Winter mindestens gleich intensive oder intensivere Kältewellen auf. Die intensivste 5-tägige Kältewelle erlebte Zürich im Winter 1929 mit einem mittleren Tagesminimum von -20,3 Grad. Ähnlich intensiv waren die Kältewellen 1956 mit knapp -20 Grad. Auch die Winter 1985 und 1987 brachten 5-tägige Kältewellen mit einem mittleren Tagesminimum von -18, respektive -16 Grad am Zürichberg. Die diesjährige Kältewelle markiert aber die intensivste seit dem Februar 2012. Allerdings war die Kältewelle damals deutlich intensiver mit einem mittleren Tagesminimum über fünf Tage von knapp -16 Grad. Speziell an der diesjährigen Kältewelle ist und bleibt also ihr spätes Erscheinen. Für die Periode vom 20. Februar bis zum 10. März sind denn auch seit 1901 nur sieben intensivere Kältewellen bekannt.

 

Trotzdem zu mild

Die Kältewelle Ende Februar hat ihre Spuren hinterlassen. So war der Februar 2018 unter dem Strich mit durchschnittlich -1,5 Grad knapp drei Grad unterkühlt, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Deutlich kälter war ein Februar letztmals 2012, ähnlich kalt war es 2013. Der kalte Februar 2018 kompensierte also einen bis dahin viel zu milden Winter. Der Grundcharakter des Winters 2017/18 veränderte sich dabei aber nicht. Insgesamt war der diesjährige Winter (Dezember-Februar) mit durchschnittlich 1,5 Grad rund ein halbes Grad milder gegenüber der Referenzperiode 1981-2010. Auch in Sachen Eis- und Schneetage verbesserte der Februar die Bilanz des ganzen Winters, ohne sie grundlegend zu beeinflussen. Mit lediglich 10 Eistagen mit Temperaturen, die ganztags unter dem Gefrierpunkt verharrten, zählt der diesjährige Winter in Zürich nur halb so viele Eistage, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. An lediglich 21 Tagen lag am Zürichberg eine mindestens 1 Zentimeter dicke Schneeschicht. In einem durchschnittlichen Winter sind mehr als 31 solche Schneetage zu erwarten.

Dank des wärmsten Januars seit Messbeginn war der Winter 2017/18 trotz des eisigen Februars ein halbes Grad wärmer als der Durchschnitt der Periode 1981-2010.

Grauer Winter

Auch in Sachen Niederschlag kompensierte der Februar einen Teil des restlichen Winters. Waren Dezember und Januar jeweils deutlich zu nass mit jeweils 140-180 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen, so war der Februar schliesslich sehr trocken. Mit weniger als 30 mm Niederschlag kam weniger als die Hälfte der sonst üblichen Februarmenge zusammen. Das Winterwetter änderte im Februar also auf trocken-kalt, davor dominierte feucht-warm. Der Februar gab in Sachen Temperatur und Niederschlag gegenüber den Vormonaten Gegensteuer. In Sachen Sonnenschein blieb die Kompensation im Februar aber aus. Obwohl Dezember und Januar schon recht trüb waren und nur 85 bis knapp 100 Prozent der üblichen Sonnenstunden hervorbrachten, war nun auch der Februar grau in grau. Mit nur gerade 46 Sonnenstunden gehört der Februar 2018 zu den sonnenärmsten 15 Prozent seit 1901.

Eiswoche beendet milden Winter

Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Das Jahr 2018 startete gleich mit einem neuen Monatsrekord für den Januar. In Zürich erreichte die Januartemperatur 2018 einen neuen Rekordwert von 4,7 Grad. Systematisch gemessen wird in Zürich seit 1864. Der Januar 2018 fühlt sich im Vergleich mit Frühlingsmonaten sogar wohler als mit eigentlich Gleichgesinnten. So war der Januar so mild wie ein durchschnittlicher März und wärmer als die Hälfte aller Märzmonate seit 1864. Der bisherige Januarrekord lag noch gar nicht weit in der Vergangenheit. Im Januar 2007 war es in Zürich nur wenige Zehntelgrad kühler als in diesem Jahr. Anders am Messstandort Genf, dort erreichte die Januartemperatur 2018 den alles überragenden Rekordwert von 6,2 Grad. Die bisher mildesten Januarmonate lieferten in Genf um 4,5 Grad. Auch im landesweiten Mittel ist es der mildeste Januar seit Messbeginn.

Der Januar 2018 war in Zürich praktisch durchwegs deutlich zu warm. Nur am 14. Januar lag die Tagesmittel-Temperatur etwas unter dem langjährigen Durchschnitt.

Schnee nur in den Bergen

Eine konstante Westströmung flutete den Alpenraum mit sehr milder aber auch feuchter Luft aus dem Atlantik und dem Mittelmeerraum. In den Bergen waren daher die Bedingungen für riesige Schneemengen perfekt. In Arosa erreichte die Neuschneesumme im Januar 2,85 Meter. Es ist die fünfthöchste Januarsumme seit Messbeginn 1890. Ganz anders präsentierte sich die Schneelage im Flachland. In Zürich wurde im ganzen Januar 2018 kein einziger Tag mit Neuschnee registriert. Schneefreie Jänner sind in Zürich zwar selten, aber nicht einmalig. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind fünf weitere Januare (1974, 1975, 1989, 1990 und 2008) ohne Schnee bekannt. Im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 sind im Januar fünf Tage mit Neuschnee und 12 Tage mit einer Schneedecke zu erwarten. Während der Januar schneetechnisch in den Bergen also klar überdurchschnittlich ausfiel, machte sich im Flachland grosse Schneearmut breit.

Neben dem Schnee machte sich auch der Frost rar – sehr rar. Nur in vier Nächten sank das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Selbst in klaren Nächten sank das Quecksilber mitten im Januar in Zürich nur auf 2-4 Grad. So wenige Frostnächte in einem Januar gab es noch nie seit mindestens 120 Jahren. Der bisherige Rekord von neun Frostnächten im Januar 2007 wurde dabei deutlich unterboten. Bei so wenigen Frostnächten erstaunt es kaum, dass auch Eistage mit Dauerfrost im Januar 2018 überhaupt kein Thema waren. Mit keinem einzigen Eistag reiht sich der Januar 2018 in eine sehr exklusive Gruppe ein. Vorher war dies nur aus den drei Januarmonaten 1916, 1936 und 1988 bekannt. Selbst in den sehr milden Januaren 2007, 2014 und 2015 gab es ein bis vier Eistage mit Dauerfrost. Die Klimanormwerte der Jahre 1981-2010 lassen im Januar immerhin 20 Frostnächte und 9 Eistage erwarten.

 

Kalter Frühling?

Der grosse Wärmeüberschuss im Januar 2018 zeigte sich auch in teils frühlingshaft milden Nachmittagen. An sechs Tagen zeigte das Thermometer Werte über 10 Grad an. Für einmal ist dies aber kein neuer Rekordwert. Im Januar 1993 gab es sogar 10 Tage, 2007 sogar 11 Tage mit Höchstwerten über 10 Grad. Die Milde liess bereits Haselsträucher und Erlen erblühen. Der Blühbeginn kann als „sehr früh“ bezeichnet werden. Der Vorsprung beträgt im Durchschnitt ganze 25 Tage. An einigen Standorten wurde der Blühbeginn der Hasel sogar noch nie so früh beobachtet wie in diesem Jahr. In Bauernregeln werden milde Jänner gefürchtet und mit kalten, anstehenden Frühlingsmonaten in Verbindung gebracht. So heisst es: „Lässt der Januar Wasser fallen, lässt der Lenz es gefrieren“ und „Wirft der Maulwurf seine Hügel neu, währt der Winter bis zum Mai.“ Viele alte Volkssprüche lassen zudem einen spezifischen Zusammenhang mit dem Monat Mai vermuten. „Wieviel Regentropfen ein Januar, soviel Schneeflocken im Mai.“ Die durch die Milde gestörte Winterruhe solle sich zudem negativ auf die Vegetationsentwicklung im ganzen Jahr auswirken: „Im Januar viel Regen und wenig Schnee, tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh“ und „Wächst das Gras im Januar, so wächst es schlecht im ganzen Jahr.“

Klimatologisch lässt sich allerdings kein Zusammenhang zwischen einem milden Januar und irgendeinem kalten oder schneereichen Frühlingsmonat ableiten. Betrachtet man die 20 wärmsten Januarmonate seit 1864, so zeigt sich eher ein umgekehrtes Bild. Auf einen sehr milden Januar folgt auch ein sehr milder Frühling. Beispiele dafür stammen aus den Jahren 1920, 1924, 1948, 1993, 1999, 2007, 2008 und 2014. Jedes Mal folgte auf einen sehr milden Januar auch ein sehr milder Frühling. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Im Jahr 1877 war der Januar mit durchschnittlich 2 Grad recht mild. März, April und Mai waren dann aber deutlich zu kühl. Oder auch 1975, als auf einen sehr milden Januar ebenfalls ein insgesamt kühler Frühling folgte. Eine weitere Bauernregel deutet dann aber trotzdem auf einen guten Frühling hin. So heisst es: „Der Januar muss krachen, soll der Frühling lachen.“ Mit den vielen Stürmen, die teils sogar Wintergewitter brachten, hat es im Januar 2018 so richtig gekracht. Das sind gute Aussichten für den Frühling. Vorher ist aber nochmals Winter angesagt. Der Februar kann es in sich haben, wie uns die Jahre 2012, 2013 und 2015 gezeigt haben.

Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Lokale Kältewellen in Zeiten der globalen Erwärmung

Im laufenden Winter konnten über Europa erstaunlich grosse Luftdruckgegensätze beobachtet werden. Zwischen hohem Luftdruck über dem Atlantik und tiefem Luftdruck von Grönland bis nach Nordwesteuropa bildete sich in der zweiten Dezemberhälfte eine kräftige Westströmung aus, welche seither mehr oder weniger standhielt. Diese scharfe Grenze trennt die kalte Polarluft von der subtropischen Warmluft und ist auch als Frontalzone bekannt. Kleine Störungen an der Frontalzone führen zu einer Vermischung und Verwirbelung der zwei unterschiedlichen Luftmassen. Dadurch wird der Prozess einer Tiefdruckbildung in Kraft gesetzt. Je ausgeprägter die Frontalzone, desto einfacher und häufiger bilden sich kleine Tiefs, die dann rasch an Stärke zulegen können und mit der starken Westströmung als Sturmtiefs auf Europa treffen. Diese stürmische Grosswetterlage bescherte Mitteleuropa im Januar 2018 gleich drei Sturmtiefs in kurzer Abfolge. Zuerst fegte das Sturmtief Burglind mit Orkanböen über die Schweiz, bevor eine Woche später Evi und Friederike erneut orkanartige Böen im Flachland auslösten, einzelne Bäume umstürzen liessen und Dächer abdeckten.

Von Ende Dezember 2017 bis Mitte Januar 2018 wurden die USA von einer eisigen Kältewelle getroffen. In der Arktis, in Europa und Asien war es gleichzeitig aber deutlich zu warm. Lokale Kältewellen sind kein Widerspruch zur globalen Erwärmung. Bildquelle: University of Maine, ClimateReanalyzer.org

 

Milder Winter

Die stürmischen Westwinde peitschen milde Meeresluft nach Mitteleuropa. Der überdurchschnittlich warme Atlantik ist verantwortlich dafür, dass die Westströmung in diesem Jahr speziell milde Luft in die Schweiz führt. Entsprechend fiel der Januar 2018 bisher rund drei Grad milder aus, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Die ersten 12 Januartage blieben in Zürich sogar komplett frostfrei. Normalerweise gibt es im Januar in Zürich in zwei von drei Nächten Frost.

Das stürmische und milde Winterwetter in diesem Jahr täuscht darüber hinweg, wie der letzte Winter war. Oder können Sie sich an den letzten Januar erinnern?

 

Eisiger Januar 2017

Vor einem Jahr herrschte in der Schweiz eisige Kälte. Mit einer Durchschnittstemperatur von -3 Grad war es in Zürich der kälteste Jänner seit 30 Jahren. Es war rund sechs Grad kälter als im diesjährigen Januar. Kältewellen, wie sie die Schweiz im letzten Januar erlebte, finden auch im aktuellen Winter statt. In diesem Jahr traf es bisher aber nicht Europa, sondern Nordamerika. Der mittlere Westen und Nordosten der USA erlebten Ende Dezember und Anfang Januar zwei eisigkalte Wochen. Es war die heftigste Kältewelle seit 36 Jahren. Europa, Asien und Nordamerika wurden in den letzten Wintern immer wieder von harten Kältewellen getroffen. In diese Kategorie fällt auch der Februar 2012, welcher in Zürich -3,5 Grad kalt ausfiel.

Sehr milde und eisigkalte Wintermonate wechseln sich in den letzten Jahren scheinbar zufällig ab. Es stellt sich die Frage, ob diese unterschiedlichen Extreme zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden können? Und wie werden sich die zukünftigen Winter im Zuge der globalen Erwärmung in Mitteleuropa präsentieren?

 

Deutlich wärmere Winter

Heftige Kältewellen und eisigkalte Wintermonate sind in den letzten Jahren auf der Nordhemisphäre und auch in Mitteleuropa scheinbar wieder häufiger aufgetreten. Nichtsdestotrotz zeigt sich in einer langjährigen Betrachtung ein eindeutiger Erwärmungstrend. Praktisch überall, in Sibirien, Mitteleuropa und den USA, sind die Winter in den letzten 50, 100 und 150 Jahren deutlich milder geworden. Seit 1864 sind die Winter in der Schweiz um ganze 2 Grad wärmer geworden. Zwischen 1880 und 1890 lag die Wintertemperatur auf einem ausgesprochen tiefen Niveau. Von 1900 bis 1980 zeigte die Wintertemperatur dann einen auffallend ruhigen Verlauf ohne langfristige Änderung. 1987/88 erfolgte in Mitteleuropa ein sprungartiger Wechsel zu einer ausgeprägten Warmwinterphase, die in den letzten 15 Jahren durch einige Kältewellen etwas gedämpft wurde. Wie auf einer Treppe, welche aufwärts beschritten wird, pendelten sich die Temperaturen seither auf eindeutig höherem Niveau als zuvor ein. Sehr tiefe Wintertemperaturen traten seit Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr auf. Der kälteste Winter der letzten 30 Jahren brachte 2005/06 eine Durchschnittstemperatur von -0,9 Grad. In den Jahrzehnten davor gab es mehrere Winter, die sogar kälter als -4 Grad ausfielen. Die letzten 30 Winter sind also insgesamt deutlich milder als die Winter davor. Es zeigt sich aber, dass seit 1990 keine weitere Erwärmung des Winters stattgefunden hat. Dieses Phänomen ist nicht nur in der Schweiz zu beobachten, sondern in verschiedenen Gebieten der Nordhemisphäre.

Die Winter sind in der Schweiz seit 1864/65 um rund 2 Grad wärmer geworden. Bildquelle: MeteoSchweiz

 

Geschwächter Polarwirbel

Der Grund für die Erwärmungspause der Winter sind die bereits erwähnten Kältewellen, welche verschiedene Orten auf der Nordhemisphäre immer wieder mal treffen. Kältewellen im Winter sind natürlich nichts Aussergewöhnliches und bedürfen eigentlich keiner Erklärung. Das Wetter hat seinen natürlichen Spielraum und nutzt diesen hin und wieder aus. Trotzdem gibt es eine plausible Erklärung, weshalb heftige Kältewellen im Winter trotz globaler Erwärmung häufiger zu beobachten sind.

Mehrere wissenschaftliche Arbeiten geben Hinweise darauf, dass der Rückgang des arktischen Meereises zu den Kälteausbrüchen in den USA, Europa und Asien beigetragen hat. Ein sehr wichtiger Faktor ist im Klimageschehen der sogenannte Polarwirbel, ein Westwindband, welches die Nordhemisphäre im hohen Norden umschliesst und normalerweise die kalte Luft über der Arktis von der warmen Subtropenluft trennt. So präsentiert sich der Polarwirbel aktuell auch über dem Atlantik, wie eingangs ausgeführt. Wird dieser Polarwirbel aber geschwächt, kann die kalte Luft aus der Arktis weit in den Süden entweichen, was oftmals mit einem welligen (mäandrierenden) Westwindband zusammenhängt. So zeigt sich, dass langanhaltende Schwächephasen des Polarwirbels zu den kalten Wintern im nördlichen Eurasien beigetragen haben. Solche Schwächephasen des Polarwirbels können durch eine überdurchschnittlich warme Arktis ausgelöst werden. Und genau das geschieht im Zuge der globalen Erwärmung. Die Arktis erwärmt sich vor allem im Herbst und Winter rasant. Das fehlende Meereis verhindert eine Auskühlung im Herbst, so dass die Nordpolregion bis tief in den Winter mit Wärme versorgt bleibt.

 

Die Klimaszenarien rechnen auch in Zukunft mit einer weiteren Zunahme der Wintertemperaturen auf der Nordhemisphäre. Andere Jahreszeiten, allen voran der Sommer, erwärmen sich in Mitteleuropa und der Schweiz aber deutlich schneller als der Winter. Der wohl auch zukünftig geschwächte Polarwirbel wird jedoch dafür sorgen, dass die Nordhalbkugel und der Alpenraum auch in den nächsten Jahren ab und zu von ausgeprägten Kältewellen aus der Arktis getroffen werden. Die weitere Wintererwärmung könnte sich also wiederum in Form eines nächsten Schrittes aufwärts auf der Treppe der globalen Erwärmung präsentieren, gefolgt von einzelnen kalten Wintermonaten.

Lokale Kältewellen in Zeiten der globalen Erwärmung

Wetterjahr 2017: sehr warm und sonnig

Die Schweiz und Zürich blicken, trotz eines eisigen Starts, erneut auf eines der wärmsten Jahre in der 154-jährigen Messperiode zurück. Während die Niederschläge durchschnittlich ausfielen, machte die Sonne zahlreiche Überstunden.

 

Sehr kalter Januar

Der erste Monat des Wetterjahrs 2017 brachte der Schweiz und Zürich den kältesten Januar seit 30 Jahren. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von -3 Grad war der Jänner in Zürich um mehr als drei Grad zu kalt. Es war zwar der kälteste Januar seit 1987, jedoch nicht der kälteste Wintermonat seit 30 Jahren. Vor fünf Jahren, im Februar 2012, war es mit durchschnittlich -3,5 Grad in Zürich nochmals ein ganzes Stück kälter. Für die letzten 30 Jahre sind das extrem tiefe Monatsmittel. Wird der Betrachtungshorizont jedoch erweitert, so zeigen sich in Zürich deutlich kältere Wintermonate. Der Januar 1963, welcher die Seegfrörni brachte, war beispielsweise eisige -6,3 Grad. Der Dezember 1879 war in Zürich sogar durchschnittlich -9 Grad kalt.

 

Nach eisigem Start waren die Monate Februar, März, Mai, Juni, August und Oktober in Zürich deutlich zu warm, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010.

Schneearmer Winter

Mit dem Januar verabschiedete sich dann auch der Winter. Es schien, als ob der Februar den eisigkalten Januar sogleich auch wieder kompensieren wollte. So verging ein Februar ohne einen einzigen Eistag, also ohne Temperaturen ganztags unter dem Gefrierpunkt. Am 23. Februar wurde am Messstandort Zürich mit 18,8 Grad ein neuer Februar-Temperaturrekord aufgestellt. Der Winter 2016/17 (Dezember 2016 bis Februar 2017) war in Zürich unter dem Strich kühler, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Jedoch etwas milder als beispielsweise der Winter 2012/13. Der Winter blieb zudem extrem trocken und schneearm. In den Bergen führte dies zu einer rekordnahen Besonnung.

 

Drittwärmster Frühling

Der extreme Wärmeüberschuss hielt sich auch im darauffolgenden März. So erlebte Zürich den zweitwärmsten März seit Messbeginn im Jahr 1864. Vor allem zur Monatsmitte und am Monatsende wurde Zürich mit viel wärmender Märzsonne verwohnt. Die Niederschläge erreichten zudem lediglich 81% der Normwerte. Der April 2017 war extrem und durchschnittlich zugleich. So täuschen die durchschnittlichen Monatswerte darüber hinweg, dass einer überwiegend sonnigen und milden ersten Monatshälfte eine kalte, mit Schneefällen und scharfen Nachtfrösten angereicherte zweite Monatshälfte gegenüberstand. Die unterkühlte Witterung hielt noch bis zum 8. Mai an. Danach folgte eine deutliche Milderung. Ab Maimitte wurde der Frühling zunehmend sommerlich. Zürich registrierte den wärmsten Mai seit 2011. Ausserdem blieb der Mai 2017 extrem trocken und verbuchte zahlreiche Sonnenstunden. Die warmen März und Mai reichten dann auch aus, um in der Schweiz und in Zürich den drittwärmsten Frühling seit Messbeginn im Jahr 1864 zu verbuchen. Noch wärmer waren bisher nur die Frühlinge der Jahre 2007 und 2011.

 

Der Juli war 2017 der nässeste, der Oktober der trockenste Monat in Zürich.

Drittheissester Sommer

Auf den drittwärmsten Frühling folgte der drittwärmste Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Noch heisser waren bisher lediglich die Sommer der Jahre 2015 und 2003. Der Sommer 2017 erlebte mit dem Juni bereits früh seinen Höhepunkt. Der sechste Monat des Jahres war in Zürich mit durchschnittlich 19,9 Grad der wärmste und mit über 250 Sonnenstunden der sonnigste des Jahres. Zeitgleich war es der zweitheisseste Juni seit mehr als 150 Jahren. Weniger heiss und immer wieder durch starke Gewitter mit Hagel durchzogen, präsentierte sich der anschliessende Juli. Mit 172 mm fiel im Juli 2017 rund 40% zu viel Regen und er war der nässeste Monat des Jahres. Nach zwei sehr trockenen Monaten kamen die Niederschläge jedoch gelegen, denn bereits im August blieben sie wieder unterdurchschnittlich und die Hitze kam zurück. Zürich registrierte sogleich wieder den achtheissesten August seit Messbeginn im Jahr 1864.

In fast allen Monaten machte die Sonne im Wetterjahr 2017 in Zürich Überstunden. Am sonnigsten war es im Juni.

Achterbahnfahrt im Herbst

Der Sommer fand mit dem September ein abruptes Ende. Die Septembertemperatur blieb in Zürich im Monatsmittel ein Grad unter der Norm der Jahre 1981 bis 2010. In den Bergen hielt bereits der neue Winter Einzug. Auf dem Weissfluhjoch wurden so viele Neuschneetage wie noch nie in einem September registriert. Der kühle September wurde durch einen milden und ausgesprochen sonnigen Oktober kompensiert. Der Oktober bestach insbesondere durch einen ausgeprägten Altweibersommer zur Monatsmitte. Als Kehrseite

zum Schönwetter war Regen erneut Mangelware. Mit lediglich 40 mm fiel in Zürich weniger als die Hälfte der üblichen Regenmengen im Oktober. Der Oktober blieb somit der trockenste Monat des Wetterjahres 2017. Total gegensätzlich präsentierte sich in der Folge der November. Er war nass und trüb. Trotz durchschnittlichen Temperaturen fiel mehrmals Schnee bis in tiefere Lagen. Im Flachland blieb der Schnee jedoch noch nicht liegen. Die Achterbahnfahrt des Herbstes 2017 brachte in Zürich einen kleinen Wärmeüberschuss von drei Zehntelgrad hervor. Die Niederschläge blieben unterdurchschnittlich und die Sonnenscheindauer summierte sich dank des sehr sonnigen Oktobers gebietsweise auf rekordhohe Werte.

Der letzte Monat des Wetterjahres 2017 war geprägt von wiederholten Schneefällen bis in die Niederungen des Flachlands. Entsprechend war der Dezember überdurchschnittlich feucht und präsentierte ein geringfügiges Wärmedefizit.

 

Jahresbilanz 2017

Verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 waren nur die Monate Januar und September eindeutig zu kalt. April, November und Dezember waren durchschnittlich und alle anderen Monate zu warm. Deutlich zu warm waren Februar, März und Juni. Mit durchschnittlich 10,2 Grad war das Jahr 2017 in Zürich das achtwärmste seit Messbeginn im Jahr 1864. Die täglichen Tageshöchsttemperaturen erreichten mit gemittelt 15 Grad sogar den zweithöchsten Wert in der Messgeschichte. Zum heissen Sommer 2017 passen die zahlreich ausgewiesenen Sommer- und Hitzetage mit täglichen Höchstwerten von über 25, respektive 30 Grad. So zählt das Jahr 2017 total 65 Sommer- und 23 Hitzetage. Nur in den Sommern 1947 und 2003 gab es mehr Sommertage als im Jahr 2017. Bei den Hitzetagen ist es der viertgrösste Wert. Hier brachte zusätzlich der Sommer 2015 noch einige Hitzetage mehr. Erstaunlich war auch die Anzahl Tropennächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad sank: 2017 gab es sechs, mehr gab es nur im Sommer 2015. Der Wärmeüberschuss im Sommerhalbjahr 2017 widerspiegelt sich zudem in den Kühlgradtagen, welche ein Indikator für den Kühlbedarf in Gebäuden sind. Mit 237 Kühlgradtagen wurde 2017 der dritthöchste Wert seit 1864 erreicht. Handkehrum erreichten die Heizgradtage trotz des eisigen Januars mit 3243 in Zürich lediglich den zehnttiefsten Wert. Je tiefer die Heizgradtage, desto geringer der Wärmebedarf in den Gebäuden.

Die Niederschläge summierten sich in Zürich auf durchschnittliche Werte. Deutlich zu trocken waren Mai, Juni und Oktober. Zu viel Niederschlag bekamen die Monate Januar, April, Juli und Dezember.

Zur extremen Wärme gesellten sich auch ungewöhnlich viele Sonnenstunden. So war 2017 in Zürich mit mehr als 1800 Sonnenstunden eines der 20 sonnigsten seit 1901. Verglichen mit einem durchschnittlichen Jahr schien die Sonne knapp 20 % oder mehr als 280 Stunden länger. Dies schlägt sich auch in der Anzahl heiterer Tage nieder, welche mit 64 an der Zahl einen hohen Wert erreichten. Dem gegenüber stehen 134 trübe Tage mit nur wenig Sonne. Dies klingt nach viel, doch es ist einer der tiefsten Werte seit 1901. Nochmals deutlich weniger trübe Tage gab es in den Wetterjahren 1911 und 2003.

Wetterjahr 2017: sehr warm und sonnig

Hat der Herbst 2017 seine Aufgaben gemacht?

Der Herbst zeigte heuer zahlreiche Facetten. Von lauen Spätsommertagen über stürmische und trübe Tage und kalte Nächte bis hin zu goldenen Herbstmomenten war alles dabei. Insgesamt wurde der Herbst auch dieses Jahr seiner eigentlichen Aufgabe gerecht: er diente als Übergangsjahreszeit und führte vom Sommer in den Winter. Wie gründlich er seine Aufgabe erfüllt hat und wie sich der Übergang vom Sommer in den Winter präsentierte, soll hier beleuchtet werden.

Der Herbst 2017 war nur geringfügig milder verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Vor der Jahrtausendwende waren die Herbste in Zürich aber bedeutend kälter.

Acht Phasen des Herbstes

Zwischen dem 1. September und dem 30. November – der Periode des meteorologischen Herbstes – sind heuer acht Witterungsphasen auszumachen. Den Anfang machten drei regnerische und kühle Tage, bevor in der zweiten Phase eine fünftägige Schönwetterperiode folgte. Es war die wärmste Periode des diesjährigen Herbstes. Sie brachte auch den wärmsten Tag und die höchste Temperatur der Jahreszeit. Gemittelt über den ganzen Tag war der 5. September in Zürich 18,8 Grad warm. An diesem Nachmittag stieg das Quecksilber auf 24,9 Grad. Die Sommer-Marke von 25 Grad wurde folglich haarscharf verpasst. Damit kann der Herbst 2017 keinen einzigen Sommertag vorweisen. In der langjährigen Referenzperiode 1981-2010 sind im September 2 bis 3 Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad zu erwarten. Diese spätsommerliche Phase wurde rasch von der dritten Herbstphase, einer sehr unbeständigen und recht kühlen Periode vom 9.-20. September abgelöst. In diesen 12 Tagen gab es lediglich zwei Tage ohne Niederschlag. Es war die nässeste Periode des Herbstes 2017. Mit rund 60 mm Niederschlag fiel rund ein Drittel der diesjährigen Herbstmenge in diesen Tagen. Bis Monatsende setzte sich dann in der vierten Herbstphase 2017 wieder wärmere und trockenere Witterung durch. Die Temperaturen stiegen über die 20-Grad-Marke. Der Oktober startete dann weiterhin warm aber etwas unbeständiger. Es war die fünfte Witterungsphase.

 

Acht Tage Sonne pur

Die Periode vom 10.-20. Oktober markierte dann die sonnigste und trockenste Phase des Herbstes 2017. Während 11 Tagen fiel kein Tropfen Regen und über mehr als eine Woche hinweg schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Nur ganz lokal störte wenig Morgennebel diese goldene Oktoberphase. Diese sechste Phase war gleichzeitig überdurchschnittlich warm. Nach dem kühlen September verharrten die Temperaturen im Oktober auf gleichem Niveau, respektive legten entgegen den Erwartungen sogar nochmals leicht zu, so dass zwischen Anfang September und Mitte Oktober kein eigentlicher Temperaturabfall beobachtet werden konnte. Das letzte Oktoberdrittel – die siebte Phase – ging zwar sonnig, aber immer kühler weiter.

 

Acht Tage ohne Sonne

Die achte und letzte Phase startete am 5. November und dauerte bis zum November- und somit bis zum Herbstende. Die achte Phase war damit die langanhaltenste Phase und sie präsentierte sich kalt, trüb und nass. Bis zum 12. November zeigte sich die Sonne während acht Tagen in Zürich nie. Der 12. November war dann mit einer Niederschlagssumme von 17,6 mm der nässeste Tag des Herbstes und die Zeitspanne vom 13.-19. November war mit einer durchschnittlichen Temperatur von nur wenig über einem Grad die kälteste des ganzen Herbstes. Der erste Frost wurde am 14. November registriert. Diese Nacht war mit einer Tiefsttemperatur von -1,7 Grad gleichzeitig die kälteste der Jahreszeit. Bis zum Monatsende kamen sieben weitere Frosttage hinzu. Dies entspricht knapp dem langjährigen Referenzwert, welcher neun Frostnächte im November vorsieht. Der letzte Tag des meteorologischen Herbsts war mit durchschnitt null Grad gleichzeitig der kälteste. Ein Eistag mit Temperaturen, die ganztags unter null Grad verharren, wurde jedoch im ganzen Herbst nicht beobachtet. Eistage können im November durchaus vorkommen. Gemäss langjährigem Durchschnitt sind für den November ein bis zwei Eistage vorgesehen. Der erste Schnee der Saison wurde in Zürich dann erst am 1. Dezember beobachtet. Also nicht mehr im meteorologischen Herbst, sondern bereits im Winter. Der Herbst 2017 blieb also schneefrei, obwohl im Durchschnitt mit zwei bis drei Schneetage gerechnet werden darf.

 

Über alle Tage gemittelt war der Herbst 2017 auf dem Zürichberg mit 9,7 Grad nur wenige Zehntelgrad milder als im langjährigen Durchschnitt der Periode 1981-2010. Zürich erlebte gleichzeitig den kühlsten Herbst seit 2010. Wobei im direkten Vergleich vor allem der Herbst 2014 bedeutend wärmer ausfiel. Mit rund 210 mm fielen im ganzen Herbst in Zürich lediglich drei Viertel der üblichen Niederschlagsmengen. Vor allem dank des ausgesprochen sonnigen Oktobers verzeichnete der Zürcher Herbst unter dem Strich ein Sonnenplus von 25% oder knapp 100 Sonnenstunden. Der Herbst 2017 war farbenfroh. Ein gründlicher Übergang vom Sommer in den Winter ist dem diesjährigen Herbst aber nicht gelungen. Dafür fehlten die letzten Sommertage im September und die ersten Eis- und Schneetage im November.

Hat der Herbst 2017 seine Aufgaben gemacht?

Der Herbst auf der Sonnenseite

Der diesjährige Oktober verwöhnte die Schweiz mit anhaltend sonnigem Wetter. In Zürich summierte sich der Sonnenschein allein im Oktober auf knapp 190 Stunden. Damit war der Oktober 2016 der 2.-sonnigste seit 1901. Verantwortlich dafür war ein kräftiges Hochdruckgebiet, welches sich ab dem 10. Oktober aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa schob. Es war der Beginn eines anhaltend prächtigen Altweibersommers in der ganzen Schweiz. In Zürich ist während eines durchschnittlichen Oktobers nur mit drei bis vier heiteren Tagen zu rechnen. Ganz anders präsentierte sich die Situation in diesem Jahr. An dreizehn Tagen lachte die Herbstsonne von einem fast wolkenlosen, stahlblauen Himmel. Dabei kletterten auch die Tageshöchsttemperaturen nochmals auf spätsommerliche 23 Grad – dies, nachdem das Quecksilber seit dem 5. September nicht mehr so hoch stieg. In Zürich war es letztmals vor genau 50 Jahren, im Jahr 1967, noch eine Spur sonniger als im diesjährigen Oktober. Damals war es vom 10.-30. Oktober mit jeweils nur ganz kurzen Einschränkungen ausgesprochen sonnig. Die Sonne schien in dieser Periode meistens 7 bis 10 Stunden pro Tag. Im Oktober 2017 zeigte sich die sonnigste Periode vom 10.-19. Oktober mit aussergewöhnlich vielen Tagen mit maximaler Sonnenscheindauer von 10 Stunden. Ebenfalls sehr sonnig war in Zürich der Oktober 1971. Weitere vergleichbar sonnige Oktober sind in der bis 1901 zurückreichenden Sonnenscheinmessreihe nicht zu finden.

Trübe Oktober

Dass der Oktober wettertechnisch auch alles andere als golden sein kann, zeigte er im Jahr 1939. Mit total nur 35 Sonnenstunden war es der trübste Oktober in der Messreihe seit Messbeginn 1901. Dies lag aber nicht wie möglicherweise vermutet an vielen Nebeltagen, sondern an anhaltendem Regen-, respektive Schneewetter. Kein einziger Tag ging damals trocken über die Bühne. Der Oktober 1939 war in Zürich nicht nur der sonnenärmste, sondern auch der niederschlagsreichste. Ende Monat schneite es sogar schon bis ins Flachland. Einen ähnlich trüben Oktober in Zürich gab es letztmals im Jahr 1992. Mit insgesamt 37 Sonnenstunden war er nur unbedeutend sonniger als der grauste Oktober im Jahr 1939. Auch im trüben Oktober 1992 war anhaltendes Regenwetter schuld am grossen Sonnendefizit.

Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1939 am Messstandort Zürich.
Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1992 am Messstandort Zürich.

Heitere November

Trübes und nasses Wetter passt aber gefühlsmässig noch besser in den November als in den Oktober. Dieses Gefühl wird auch durch die langjährigen Wetterbeobachtungen bestätigt. So sind in Zürich während eines durchschnittlichen Novembers nur gerade zwei heitere Tage zu erwarten. Richtig trüb verlief der November 1958. In Zürich zeigte sich die Sonne im ganzen Monat nur gerade 13 Stunden. Die Schuld konnte damals auf den Nebel geschoben werden. Es war gleichzeitig einer der sonnenärmsten Monate überhaupt. Dass der November aber auch eine Sonnenseite hat, haben die letzten Jahre gezeigt. So gehört der November 2015 mit mehr als 100 Sonnenstunden zu den sonnigsten Novembern überhaupt. Ebenfalls sehr sonnig war der November 2006 und damit ein zweiter November seit der Jahrtausendwende. Mehr als 100 Stunden Novembersonne brachten ansonsten nur noch die Jahre 1969, 1981 und 1986.

Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1967 am Messstandort Zürich.
Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 2017 am Messstandort Zürich.

Mehr Sonne im Herbst

Der ausgesprochen sonnige Oktober 2017 und der sonnenverwöhnte November 2015 sind keine Zufälle, sondern Zeugen einer Tendenz zu sonnigeren Herbstmonaten. Ein Blick in die Sonnenscheinstatistik der Herbste in Zürich seit 1901 zeigt, das sich die Herbstsonne in den 10er-Jahren des 21. Jahrhunderts deutlich häufiger zeigt als noch in den 90er-Jahren. Heute scheint die Sonne im Herbst (September bis November) durchschnittlich 360 Stunden. In den 90er-Jahren waren es noch weniger als 290 Sonnenstunden. Ähnlich trübe Herbste gab es auch in den zwei Jahrzehnten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Deutlich sonniger verliefen die Herbstmonate in den 40er- und 60er-Jahren. So sonnig wie heutzutage waren die Herbste in Zürich aber seit Messbeginn im Jahre 1901 noch nie.

Die letzten Herbste brachten so viel Sonnenschein wie noch nie seit Messbeginn 1901.
Der Herbst auf der Sonnenseite

Wetterjahr 2017 wohl wieder unter den wärmsten

Die Schweiz erlebte einen ausserordentlich sonnigen und sehr milden Oktober. Der zehnte Monat des Jahres war in Zürich rund anderthalb Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Referenzperiode 1981-2010 und brachte bis zu 70 Prozent mehr Sonne als in einem durchschnittlichen Oktober. Gleichzeitig blieben die Niederschläge deutlich hinter den Erwartungen. Noch viel extremer präsentiert sich das Niederschlagsdefizit auf der Alpensüdseite. Im Tessin hat es den ganzen Oktober praktisch nie geregnet. Gerade einmal 1 mm Niederschlag wurden in diesem Oktober in Locarno gemessen. Auch in Lugano sind es lediglich knapp 6 mm. Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 fällt die Niederschlagsbilanz ernüchternd aus. So erreichte Locarno nur 0,5 Prozent dieses Wertes. Normalerweise fällt im Tessin im Oktober nämlich rund 190 mm Regen. Nicht nur in der Schweiz, auch weltweit präsentiert sich das Wetter im laufenden Jahr erneut von seiner extremen Seite. Das zeigt sich vor allem in rekordhohen globalen Durchschnittstemperaturen.

Wahrscheinlich wird das Wetterjahr 2017 in Zürich zu den 10 wärmsten gehören. Wo genau das sich 2017 einreihen wird, ist aber noch offen. Drei Szenarien geben mögliche Antworten.

393 zu warme Monate in Folge

Die globale Durchschnittstemperatur – also die Lufttemperatur über den Kontinenten und die Meeresoberflächentemperatur – liegt auch 2017 in rekordverdächtiger Höhe. Die ersten neun Monate des Jahres 2017 reihten sich alle jeweils zu den vier wärmsten in ihrer Monatskategorie. Der September 2017 war im weltweiten Mittel ebenfalls der 4.-wärmste September seit 1880. Er war damit der dreihundertdreiundneunzigste zu warme Monat in Folge! Das Jahr 2017 ist bis jetzt (Januar-September) weltweit das 2.-wärmste in der knapp 140-jährigen Messreihe. Die positive Temperaturabweichung gegenüber dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts beträgt knapp 0,9 Grad. Neun der zehn wärmsten Januar-bis-September-Perioden sind in den Jahren seit 2005 zu finden! Nur eines (1998) stammt aus dem 20. Jahrhundert. Um herauszufinden, wie 2017 am Ende des Jahres abschneiden wird, schaut der amerikanische Wetterdienst NOAA mit drei einfachen Szenarien bis zum Jahresende. Das erste Szenario rechnet damit, dass die verbleibenden Monate des Jahres jeweils den 5.-wärmsten Wert erreichen. Das zweite Szenario rechnet damit, dass die verbleibenden Monate eine durchschnittliche Temperaturabweichung von +0,85 Grad haben werden. Das dritte Szenario rechnet damit, dass die restlichen Monate des Jahres jeweils gleiche Werte annehmen, wie die entsprechenden Monate im Jahr 1998. Das Jahr 1998 ist dabei nicht zufällig gewählt. So rechnen die Meteorologen in den Monaten rund um den Jahreswechsel im Pazifik nämlich mit einer La Niña. Also einem dominierenden Wettermuster, welches durch die immense räumliche Ausdehnung sogar die globale Temperatur um einige Zehntelgrad nach unten drücken kann. Eine solche Konstellation gab es auch 1998. Die stark positive globale Temperaturabweichung 2017 wird bis Ende Jahr daher noch etwas nach unten korrigiert. Unabhängig von den erwähnten Szenarien zeigt sich aber, dass das Jahr 2017 auf globaler Ebene sehr wahrscheinlich das 3.-wärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1880 wird. Noch wärmer als das aktuelle Jahr waren nur die beiden Vorjahre 2015 und 2016.

 

2017 unter den wärmsten?

Auch in der Schweiz waren die letzten beiden Jahre sehr warm. 2015 war beispielsweise in Zürich das bisher 2.-wärmste Jahr seit Messbeginn 1864. Das Jahr 2016 war das 9.-wärmste in der über 150-jährigen Messreihe. Auf dem Thron des wärmsten Jahres in Zürich sitzt weiterhin das Jahr 2014. Hat das laufende Jahr 2017 in der Schweiz und in Zürich Ambitionen auf einen Podestplatz der wärmsten Jahre oder kann es sogar dem Rekordjahr 2014 Paroli bieten? Lassen wir das Jahr 2017 kurz Revue passieren: Das Jahr startete mit einem eisigkalten Januar, welcher mehr als drei Grad unterkühlt blieb. Der Wärmeumschwung kam aber sogleich und so waren Februar und März deutlich übertemperiert. Nach einem durchschnittlichen April waren die Monate Mai bis August allesamt zu warm. Mai, Juni und August waren sogar recht deutlich zu warm. Der September war dann hingegen rund ein Grad unterkühlt bevor der gerade zu Ende gegangene Oktober wiederum anderthalb Grad zu mild ausfiel. Die Wärme dominiert bis anhin also klar. So erstaunt es nicht, dass 2017 in Zürich bis jetzt (Januar-Oktober) das 4.-wärmste Jahr seit Messbeginn ist. Die Periode Januar bis Oktober war bisher nur in den Jahren 2007, 2011 und 2014 noch ein bisschen wärmer als heuer. Doch wo wird sich das gesamte Jahr 2017 in Zürich einreihen? Wendet man die gleichen drei Szenarien der amerikanischen Wetterbehörde für Zürich an, so zeigt sich, dass noch vieles möglich ist. Würden November und Dezember je jeweils 5.-wärmste in ihrer Monatskategorie (Szenario 1), so würde 2017 in Zürich am Ende das 2.-wärmste Jahr sei Messbeginn sein. Sind November und Dezember hingegen 0,85 Grad wärmer als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts (Szenario 2), so landet 2017 am Ende auf Platz 7 der wärmsten Jahre – noch vor den warmen Jahren 2003, 2007 und 2016. Folgen die Temperaturen im November und Dezember hingegen den Werten aus 1998 (Szenario 3), wäre mit einem sehr kalten November zu rechnen und das Jahr 2017 würde sich am Ende nur noch auf Platz 9 wiederfinden. Die Spannung bleibt beim Wetter zum Glück bis am Ende gewährleistet. Mit einem weiteren Top-10-Jahr auf der Wärmeskala ist aber durchaus zu rechnen – auch in Zürich.

Wetterjahr 2017 wohl wieder unter den wärmsten

Goldener Oktober im Flachland: mehr Zufall als Regelfall

Vom 11.-20. Oktober herrschte in der Schweiz sonniges und mildes Bilderbuchwetter – sprich goldenes Oktoberwetter, oder sonniges Altweibersommerwetter? Abgesehen vom Nebel im Mittelland gab es zahlreiche Sonnenstunden und für die Jahreszeit hohe Temperaturen. Nach einem September, welcher im landesweiten Durchschnitt 1,6 Grad unter den Erwartungen blieb und der in den Bergen oberhalb von 2000 Meter mehrmals Schnee brachte, kamen die goldenen Oktoberwochen wie gerufen.

Langanhaltende Schönwetterphasen im Herbst werden Altweibersommer genannt. Der Altweibersommer ist einer der bekanntesten Witterungsregelfälle im jährlichen Wetterjahr. Gemäss MeteoSchweiz wird als Witterungsregelfall, auch Singularität genannt, eine an bestimmten Kalendertagen mehr oder weniger regelmässig auftretende Abweichung vom mittleren jährlichen Gang der meteorologischen Elemente bezeichnet. Gemäss Definition in der Literatur soll der Altweibersommer in Mitteleuropa fast regelmässig in der zweiten Septemberhälfte und Anfang Oktober auftreten (z.B. Meyers kleines Lexikon Meteorologie, 1987 oder Allgemeine Klimageographie, 1980). In der Schweiz hält sich der Altweibersommer jedoch nicht genau an diese Definition.

Weder Mitte noch Ende Oktober ist in Zürich, anders als in den Bergen, eine Häufung von Schönwettertagen ersichtlich.

Mitte Oktober

Falls der Altweibersommer regelmässig auftritt, muss dies in den historischen Wetterdaten ersichtlich sein, namentlich in der täglichen Dauer des Sonnenscheins. Erwartungsgemäss bringt der Altweibersommer viele Tage mit sonnigem Wetter. Ein Tag gilt als „heiter“ oder eben „schön“, wenn die Sonnenscheindauer 80 Prozent oder mehr erreicht. Das heisst, die Sonne darf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nur zu einem Fünftel der Zeit von Wolken oder Nebel verdeckt werden. Auswertungen von MeteoSchweiz für die Wetterstation Davos zeigen eindrücklich, dass der Altweibersommer ein Mitte-Oktober-Phänomen ist. In der gesamten betrachteten Periode von 1901 bis 2015 zeigten die Tage vom 12. bis zum 17. Oktober am häufigsten schönes Wetter. Insbesondere waren der 12., und 13. sowie der 16. und 17. Oktober in mindestens 50 Prozent der Fälle, im langfristigen Durchschnitt also mindestens jedes zweite Jahr schön. An den übrigen Oktobertagen sowie im September war schönes Wetter sichtbar weniger häufig.

 

Altweibersommer gestern und heute

Der Altweibersommer hat sich im Laufe der Zeit terminlich und auch in seiner Ausprägung deutlich verändert. Zwischen 1901 und 1930 war der 11. und 12. Oktober in 60 Prozent der Jahre schön, der 16. und 17. Oktober gar in 67 bzw. 70 Prozent der Jahre. Der 13., 14. und 19. Oktober war im Durchschnitt jedes zweite Jahr schön. Zwischen 1931 und 1960 erreichte die Häufigkeit für Schönwetter vom 12. bis zum 16. Oktober 50 bis 60 Prozent. Es war die stabilste Schönwetterzeit in den Monaten September und Oktober. In der Periode 1961 bis 1990 zeigte der Oktober eine auffallend andere Charakteristik. Eine definierte mehrtägige Phase um die Monatsmitte mit häufig schönem Wetter ist nicht mehr erkennbar. Dagegen wurde Schönwetter in der zweiten Oktoberhälfte markant häufiger. Auch unter den heutigen Klimabedingungen ist der Altweibersommer im Oktober ein Thema, allerdings nicht mehr in der markanten Ausprägung wie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. In der Periode der automatischen Messungen von 1981 bis 2015 ist vom 25. bis am 27. Oktober eine Häufung von Schönwettertagen zu finden, wie Auswertungen von MeteoSchweiz zeigen. Die einst klassische Schönwetterperiode zur Oktobermitte kommt in den letzten 35 Jahre hingegen nicht mehr zum Ausdruck.

Fehlanzeige im Flachland

Analysen der Schönwettertage im Herbst in Zürich zeigen hingegen ein ganz anderes Bild. Weder in den Klimaperioden des 20. Jahrhunderts noch unter aktuellen Klimabedingungen der letzten Jahre ist ein Altweibersommer im September oder Oktober ersichtlich. Anzeichen für einen Altweibersommer in Zürich zeigen sich noch am ehesten Anfang September. Zwischen 1931 und 1960 erreichte die Häufigkeit für Schönwetter vom 3. bis 6. September 40 bis 50 Prozent. In der Periode 1981 bis 2016 erreichen der 8. und 9. September eine Schönwetterquote von nahezu 50 Prozent. Vom Altweibersommer, welcher Mitte oder Ende Oktober in den Bergen auftritt, spürt das Flachland nichts. Grund ist der Nebel oder Hochnebel, welcher die Sonne im Herbst auch bei Schönwetterlagen länger verdecken kann.

In der Schweiz tritt der Altweibersommer also erst im Oktober auf und ist folglich gleichbedeutend wie der „Goldene Oktober“. So richtig zur Geltung kommt der Altweibersommer nur in Berglagen über dem Nebelmeer. Im Flachland sind weder Altweibersommer noch der „Goldene Oktober“ nachweisbar. Umso mehr lernen wir den diesjährigen Oktober zu schätzen.

> siehe auch MeteoSchweiz “Altweibersommer” 

Goldener Oktober im Flachland: mehr Zufall als Regelfall

Wieder ein (kleiner) Hitzesommer

Die Schweiz und Zürich durchschwitzten den 3.-heissesten Sommer seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1864. Anders als 2003 und 2015 kam heuer trotz wechselhaftem Charakter grosse Hitze zustande.

Zürich registrierte nach dem drittwärmsten Frühling auch den drittwärmsten Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Heisser waren bisher nur der Sommer 2015 und der Hitzesommer 2003. Seit den 1980er sind die Sommer spürbar wärmer geworden (10-Jahresdurchschnitt in rot).

Bereits seit Mitte Mai verwöhnte uns der diesjährige Sommer mit viel Wärme und Sonnenschein. Es sind aber nicht lang anhaltende Schönwetterperioden mit eitlem Sonnenschein, welche den diesjährigen Sommer prägten. Vielmehr zeichnete sich der Sommer 2017 durch ein ständiges Auf und Ab der Temperaturen und ein Hin und Her des Wetters aus. So reihten sich nie mehr als zehn schöne und hochsommerlich warme Tage hintereinander. Im Gegenteil, fast im Wochenrhythmus wechselten sich heisse und kühlere Phasen ab. Die heissen Phasen dauerten aber länger und waren in ihrer Intensität deutlich ausgeprägter als die kühlen Phasen. Mit insgesamt vier Hitzewellen und 15 bis 20 Hitzetagen mit mehr als 30 Grad gesellt sich der Sommer 2017 in Zürich zu den ganz heissen. Nur die Jahre 2003 und 2015 brachten mit je 26 heissen Tagen deutlich mehr Hitze hervor. Nur an neun Tagen blieb die Höchsttemperatur unter 20 Grad. So erstaunt es nicht, dass die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur zwischen Juni und August mit 25,8 Grad die zweithöchste war seit Messbeginn im Jahr 1864. Nur im legendären Hitzesommer 2003 stiegen die täglichen Höchsttemperaturen mit durchschnittlich 28 Grad noch höher.

 

Schlaflos in Zürich

Die grosse Sommerwärme machte sich in diesem Jahr nicht nur in hohen Tageshöchsttemperaturen bemerkbar, sondern vor allem auch durch erstaunlich hohe Nachttemperaturen – die das Schlafen in vielen Sommernächten erschwerten. Während sieben Nächten sank die Temperatur sogar nie unter 20 Grad. In diesen Fällen sprechen Meteorologen von Tropennächten. Solche waren für Zürich bis vor wenigen Jahren noch eine absolute Seltenheit. Selbst im Jahrhundertsommer 2003 gab es lediglich eine Tropennacht in Zürich. Der bisherige Rekordhalter ist der Hitzesommer 2015 mit insgesamt neun Tropennächte. Der Sommer 2017 reiht sich somit gleich dahinter auf Platz zwei in Sachen Tropennächten ein.

 

Konstant hohe Temperaturen über alle drei Sommermonate. Jedoch mit einem ständigen Auf und Ab.

Höhepunkt bereits im Juni

Der Sommer 2017 setzte relativ früh zum Höhepunkt an. So brachte die Hitzewelle vom 19.-23. Juni mit Temperaturen bis 34 Grad am Zürichberg die höchsten Temperaturen. Der 23. Juni war mit einer Tagesdurchschnittstemperatur von 27 Grad zudem der wärmste Tag des Sommers. So war der Juni auch der wärmste Monat im diesjährigen Sommer. Juli und August waren in der Folge einige Zehntelgrad kühler, wobei der August wiederum etwas wärmer war als der Juli. Grosse Unterschiede zeigten sich temperaturmässig aber kaum zwischen den einzelnen Sommermonaten. Vielmehr hielt sich die Sommerwärme seit Mitte Mai auf relativ konstantem Niveau. Richtig sonnig war vor allem der Juni. Vom 10.-27. Juni präsentierte sich der Sommer abgesehen von kurzen Unterbrüchen von seiner sonnigen und heissen Seite. Mit 260 Sonnenstunden war der Juni der sonnigste Monat des Sommers. Der Juli war dann mit 200 Sonnenstunden nur durchschnittlich. Mit 210 Sonnenstunden war der August dann etwas sonniger als im langjährigen Durschnitt. Mit insgesamt 670 Sonnenstunden machte die Sonne diesen Sommer rund 70 Überstunden. Seit 2001 waren jedoch auch sechs Sommer sonniger als 2017.

 

41% der Tage brachten Regen

Der wechselhafte Charakter des Sommers schlägt auch bei der Anzahl Regentage durch. An insgesamt 38 Tagen, oder an 41 Prozent der Sommertage, fiel Regen – häufig in Form von Gewittern. Diese Anzahl Regentage liegt im Bereich der langjährigen Erwartungen. Die Regenmengen summierten sich auf total 330 mm. Das entspricht knapp 90 Prozent der üblichen Sommerniederschlagsmengen. Die Niederschlagsmengen waren jedoch nicht gleichmässig über den Sommer hinweg verteilt. So blieben Juni und August trockener, wohingegen im Juli überdurchschnittlich grosse Regenmengen in Zürich niedergingen.

 

3.-wärmster Sommer

Mit durchschnittlich 19,6 Grad am Zürichberg reiht sich der Sommer 2017 als drittheissester Sommer seit Beginn der systematischen Erhebungen im Jahr 1864 in die Messreihe ein. Wenige Zehntelgrad heisser war lediglich der Hitzesommer 2015 mit durchschnittlich 20,2. Der Jahrhundertsommer 2003 bleibt mit 21,6 in Zürich weiterhin unantastbar. Erstaunlich ist, dass im Unterschied zu den Hitzesommern 2003 und 2015 der diesjährige Sommer trotz wechselhaftem Witterungscharakter so viele Hitzetage hervorbrachte.

Wieder ein (kleiner) Hitzesommer