Kommen bald frostfreie Winter und 40-Grad-Sommer?

Die kälteste Nacht des vergangenen Winters war ausgesprochen mild. Damit bestätigt sich der langjährige Trend. Auch die Jahreshöchsttemperaturen im Sommer erreichen immer höhere Werte.

Zürich erlebte eines der wärmsten Winterhalbjahre seit Messbeginn vor über 150 Jahren. Das Halbjahr von Oktober 2018 bis März 2019 wies am Zürichberg ein Wärmeüberschuss von rund anderthalb Grad gegenüber der Periode 1981-2010 vor. In den letzten 30 Jahren gab es eine ganze Reihe Winterhalbjahre, die ähnlich mild über die Bühne gingen wie aktuell. In der Zeit davor wurden solch milde Winterhalbjahre mit durchschnittlich über 5 Grad Celsius nie beobachtet. Noch wärmer im vergangenen Winterhalbjahr war es im Winterhalbjahr 2015/16 sowie vor allem im bisher wärmsten Winterhalbjahr 2006/07, welches nochmals ein Grad milder ausfiel.

Abgesehen vom Januar 2019 waren alle Monate des vergangenen Winterhalbjahres übertemperiert. Vor allem die Monate Dezember, Februar und März haben zum deutlichen Wärmeplus beigetragen. Richtig kalt wurde es im Winterhalbjahr 2018/19 nie.

Auch die Extreme werden immer wärmer: Die kälteste Nacht ist in Zürich heute rund drei Grad wärmer als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Kälteste Nacht

Die tiefste Temperatur des vergangenen Winterhalbjahres am Zürichberg wurde in der Nacht auf den 23. Januar 2019 gemessen. Das Thermometer zeigte -5,7 Grad an. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erst einen Winter in Zürich, in dem die kälteste Nacht noch milder ausfiel als heuer. So war die kälteste Nacht des Winterhalbjahres 2016/17 gerade mal -4,3 Grad kalt. Deutlich kälter wurde es in der kältesten Nacht im letztjährigen Winter 2017/18. Damals fiel die Quecksilbersäule in der Nacht auf den 28. Februar am Zürichberg auf -13,1 Grad. Eisige Temperaturen unter -15 Grad gab es in Zürich in den letzten 30 Jahren nur im Winterhalbjahr 2011/12. Damals drückte eine markante Kältewelle im Februar das Thermometer am Zürichberg während der kältesten Nacht auf -16,9 Grad.

In der Zeit vor den 70er-Jahren traten solch eisige Nächte alle paar Winter auf. In seltenen Fällen sank das Thermometer sogar unter die -20-Grad-Marke. Die kälteste Nacht seit mindestens Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Zürich am 12. Februar 1929 als knapp -25 Grad gemessen wurden.

Die globale Erwärmung führte bereits zu einer spürbaren Milderung der kältesten Nächte. Noch stärker als die jahreszeitlichen Durchschnittstemperaturen steigen die Temperaturen in den kältesten Nächten. In der Periode 1901 bis 1930 war die kälteste Nacht in Zürich im Durchschnitt noch -13,2 Grad kalt. In den letzten 30 Jahren war die kälteste Nacht im Schnitt noch -10,2 Grad kalt. So sind die kälteten Nächte des Winterhalbjahres heute drei Grad wärmer als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gemäss den neuen Klimaszenarien für die Schweiz (CH2018) erwärmen sich die kältesten Nächte des Jahres bis Mitte Jahrhundert um weitere 2 bis 6 Grad. Ohne globalen Klimaschutz würde die kälteste Nacht bis zum Ende des Jahrhunderts in Zürich sogar um 5 bis 9 Grad wärmer ausfallen als heute. Dann wären sogar Winter denkbar, in denen die kälteste Nacht des Jahres in Zürich nicht einmal Frost bringt.  

40-Grad-Marke

Mit dem April beginnt nun das Sommerhalbjahr. Was im Winterhalbjahr die kälteste Nacht ist, ist im Sommerhalbjahr die Höchsttemperatur. Im letztjährigen Hitzesommer lag die Höchsttemperatur in Zürich beispielsweise bei 34,6 Grad. Noch heisser wurde es im Sommer 2013 mit 35 Grad. Über 35 Grad gab es in Zürich bisher in fünf weiteren Sommern: 1921, 1928, 1947, 1983 und 2003. Der Rekordwert von 36,4 Grad aus dem Hitzesommer 2003 hält bis heute. Auch hier zeigt sich eine deutliche zeitliche Entwicklung hin zu heisseren Jahreshöchsttemperaturen. Sie liegen heute um anderthalb Grad höher als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die neuen Klimaszenarien zeigen, dass neben der Hitze zukünftig auch die Trockenheit im Sommer immer häufiger zum Problem werden kann. Aufgrund der geringen Bodenfeuchte kann in solchen Hitzesommern weniger Wasser verdunsten, wobei die Kühlung des Bodens ausbleibt. Daher ist in Zukunft bei fortschreitendem Klimawandel mit einem erheblichen Anstieg der Jahreshöchsttemperatur zu rechnen. Die heissesten Sommertage werden in naher Zukunft (2020-2049) voraussichtlich um weitere 1 bis 3 Grad heisser. Bis Mitte Jahrhundert sogar um bis zu 6 Grad. Ohne globalen Klimaschutz dürfte die Jahreshöchsttemperatur in Zürich bis Ende des Jahrhunderts (2070-2099) sogar um 4 bis 9 Grad zulegen. Das bedeutet, dass Zürich sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit der 40-Grad-Marke auseinandersetzen werden muss.


Auch die Extreme werden immer wärmer: Die Jahreshöchsttemperatur stieg um mehr als anderthalb Grad.
Kommen bald frostfreie Winter und 40-Grad-Sommer?

Schnee von gestern

Mit dem starken Anstieg der Schneefallgrenze sinkt die Anzahl Schneetage in Zürich drastisch. Der Januar bringt heute bereits 60 Prozent weniger Schneetage als noch vor drei Jahrzehnten. In Zukunft dürften es noch weniger sein.  

Der Januar 2019 hat die Schweiz in dreierlei Hinsicht zweigeteilt. So erlebten die Berglagen der Alpennordseite oberhalb von 1000 Meter den kältesten Jänner seit mehr als 30 Jahren, während das Tessin einen der mildesten Januarmonate seit Messbeginn registrierte. Auch bei der Niederschlagsverteilung gab es eine Zäsur. Während die Alpensüdseite mit Nordföhn häufig sonniges Winterwetter genoss und lediglich 10 bis 15 Prozent der üblichen Januarmengen erhielt, fielen am zentralen östlichen Alpennordhang mit Nordstau häufig intensive Schneefälle und St. Gallen erlebte beispielsweise einen der zehn niederschlagsreichsten Januarmonate seit Messbeginn 1866. Die dritte Zweiteilung der Schweiz im Januar lässt sich wie so oft im Winter mit dem Slogan „oben blau, unten grau“ beschreiben. Ausgesprochen sonnig war der Bergwinter im Januar allerdings auch nicht überall. Zumindest aber in der Woche vom 15. bis am 22. Januar verlief das Wetter vorwiegend hochdruckbestimmt, während im Flachland ab dem 19. Januar zäher Hochnebel lag.

Die Tage, an denen mindestens 5 Zentimeter Schnnee liegt, werden in Zürich immer seltener. Vor allem gegenüber der Periode 1961-1990 sind sie stark zurückgegangen.

Kalt aber schneearm

Der Passus „oben blau, unten grau“ sollte in der heutigen Zeit allerdings ergänzt werden. Treffender wäre: „oben blau und weiss, unten grau und grün“. Vor allem Mitte Januar brachte eine starke Nordwestströmung massiver Schneefall in den östlichen Alpen. In Mittelbünden summierte sich der Neuschnee auf bis zu 2 Meter 30 innerhalb von drei Tagen. Im Flachland – z.B. am Zürichberg – lag im Januar 2019 allerdings nie mehr als 11 Zentimeter Schnee. Der ganze Januar 2019 zählte am Zürichberg lediglich drei Tage, an denen 5 Zentimeter Schnee oder mehr lagen. Ganz im Flachland, in der Stadt Zürich, summierte sich der Schnee an keinem einzigen Tag auf 5 Zentimeter. Damit setzt der Januar 2019 den Trend hin zu schneearmen Flachlandwintern fort, und dies obwohl er heuer eigentlich genügend kalt und niederschlagsreich war.

Anstieg der Schneefallgrenze

In Zürich werden seit 1931 systematisch Schneedaten erhoben. In der 30-jährigen Periode von 1931 bis 1960 konnte der Zürichberg im Januar mit 11 Schneetagen mit mindestens 5 Zentimeter rechnen. In den darauffolgenden Jahrzehnten von 1961 bis 1990 erhöhte sich diese Marke sogar auf mehr als 12 Tage. Doch dann setzte die Kehrtwende ein und so bringen Januarmonate seither (1991 bis 2019) noch lediglich 5 Tage mit einer Schneedecke von mindestens 5 Zentimeter. Dies entspricht einem Rückgang der Schneetage um knapp 60 Prozent innerhalb von drei Jahrzehnten. Die Ursachensuche mündet rasch im kontinuierlichen Anstieg der Schneefall-, respektive der Nullgradgrenze. Lag die Nullgradgrenze Ende des 19. Jahrhunderts im Schweizer Winter noch bei 400 Meter über Meer, so lag sie in der Periode 1931 bis 1960 bereits bei 600 Meter und zwischen 1961-1990 bereits bei 700 Meter. Heute liegt die Nullgradgrenze im Winter im Durchschnitt bereits bei über 900 Meter. Der Anstieg der Schneefallgrenze zeigte sich auch im eigentlich kalten Januar eindrücklich. In Phasen intensiver Niederschläge, die vom Nordatlantik mit starken Nordwestwinden direkt an die Alpen geführt wurden, stieg die Schneefallgrenze rasch auf 1000 Meter an und arbeitete sich dann nur langsam auf 800, 600 Meter und erst bei bereits wieder abklingenden Niederschlägen bis ganz ins Flachland hinunter. Der grösste Teil des Niederschlags fiel in Zürich daher als Regen und eben nicht als Schnee.

Schneearme Winter

Der Januar ist beim Rückgang der Schneetage keine Ausnahme. Über das gesamte Winterhalbjahr (Oktober bis März) betrachtet, sind die Schneetage mit mindestens 5 Zentimeter Schnee in Zürich um 40 Prozent auf durchschnittlich noch 20 Schneetage zurückgegangen. Der stärkste Rückgang an Schneetagen erlitten die Monate Januar und März. Auch der Februar zählt heute knapp 30 Prozent weniger Schneetage als noch vor 30 Jahren. Auch Schneefälle im November und Dezember sind deutlich seltener als noch vor ein paar Jahrzehnten, allerdings zeigt sich hier ein spannendes Detail. In der Periode 1931-1960 waren Schneetage im November und Dezember noch seltener als heutzutage. In dieser Periode gab es im November praktisch keine Schneetage und auch im Dezember gab es im Durchschnitt lediglich 4 Schneetage in Zürich. Die Jahre von 1961 bis 1990 brachten dann diesen Monaten deutlich mehr Schnee, bevor der weitere Anstieg der Schneefallgrenze die Schneetage heutzutage wieder stark dezimiert.

Grüne Winter

Und was bringt die Zukunft? Die neuen Klimaszenarien der Schweiz CH2018 zeichnen ein düsteres Bild für den Flachlandwinter. Ohne griffigen globalen Klimaschutz reduzieren sich die Tage mit Neuschnee in Zürich gegenüber heute um über 30 Prozent bis Mitte Jahrhundert und um 60 Prozent bis Ende Jahrhundert. Während es heute noch 17 Tage mit Neuschnee sind, dürften es Mitte Jahrhundert entsprechend noch 12 und Ende Jahrhundert lediglich noch 7 Neuschneetage sein. Ein kleiner Lichtblick besteht: mit konsequentem Klimaschutz kann die heutige Anzahl Tage mit Neuschnee in Zürich bis Ende Jahrhundert fast erhalten bleiben.   

Schnee von gestern

So wird das Wetterjahr 2019

Wiederkehrende Witterungsmuster der letzten zwei Jahrzehnten könnten auch das diesjährige Wetterjahr prägen. Was kommt 2019 auf Zürich zu? 

Der Januar 2019 bricht den Wärmebann, welcher seit März 2018 über Mitteleuropa liegt. Als erster seit 10 Monaten am Stück dürfte der diesjährige Januar gegenüber dem langjährigen Referenzwert der Jahre 1981-2010 zu kalt ausfallen. Für ein abschliessendes Fazit ist es noch zu früh, aber das Ende der grossen Wärme aus dem Vorjahr geht mit dem Januar 2019 zu Ende. Wie geht es nun weiter im noch jungen Wetterjahr 2019?

Der allgemeine Temperaturanstieg lässt den Februar in Zürich momentan kalt. Milde und kalte Februare wechseln sich recht gleichmässig ab. In jüngster Zeit sind es sogar wieder mehr kalte Februare als noch in den 90er-Jahren.

Neue Wettertrends

Eines vorweg: natürlich weiss niemand – ausser Petrus persönlich – wie die Witterung im Jahr 2019 ablaufen wird. Trotzdem können Trends der letzten Jahre ein Indiz dafür sein, wie sich das Wetter 2019 präsentieren wird. Denn in den jüngsten Dekaden haben sich neue Witterungsmuster etabliert. Die wichtigsten sollen hier genauer beleuchtet werden.

Eisiger Februar – sommerlicher April

Ein Trend, der besonders hervorsticht, weil er auf den ersten Blick nicht richtig ins Bild passen will, ist die Häufung kalter Wintermonate in den letzten rund 10 Jahren. Insbesondere der Februar hat es in den letzten Jahren immer wieder kalt erwischt. So waren vier der letzten sieben Februare (teils deutlich) zu kalt. Zudem fällt auf, dass eigentlich nur noch extreme Februare beobachtet wurden. Entweder eisigkalt oder frühlingshaft mild, wie beispielsweise 2016 und 2017. Die kalten Ausreisser dominieren das Bild aber zurzeit. Nachdem der Februar in den 90er- und Nullerjahren sprunghaft wärmer wurde, kühlte sich der Februar in der aktuellen Dekade sogar wieder stark ab.

Im Laufe der 80er-Jahre erhöhten sich die Frühlingstemperaturen in Zürich deutlich. In den letzten 31 Jahren waren alle Frühlinge (März bis Mai) wärmer, als vom langjährigen Referenzwert der Jahre 1961-1990 vorgeschrieben. Unterkühlt blieb der Frühling seit 1988 nur im Jahr 2013. Insbesondere der April zeigt seit 2007 eine schwindelerregende Verwandlung. So ist der April heutzutage zwei Grad wärmer als noch vor 15 Jahren! Die vier wärmsten Aprile wurde alle seit 2007 registriert.

Erst Regen dann Trockenheit

Die Periode Mai bis Oktober bringt in Zürich rund 60 Prozent des Jahresniederschlags, oder knapp 700 mm. Vor rund zwei Dekaden waren die Niederschläge gleichmässig auf die beiden 3-monatigen Abschnitte Mai bis Juli und August bis Oktober aufgeteilt. Fast in jedem zweiten Jahr war die spätsommerliche Periode von August bis Oktober nässer als der Abschnitt Mai bis Juli. Seit nun zehn Jahren kam das nie mehr vor und die spätsommerliche Periode war immer deutlich trockener als die frühsommerliche Periode. Während sich der Spätsommer (August bis Oktober) abtrocknete, bekam der Frühsommer (Mai bis Juli) in den Jahren deutlich mehr Niederschläge. Insgesamt fallen von Mai bis Oktober immer noch gleich viele Niederschläge, jedoch haben sich die Niederschläge also deutlich vom Spätsommer in den Frühsommer verschoben. Seit nun zehn Jahren erlebt Zürich häufig einen Frühsommer-Monsun, gefolgt von einer spätsommerlichen und herbstlichen Trockenzeit.

Hitzesommer

Mit der Trockenheit kam in den letzten Jahren auch immer häufiger die Hitze. So erlebte Zürich in jüngster Zeit mehrere sehr intensive Hitzewellen. Drei der vier heissesten Sommer seit Messbeginn 1864 wurden in den vergangenen vier Jahren verbucht. Heisser als die Hitzesommer 2015 und 2018 war nur der Jahrhundertsommer 2003. Die Hitze verharrt neuerdings im Sommer bis spät in die Nacht. So wurden in den letzten Jahren immer häufiger Tropennächte mit Tiefstwerten von über 20 Grad registriert. Ein Phänomen, welches vor der Jahrtausendwende praktisch nie auftrat.

Grüne Weihnachten

Im 21. Jahrhundert traten sehr tiefe Herbsttemperaturen bisher nicht mehr auf. Die Herbstmonate wurden in den letzten Jahren kontinuierlich wärmer. Insbesondere der November erwärmt sich zurzeit rasant. Der letzte kalte November liegt bereits 12 Jahre zurück. Ähnlich präsentiert sich der Dezember. Eisigkalte, verschneite Dezember sind im aktuellen Jahrzehnt noch komplett ausgeblieben. So erstaunt es auch kaum, dass Zürich bereits zum 15. Mal in Folge grüne anstatt weisse Weihnachten erlebte.

Wird sich das Wetterjahr 2019 an die neuen Witterungsmuster halten und diese fortführen oder wird heuer alles anders. Sprich: auf einen milden Februar folgt ein kalter und staubtrockener Frühling. Die Trockenheit hält bis im Juli an. Anstatt Hitze folgt dann aber ein kühler, verregneter Hochsommer. Die Fortsetzung sähe einen nass-kühlen Herbst vor, wobei der Winter bereits im November und Dezember so richtig auf Touren kommt, so dass auch an Weihnachten 2019 endlich wieder Schnee in Zürich liegt. Meteorologen blicken mit Spannung dem neuen Witterungsjahr entgegen.

So wird das Wetterjahr 2019

2018: ein Wetterjahr wie am Mittelmeer

Der Dezember 2018 reiht sich nahtlos in die Reihe zu warmer Monate seit April ein. Bereits seit neun Monaten liegen die Temperaturen in der Schweiz deutlich über dem langjährigen Durchschnittswert der Periode 1981-2010. Zwei ausgeprägte Westwindlagen, die erste Anfang Dezember, die zweite kurz vor Weihnachten (Weihnachtstauwetter), sind verantwortlich für den grossen Wärmeüberschuss des letzten Monats des Wetterjahres 2018. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 3 Grad erlebte Zürich nach 2011, 2014 und 2015 den vierten sehr milden Dezember im laufenden Jahrzehnt. Verglichen mit dem langjährigen Mittel war der Dezember 2018 um knapp anderthalb Grad zu warm.

Das Jahr 2018 bricht alle Rekorde seit mindestens 1864. So warm war es in Zürich seit Messbeginn nie.

Mediterranes Klima

Bezüglich Niederschlagsmengen reiht sich der Dezember zwar nicht in die Reihe der Vormonate ein, aber in ein mediterranes Muster, welches wir bereits aus dem Vorjahr kennen. Schon der Dezember 2017 gehörte in die Kategorie „nass“ und nun summierten sich die Niederschläge auch im jüngsten Dezember in Zürich auf über 130 mm. Dies entspricht rund 160 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen in einem Dezember. Die monatelange Trockenheit – seit Februar waren alle Monate zu trocken – nahm somit ein vorläufiges Ende. Nur der Januar brachte im Wetterjahr 2018 bisher überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Januar und Dezember 2018 waren nicht nur zu nass in ihrer eigenen Monatskategorie, sondern sie waren insgesamt die beiden nässesten Monate im Jahr 2018. In den drei Wintermonaten Januar, Februar und Dezember des Wetterjahres 2018 fiel mehr Niederschlag als in allen anderen Jahreszeiten. Selbst die sonst niederschlagsreichen drei Sommermonate Juni bis August brachten 2018 deutlich weniger Niederschlag. Zürich gehört üblicherweise in die gemässigten Breiten. Der Sommer ist dabei die regenreichste Jahreszeit des Jahres. Die zweithöchsten Niederschlagsmengen bringt der Frühling. Am trockensten ist es im Winter. Das diesjährige Niederschlagsmuster mit einem nassen Winter und einem trockenen Sommerhalbjahr ist als „Mittelmeerklima“ bekannt. Bis zu einem gewissen Grad gewährt uns das Wetterjahr 2018 einen Blick in die Zukunft. Laut den neusten Klimaszenarien CH2018 werden die Winter gegenüber der langjährigen Referenzperiode 1981-2010 deutlich nässer und die Sommer trockener. Während in der aktuell gültigen Referenz häufig der Juli oder August den nässesten Monat des Jahres stellen, gehören Juli, August und September in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gemäss Klimaszenarien häufig zu den trockensten des Jahres. Anders als es Zürich im Wetterjahr 2018 erlebt hat, sollen aber auch die Frühlingsmonate sowie Oktober und November nässer werden als im heutigen Klima. Der Frühling dürfte vor dem Winter neu zur nässesten Jahreszeit in Zürich werden. Der Wonnemonat Mai könnte regelmässig regelrecht ins Wasser fallen. Auch 2018 wurde die Trockenheit im Mai von einzelnen, aber sehr intensiven Niederschlagsereignissen unterbrochen. Innert kürzester Zeit summierten sich riesige Regenmengen, so dass der Wonnemonat Mai 2018 schlussendlich nur marginal zu trocken ausfiel. Insgesamt erlebte die Ostschweiz allerdings von Frühling bis Herbst eine Jahrhundert-Dürre. In den acht Monaten von April bis November fielen nur 59 Prozent der Norm 1981-2010, wie MeteoSchweiz mitteilte. Es fehlte der Regen von mehr als drei normalen Sommermonaten. Das ist das deutlich massivste Regendefizit für die Periode April bis November in der Ostschweiz seit Messbeginn 1864. Alle übrigen sehr regenarmen April-November-Perioden lieferten 64 Prozent der Norm oder mehr. Die sehr nassen Monate Januar und Dezember kompensierten aber einen beachtlichen Teil des Niederschlagsdefizits, so dass das Wetterjahr 2018 mit drei Viertel der üblichen Niederschlagsmengen nicht als extrem trocken gilt. Seit 1864 waren 16 Jahre trockener als 2018. Allerdings liegen, abgesehen von 2003, alle diese Trockenjahre mehr als 60 Jahre zurück.

Neuer Jahresrekord

Nicht nur das Niederschlagsmuster erinnerte 2018 ans Mittelmeerklima, auch das Temperaturniveau war im mediterranen Bereich. Zehn von zwölf Monatstemperaturen lagen deutlich über der Norm, vier davon im extremen Bereich. Einzig die Monate Februar und März waren unterkühlt. Die schier unendliche Wärme führte nicht nur zu einem neuen Jahresrekord. Mit durchschnittlich 11,1 Grad erreichte die Jahrestemperatur in Zürich auch den höchsten Wert seit Messbeginn 1864. Das Jahr 2018 ist das vierte in kurzer Folge mit neuer Rekordtemperatur. Gegenüber den bisherigen Rekordjahren 2015 mit 10,6 Grad, 2014 mit 10,6 Grad und 2011 mit 10,5 Grad hebt es sich deutlich ab. Massgeblich zum neuen Jahresrekord beigetragen haben die vier Monate Januar, April, Juli und August, welche allesamt extrem warm ausfielen. Juli und August waren auch absolut betrachtet mit durchschnittlich rund 21 Grad die wärmsten Monate des Jahres. Solch hohe Sommertemperaturen sind normalerweise eher im Mittelmeerraum zu erwarten. Insgesamt herrschten 2018 mit durchschnittlich 11 Grad mediterrane Temperaturverhältnisse. Zürich ist 2018 ins Südtessin abgedriftet. So schreibt die Klimareferenz der Jahre 1981-2010 für Stabio im Jahresmittel 11,1 Grad vor. Mit über 1900 Sonnenstunden gehört das Jahr 2018 in Zürich zudem zu den zehn sonnigsten seit Messbeginn. Zur Trockenheit und Wärme gesellten sich folglich auch überdurchschnittlich viele Sonnenstunden – wie sich es für ein richtiges Mittelmeerklima gehört.  

2018: ein Wetterjahr wie am Mittelmeer

Drittwärmster Herbst seit Messbeginn

Auf den drittwärmsten Frühling und den zweitwärmsten Sommer folgte der drittwärmste Herbst seit Messbeginn. Der Eindruck täuscht nicht: Alle Jahreszeiten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erwärmt.

Mit den “Warming Stripes” wird eindrücklich ersichtlich, dass die jährlichen Quartalstemperaturen in Zürich immer wärmer werden. Daten: MeteoSchweiz, Inspiration: Ed Hawkins.

Der diesjährige Herbst gehört auf der Alpennordseite zu den niederschlagsärmsten seit Messbeginn 1864. In Zürich erreichte die Niederschlagssumme von September bis November lediglich 51 Prozent der Norm 1981-2010. Letztmals trockener war der Herbst 1969 vor knapp 50 Jahren. Auf der Alpennordseite zeigt der Herbst seit dem Jahr 2004eine ausgeprägte Tendenz zu unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen. Zwölf der letzten fünfzehn Herbste waren in Zürich zu trocken. Wobei alle drei Herbstmonate von der abnehmenden Niederschlagsaktivität betroffen sind. In Erinnerung bleibt der November 2011, wo im ganzen Monat überhaupt kein Tropfen Regen fiel. Auch heuer war die herbstliche Trockenheit im November am stärksten ausgeprägt. Am Zürichberg konnten nur 20 Prozent der üblichen Regenmengen gemessen werden. Damit setzte sich die aussergewöhnliche Trockenperiode weiter fort. In diesem Jahr brachte lediglich der Januar überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Alle anderen Monate waren teilweise deutlich zu trocken. Die Periode Februar bis November gilt in Zürich als die vierttrockenste seit Messbeginn im Jahr 1864. Das sich zu Ende neigende Jahr 2018 gehört in der Limmatstadt zu den zehn trockensten in der über 150-jährigen Messreihe.

 

Sonnig und trocken

Wo Trockenheit ist, ist häufig auch viel Sonnenschein. Und so erstaunt es nicht, dass der Herbst 2018 in Zürich auch sehr viel Sonnenschein bescherte. Im Raum Zürich bewegte sich die herbstliche Sonnenscheindauer regional weit über der Norm 1981-2010, wie MeteoSchweiz berichtet. Die Wetterstation am Zürichberg registrierte mit knapp 460 Stunden Sonnenschein, dies entspricht 147 Prozent der Norm, den drittsonnigsten Herbst seit Messbeginn 1884. Während die Nebeltage im September und Oktober rar blieben, brachte der November deutlich mehr graue Tage. Wobei nicht immer der Nebel schuldig für die trüben Verhältnisse war, sondern Tiefdruckgebiete über Westeuropa, die viele Wolken von Süden her in Richtung Schweiz führten. Im Schutz der Alpen blieb es trotz vieler Wolken im Norden aber weitgehendst trocken, während der November auf der Alpensüdseite buchstäblich ins Wasser fiel.

 

Drittwärmster Herbst

Wie die Trockenheit, so ist auch die Wärme im Witterungsjahr 2018 ein treuer Begleiter. Zürich erlebte bereits den drittwärmsten Frühling und den zweitwärmsten Sommer. Gefolgt vom drittwärmsten Herbst. In Zürich erreichte der Herbst 2018 eine Durchschnittstemperatur von 11 Grad. Auch in Zürich brachten bisher nur der Herbst 2014 mit 11,4 Gradund der Rekordherbst 2006 mit 12,2 Grad mehr Wärme. Und somit folgte in diesem Jahr der drittwärmste Herbst auf den zweitwärmsten Sommer und den drittwärmsten Frühling. Vier der fünf wärmsten Herbste wurden seit 2006 registriert.

Seit Messbeginn im Jahre 1864 hat sich der Herbst in Zürich um 1,7 Grad erwärmt. Rund ein Grad dieser Erwärmung fand allein in den letzten 50 Jahren statt. Alle Herbstmonate haben sich in den letzten Jahren erwärmt. Am stärksten von der Erwärmung betroffen ist allerdings der Oktober. Seit Beginn der Messungen 1864 ist er in Zürich um 2,4 Grad wärmer geworden. Der September war mit einer Erwärmung von 0,8 Grad bisher weniger stark betroffen.

 

Alle Jahreszeiten wärmer

Nicht alle Jahreszeiten und Monate erwärmen sich im Gleichschritt. Der Herbst ist in Zürich eigentlich die Jahreszeit mit der geringfügigsten Erwärmung in den letzten 50 Jahren. Am stärksten hat sich in jüngster Zeit der Sommer erwärmt. In den letzten 50 Jahren wurde er mit einer Erwärmung um 1,8 Grad deutlich wärmer. In der gleichen Periode hat sich auch der Frühling um 1,6 Grad erwärmt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Frühling sogar um knapp 2 Grad wärmer. Der März ist von der Frühlingserwärmung bisher am stärksten betroffen. Bei den Sommermonaten zeigt sich das Erwärmungssignal im August am ausgeprägtesten. Die Jahreszeit mit der stärksten Erwärmung seit Messbeginn 1864 ist allerdings der Winter. So sind die Winter heutzutage in Zürich 2,4 Grad wärmer als Mitte des 19. Jahrhunderts. Dabei haben sich alle Wintermonate sehr stark erwärmt. Mit einem Plus von drei Grad weist der Januar aber unter allen die markanteste Erwärmung seit 1864 vor.

Drittwärmster Herbst seit Messbeginn

Temperaturrekorde wie im 2018 sind in 40 Jahren bereits langweiliger Durchschnitt

Das Wetterjahr 2018 wird in Zürich voraussichtlich als wärmstes Jahr seit mindestens 1864 in die Wetterannalen eingehen. Massgeblich dazu beigetragen hat das rekordheisse Sommerhalbjahr – also die Periode zwischen April und September. Aber auch der Januar sowie der Oktober und November brachten Wärmeüberschüsse. Bereits in 40 Jahren gehört das gegenwärtige Rekordjahr 2018 temperaturmässig zum langweiligen Durchschnitt. Jedes zweite Jahr wird dann in Zürich noch höhere Temperaturen bringen als heuer. Zu diesem Ergebnis kommen Klimaforschende von MeteoSchweiz und der ETH Zürich in den jüngst veröffentlichten Klimaszenarien für die Schweiz „CH2018“.

Das rekordwarme Sommerhalbjahr 2018 dürfte ohne weltweite Klimaschutzmassnahmen bereits Mitte Jahrhundert zur Normalität werden (2060 RCP 8.5 inkl. Unsicherheitsbereich). Daten: CH2018 – Climate Scenarios for Switzerland und MeteoSchweiz.

Neue Klimaszenarien

Die neuen Szenarien CH2018 bestätigen und erweitern das bisher bekannte Bild des Klimawandels. Sie zeigen vier Hauptveränderungen, die das Klima ohne verstärkten weltweiten Klimaschutz in der Schweiz Mitte Jahrhundert prägen werden: Die Schweiz wird trockener, heisser, schneeärmer und kämpft künftig mit heftigeren Niederschlägen.

Die Klimaszenarien CH2018 basieren auf den neusten Klimamodellen und erlauben den bisher genausten Blick in die Klimazukunft der Schweiz. Sie liefern Entscheidungsträgern Planungsgrundlagen für den Klimaschutz und für Anpassungen an den Klimawandel. Entwickelt wurden die Klimaszenarien CH2018 von MeteoSchweiz, der ETH Zürich und der Universität Bern unter Mitwirkung von ProClim. Herausgeberin ist das neugeschaffene National Centre for Climate Services NCCS.

 

Greift der Klimaschutz?

Hauptursache des globalen Klimawandels ist der Ausstoss von Treibhausgasen durch den Menschen seit der Industrialisierung. Die Hauptrolle spielt Kohlendioxid (CO2), das überwiegend bei der Verbrennung von fossilen Treib- und Brennstoffen entsteht. Ob und wie schnell die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre weiter ansteigt, hängt vom Verhalten der Menschheit weltweit ab. Werden Klimaschutzmassnahmen rasch und umfassend umgesetzt, gelingt es, den Ausstoss der Treibhausgase rasch und nachhaltig zu vermindern. Werden hingegen erst später und nur einige Massnahmen ergriffen, steigen die Emissionen weiter an und sinken erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. In einer Welt ohne effektiven Klimaschutz steigen die Emissionen bis Ende Jahrhundert ungebremst an.

Die Klimaszenarien CH2018 bilden die ganze Bandbreite ab. In Anlehnung an die Arbeiten des Weltklimarats IPCC berücksichtigen sie verschiedene mögliche Entwicklungen der zukünftigen, weltweiten Treibhausgasemissionen. Hier werden drei Szenarien unterschieden: kein Klimaschutz, mässiger Klimaschutz (verlangsamter Anstieg der Emissionen, Rückgang erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts) und konsequenter Klimaschutz (sofortiger Rückgang der Emissionen und komplette Dekarbonisierung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts).

Die Klimaszenarien CH2018 beschreiben jeweils einen Mittelwert der Klimaverhältnisse über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten. Sie gruppieren sich um die Jahre 2035 (nahe Zukunft), 2060 (Mitte des Jahrhunderts) und 2085 (Ende des Jahrhunderts).

 

Heute Rekord – morgen Normalität

Europa, die Schweiz und Zürich erleben im aktuellen Wetterjahr das wohl wärmste seit Messbeginn. Doch wo steht 2018 im Vergleich zu den Klimaszenarien CH2018? Der Januar 2018 war in Zürich mit durchschnittlich knapp 5 Grad der wärmste seiner Art. Die neuen Klimaszenarien zeigen, dass solch extreme Januare Mitte des Jahrhunderts vermehrt auftreten können, aber auch dann noch als „zu warm“ empfunden werden. Ende des Jahrhunderts und ohne weltweiten Klimaschutz werden Januare wie der aktuelle Rekordjanuar 2018 zur neuen Normalität. Jeder zweite Winter würde sogar noch höhere Temperaturen bringen. Die Vegetation müsste dann faktisch ohne Winterruhe auskommen können.

Der diesjährige Februar war deutlich untertemperiert und auch der März 2018 fiel zu kalt aus. Solch tiefe Monatsmittelwerte von -1,5 Grad im Februar 2018 haben bereits in naher Zukunft absoluten Seltenheitswert. Verglichen mit dem zu erwartenden Februarmittel Ende des Jahrhunderts war der Februar 2018 um extreme 6 bis 7 Grad kälter.

Im April kehrte die Rekordwärme zurück. So gehört der April 2018 in Zürich zu den wärmsten in der Messreihe. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 13.5 Grad war der April so warm wie ein „normaler“ Mai. Gemäss den Klimaszenarien CH2018 bleiben solch extreme Apriltemperaturen bis Mitte Jahrhundert selten und gehören auch Ende Jahrhundert nicht zur Normalität. Diese kommt ohne Klimaschutz bei rund einem Grad tiefer zu liegen. Auch der Früh- und Hochsommer 2018 (Mai bis August) war ausgesprochen warm. Zürich erlebte das wärmste Sommerhalbjahr seit Messbeginn im Jahr 1864. Allein der Juli 2018 brachte am Zürichberg mit einer Monatsmitteltemperatur von 21,2 Grad grosse Hitze. Gemäss den Klimaszenarien werden sich ähnlich heisse Sommermonate bereits in naher Zukunft ab und zu wiederholen. Bereits Mitte des Jahrhunderts – auch mit mässigem globalem Klimaschutz – sind Sommertemperaturen wie 2018 langweiliger Durchschnitt und jedes zweite Jahr könnte noch höhere Temperaturen bringen. Ohne Klimaschutzmassnahmen würde sich Zürich Ende Jahrhundert einen so kühlen Sommer wie 2018 zurückwünschen. Dann dürfte der „normale“ Sommer sogar noch 2 Grad heisser sein als der Hitzesommer 2018.

Der Herbst 2018 erreichte in Zürich die viertwärmste Durchschnittstemperatur seit 1864. Ein Blick auf die Klimaszenarien zeigt, dass solch hohe Herbsttemperaturen bereits in naher Zukunft unabhängig von Klimaschutzmassnahmen zur neuen Normalität werden.

Und woran wird sich der anstehende Dezember orientieren? Der aktuelle Referenzwert aus der Periode 1981-2010 schreibt dem Dezember in Zürich eine Durchschnittstemperatur von 1,5 Grad vor. In naher Zukunft dürfte sich der Dezember um ein weiteres Grad erwärmen. Mitte Jahrhundert gehören Dezembertemperaturen von über 3 Grad bereits zur Normalität. Ohne Klimaschutzanstrengungen wird sich der Dezember bis Ende Jahrhundert um 4 Grad gegenüber heute erwärmen. Weisse Weihnachten werden dann so unwahrscheinlich wie weisse Ostern heutzutage.

> www.nccs.ch

Temperaturrekorde wie im 2018 sind in 40 Jahren bereits langweiliger Durchschnitt

Wird 2018 das wärmste Wetterjahr seit Messbeginn?

Das Wetterjahr 2018 ist auf bestem Weg in Richtung wärmstes Jahr seit Messbeginn. In ganz Mitteleuropa und auch in Zürich sieht es nach einem neuen Wärmerekord aus – je nachdem wie das Witterungsjahr zu Ende geht. Vier Szenarien zeigen auf, was bis Ende Jahr möglich ist.   

 

Es ist eigentlich eine logische Abfolge: nach dem Altweibersommer im September und dem goldenen Oktober folgt nun der Martinisommer, oder auch Martinssommer genannt. Dieser gehört zu den meteorologischen Singularitäten und beschreibt eine typische Schönwetterperiode rund um den Martinstag (11. November). Untypisch an diesem Jahr ist die ausserordentliche Beständigkeit der warmen und mehrheitlich heiteren Wetterlagen. So war der diesjährige Übergang vom Altweibersommer zum goldenen Oktober und weiter zum Martinisommer praktisch nahtlos. Kühle Tage sind krasse Einzelfälle, kalte Perioden traten überhaupt nie auf. Entsprechend überrascht es nicht, dass Europa den wärmsten September und den viertwärmsten Oktober seit Messbeginn erlebte. In Zürich war die Temperaturanomalie in den letzten zwei Monaten etwas weniger stark ausgeprägt. September und Oktober verpassen die Top 10 der wärmsten jeweils knapp, wie Daten von MeteoSchweiz zeigen. In Europa ist auch der November ausgesprochen mild gestartet und auch in Zürich hat sich der Wärmeüberschuss seit Anfang November akzentuiert. So gehört die erste Novemberhälfte 2018 zu den zehn wärmsten seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Noch ein gutes Stück wärmer als heuer waren nur die ersten Novemberhälften der Jahre 2015, 2010 und 1977.

Die Temperaturreihe von Zürich seit Messbeginn 1864. Vier Szenarien zeigen, wo sich das Jahr 2018 einreihen könnte. Ein neuer Wärmerekord ist sehr wahrscheinlich. Daten: MeteoSchweiz.

Neuer Wärmerekord 2018?

Mit der milden ersten Novemberhälfte 2018 ist das Wetterjahr 2018 auf direktem Weg in Richtung wärmstes Jahr seit Messbeginn vor mehr als 150 Jahren. Schweizweit, aber auch in Frankreich und Deutschland wurden seit Jahresbeginn noch nie so hohe Temperaturen gemessen wie 2018. In Zürich distanziert 2018 das bisherige Rekordjahr 2014 bis anhin mit einem Überschuss von sechs Zehntel Grad mehr als deutlich. Ist das neuste wärmste Jahr damit garantiert? Was müsste geschehen, dass 2018 doch nicht den Wärme-Thron besteigen wird? Vier Szenarien zeigen, was Zürich bis Ende Jahr blühen kann.

 

Szenario „tiefgefroren“

Mitte November kommt der markante Wetterumschwung. Zuerst wird mit einer Nordwestströmung kalt-feuchte Schneeluft aus dem Nordmeer an die Alpen geführt. Schnee fällt bis in die Niederungen und es bildet sich eine geschlossene Schneedecke. In der Folge baut sich über Skandinavien ein blockierendes Hochdruckgebiet auf, welches im Alpenraum eine Bisenlage einleitet. Aus Nordosteuropa wird eisigkalte Luft herangeführt und trocken-kaltes Winterwetter setzt sich durch. Die Temperaturen verharren im Dezember häufig ganztags unter dem Gefrierpunkt und in den klaren Nächten gibt es scharfen Frost. Die zweite Novemberhälfte gehört mit einer Durchschnittstemperatur von -1.8 Grad zu den zehn kältesten seit Messbeginn. Mit eisigen -5 Grad im Mittel erlebt Zürich den kältesten Dezember seit über 120 Jahren.

Das Szenario „tiefgefroren“ vereitelt den neuen Wärmerekord. Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,2 Grad würde 2018 trotzdem noch den achten Platz der wärmsten Jahre seit 1864 belegen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist sehr gering.

 

Szenario „winterlich“

Auch im Szenario „winterlich“ stellt sich Mitte November die Grosswetterlage um. Wie aus den Jahren 2013, 2010 und 2005 bekannt, stellt sich in der zweiten Novemberhälfte eine frühwinterliche Wetterlage ein mit Schnee bis in die Niederungen. Mit anhaltender Nord- bis Nordwestströmung wird kalt-feuchte Luft in den Alpenraum geführt. Die zweite Novemberhälfte 2018 gehört mit durchschnittlich einem Grad zu den kältesten seit 1999. Auch im Dezember hält die Zufuhr kalt-feuchter Luft an. Ähnlich wie im Jahr 2010 wird die Schweiz von drei Kaltluftvorstössen erfasst, mit Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt und ergiebigen Schneefällen. Zwischendurch bäumt sich für wenige Tage der Westwind auf und bringt deutlich mildere Temperaturen und Tauwetter – unter anderem zu Weihnachten. Mit durchschnittlich -0,8 Grad ist der Dezember 2018 zusammen mit den Dezembern 2010 und 1996 der kälteste seit 42 Jahren.

Selbst im Szenario „winterlich“ würde es dem Jahr 2018 zu einem neuen Wärmerekord am Zürichberg reichen. Mit 10,6 Grad wäre 2018 aber gleich warm wie das bisherige Rekordjahr 2014. Das Szenario „winterlich“ ist eher unwahrscheinlich.

 

Szenario „durchschnittlich“

Die grosse Wärme, welche seit Mitte März die Witterung in Mitteleuropa dominiert, weicht langsam, und die Temperaturen orientieren sich wieder am langjährigen Durchschnitt. Sie bewegen sich demzufolge in der zweiten Novemberhälfte um 2,5 Grad – Wintervorboten mit Schnee bis in die Niederungen gehören folglich dazu. Der Winter hält aber auch im Dezember nicht nachhaltig Einzug. Mit einer Mitteltemperatur von 1,5 Grad ist der letzte Monat des Jahres zwar etwas milder als im Vorjahr, verglichen mit den Dezembern seit 2010 aber sogar eher kalt. Neben winterlichen Phasen mit Schnee gibt es auch milde Westlagen mit Wind und Regen.

Im Szenario „durchschnittlich“ wird 2018 Zürich deutlich zum wärmsten Jahr seit Messbeginn. Mit durchschnittlich 10,9 Grad wird der alte Rekord aus 2014 um drei Zehntelgrad übertroffen. Dieses Szenario ist das wahrscheinlichste.

 

Szenario „frühlingshaft“

Der Name dieses Szenarios könnte auch lauten „weiter wie bisher“. Sprich: die Verhältnisse mit überdurchschnittlichen Temperaturen halten weiter an. Die zweite Novemberhälfte ist so warm wie das Mittel der zehn wärmsten (6,6 Grad) und damit geht der ganze November als der drittwärmste in die Wetterannalen ein. Auch im Dezember findet der Winter seinen Anfang nicht. Südwestlagen bringen sehr milde und zeitweise feuchte Luftmassen in den Alpenraum. Die Nächte sind häufig bedeckt und häufig frostfrei. Mit 4,1 Grad ist der Dezember annähernd so warm wie der Dezember 2015 und gehört zu den fünfwärmsten seit Messbeginn im Jahr 1864.

Im Szenario „frühlingshaft“ erreicht das Wetterjahr 2018 in Zürich eine Mitteltemperatur von 11,3 Grad. Damit wird das bisherige Rekordjahr 2014 in die Schranken verwiesen. Zum Vergleich: solche Durchschnittswerte werden normalerweise in der Magadinoebene im Tessin erwartet. Das Szenario „frühlingshaft“ ist eher unwahrscheinlich – aber was ist 2018 nicht alles möglich?

Wird 2018 das wärmste Wetterjahr seit Messbeginn?

Presseschau: Wieso ein halbes Grad Erwärmung entscheidend ist

Der neue Spezialbericht des Weltklimarats zeigt klar auf, welch kolossalen Anstrengungen nötig sind, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Entsprechend gross ist das mediale Echo auf den jüngsten Bericht.

Knapp 200 Regierungen aus aller Welt einigten sich 2015 in Paris darauf, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad, wenn möglich auf 1,5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Was das bedeutet, zeigt der Weltklimarat (das Intergovernmental Panel on Climate Change: IPCC) in einem am 8. Oktober veröffentlichten Sonderbericht auf. Die bisherigen Klimaberichte des IPCC beschrieben die Auswirkungen einer Erwärmung um 2 Grad oder mehr. Der neue Sonderbericht zeigt nun die Unterschiede zwischen einer 1,5-Grad- und einer 2-Grad-Erwärmung. Die Grundlagen für den Sonderbericht lieferten unzählige wissenschaftliche Studien, welche speziell zu diesem Thema in den letzten Jahren international erarbeitet wurden. Dabei gilt es zu bedenken, dass wir heute weltweit bereits eine Erwärmung von 1 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau erreicht haben.

Weniger Risiken

Der Bericht zeigt, dass ein zusätzlicher Anstieg der globalen Temperatur um lediglich 0,5 Grad die Folgen der Erwärmung erheblich verstärkt. Neben häufigeren Hitzeextremen, Dürren und Starkniederschlägen sind mit hoher Sicherheit vor allem die Folgen für die Biodiversität und die Ökosysteme bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad geringer als bei 2 Grad oder mehr. Eine Begrenzung der Erwärmung verringert die Folgen für terrestrische, Süsswasser- und Küstenökosysteme und erhält mehr von deren Nutzen für die Menschen aufrecht. Gleiches gilt mit hohem Vertrauen auch für die marine Biodiversität. Aufgrund der Abnahme des Sauerstoffgehaltes im Ozean steigen mit jeder zusätzlichen Erwärmung die Risiken für die Fischerei und die Ökosysteme in den Weltmeeren, welche wichtige Funktionen und Leistungen für die Menschen erbringen. Zusammengefasst werden klimabedingte Risiken für Gesundheit, Existenzgrundlagen, Nahrungs- und Wasserversorgung, menschliche Sicherheit und Wirtschaftswachstum bei einer Erwärmung um 1,5 Grad zunehmen und bei 2 Grad weiter ansteigen.

Das mediale Echo war gross. Der neue Sonderbericht des IPCC machte in praktisch allen bedeutsamen nationalen und internationalen Medien Schlagzeile. Dabei wurden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Eine Übersicht:

 

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» weist darauf hin, dass es noch nie eine solche globale Herausforderung gab:

«Entscheidend in dem Sonderbericht ist die Einführung eines langfristigen Nullnetto-Emissionsziels, sprich: das Ziel, eine klimaneutrale Klimapolitik zu erreichen. Unter dem Strich dürfen nicht mehr Treibhausgase freigesetzt werden als auf der anderen Seite etwa durch Entzug von Kohlendioxid aus der Luft, wieder in den Kohlenstoffkreislauf gelangen. Bis zum Jahr 2050, diese Zahl wurde zum ersten Mal vom IPCC genannt, sollte diese Netto-Emission weltweit auf null gesenkt werden.  […] Nur ganz wenige Länder haben nationale Klimagesetze geschaffen, die dieses Ziel enthalten, nicht Deutschland und auch nicht die Europäische Union.» – Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8.10.2018

 

Der «Spiegel» macht deutlich, wie weit der Weg zu null Emissionen tatsächlich noch ist:

 «Aktuell stößt die Menschheit jedes Jahr rund 41 Milliarden Tonnen Treibhausgase aus. Das Problem: Kohlendioxid ist sehr stabil, verbleibt über Jahrhunderte in der Atmosphäre – und heizt diese die gesamte Zeit über auf.» – Spiegel vom 8.10.2018

 

Der «Tages-Anzeiger» unterstreicht die Wichtigkeit, dass jetzt sehr rasch gehandelt werden sollte:

«Nimmt man das optimale Szenario der CO2-Absenkpfade im Bericht, so sollte das Maximum der Emissionen wenige Jahre nach 2020 erreicht sein, um dann bis 2055 auf null zu sinken. Je länger das Maximum hinausgezögert wird und je langsamer die Emissionen sinken, desto schwieriger wird es, die erforderliche Reduktion zu erreichen – auch wenn Mitte Jahrhundert die Emissionen auf null sind. In der Atmosphäre ist dann das Depot an Treibhausgasen immer noch zu gross, sodass die Erwärmung um 1,5 Grad übertroffen wird.» – Tages-Anzeiger vom 8.10.2018

 

Die «Neue Züricher Zeitung» sieht eine riesige Kluft zwischen den nötigen Massnahmen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels und dem politischen Willen, diese zu ergreifen:

«Wie schwer es bereits geworden ist, das strengere Klimaziel einzuhalten, lässt sich auch daran erkennen, dass in den entsprechenden Szenarien Techniken zur CO2-Aufnahme enthalten sind. Um die 1,5 Grad nicht zu überschreiten, müssten im Laufe des Jahrhunderts 100 bis 1000 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Zu den entsprechenden Techniken zählen die Aufforstung […] sowie die Filterung der Luft. In Fachkreisen wird daran gezweifelt, ob es machbar ist, die theoretisch erforderliche Kapazität an CO2-Aufnahme rechtzeitig bereitzustellen.» – Neue Zürcher Zeitung vom 8.10.2018

 

Die «Süddeutsche Zeitung» streicht den klugen Zeitpunkt der Veröffentlichung des Sonderberichts hervor:

 «Nicht zufällig erscheint der Bericht gerade jetzt. Im Dezember tritt die Staatengemeinschaft im polnischen Kattowitz zusammen, um die nächsten Schritte im Klimaschutz zu beschließen. Neben einem Regelwerk für den Pariser Klimavertrag soll es dort auch um die Lücke zwischen Soll und Haben gehen: Selbst vom Erreichen des Zwei-Grad-Ziels sind die Staaten mit ihren bisherigen Angeboten weit entfernt. Sie müssen also ihre Pläne nachbessern.» – Süddeutsche Zeitung vom 8.10.2018

Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken, müssen die globalen CO2-Emissionen restriktiv gesenkt werden und spätestens 2055 null erreichen; Bildquelle: IPCC Special Report on Global Warming of 1.5°C.

Der Spezialbericht des Weltklimarats gibt ein Fünkchen Hoffnung, dass sich die Erwärmung der Erde auf 1,5 Grad begrenzen lässt. Dazu sind aber schnelle und weitreichende Veränderungen nötig bei der Energieerzeugung, der Landnutzung, dem Städtebau, im Verkehrs- und dem Bausektor sowie in der Industrie. Die nächsten Jahre sind im Kampf um den Klimawandel entscheidend.

Presseschau: Wieso ein halbes Grad Erwärmung entscheidend ist

Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten ein Rekord-Sommerhalbjahr. Bei praktisch allen relevanten Wetterparametern schwingt das Sommerhalbjahr 2018 obenaus oder gehört in die Top 5 seit Messbeginn vor rund 150 Jahren. In der Meteorologie wird die Zeitspanne von Anfang April bis Ende September als Sommerhalbjahr bezeichnet. Das Winterhalbjahr dauert entsprechend von Oktober bis März. Die sechs Sommerhalbjahrmonate 2018 wurden von einer aussergewöhnlichen Wärme, staubiger Trockenheit und eitel Sonnenschein geprägt. Verglichen mit der langjährigen Normperiode der Jahre 1981-2010 gingen alle einzelnen Monate deutlich übertemperiert, zu trocken und zu sonnig in die Wetterbücher ein. In der Summe resultierte so über das gesamte Sommerhalbjahr 2018 ein bis anhin einzigartiges Rekordhalbjahr.

 

Rekordwärme

Die durchschnittliche Lufttemperatur zwischen April und September kam in Zürich bei 17,5 Grad zu liegen. So warm war ein Sommerhalbjahr seit Messbeginn 1864 noch nie. Die letzten sechs Monate waren 2,6 Grad wärmer als der 30-jährigen Mittelwert der Periode 1981-2010 und 0,3 Grad wärmer als das Sommerhalbjahr des legendären Hitzesommers 2003. Damit setzt das Sommerhalbjahr einen neuen Höhepunkt und ist Teil einer neuen Ära der Sommerwärme, wie es MeteoSchweiz treffend ausformulierte. Neun der zehn heissesten Sommerhalbjahre in Zürich wurden in den Jahren seit 2003 gemessen. Die einzige Ausnahme liefert das Sommerhalbjahr 1947, welches bis heute als drittwärmstes Sommerhalbjahr gilt. Sommerhalbjahre in Zürich zeigten seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur wenige Temperaturänderungen und waren im Durchschnitt knapp 13,9 Grad mild. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts setzte eine deutliche Erwärmung des Sommerhalbjahrs ein. So ist das Sommerhalbjahr seit 2001 im Durchschnitt 15,6 Grad warm. Das ist eine Erwärmung von knapp 2 Grad innert kürzester Zeit.

So heiss wie im 2018 war ein Sommerhalbjahr (April-September) in Zürich in den letzten mindestens 154 Jahren noch nie. Es ist eine starke Häufung extrem warmer Sommerhalbjahre seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu beobachten.

Sommertage ohne Ende

An 142 der 183 Sommerhalbjahrtagen stieg die Tageshöchsttemperatur am Zürichberg über 20 Grad. Der bisherige Rekordwert wurde dabei um ganze zehn Tage überboten. Die mittlere Tageshöchsttemperatur erreichte mit über 23 Grad ebenfalls einen neuen Rekordwert. Auch die nächtlichen Tiefstwerte lagen mit durchschnittlich 12,5 Grad über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2003. Das Quecksilber stieg am Zürichberg an 76 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Noch mehr Sommertage erlebte Zürich einzig im Sommerhalbjahr 2003. Damals gab es noch zehn Sommertage mehr als heuer. Ebenfalls sehr viele Sommertage brachte das Sommerhalbjahr 1947: insgesamt 69. Etwas weniger extrem zeigt sich das abgelaufene Sommerhalbjahr in Sachen Hitze. Eine intensive Hitzewelle rollte zwar zwischen Mitte Juli und Anfang August über die Nordschweiz, ansonsten zeigte sich das Sommerhalbjahr aber meistens konstant sehr warm – nicht aber extrem heiss. Dies zeigt sich in der Anzahl Hitzetage. Im Sommerhalbjahr 2018 wurden 18 Hitzetage mit einer Höchsttemperatur über 30 Grad erfasst. Das ist zwar deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt, welcher von lediglich sechs Hitzetagen ausgeht, aber in bereits drei Sommerhalbjahren gab es noch mehr Hitzetage als 2018. So brachten die Jahre 1947, 2003 und 2015 im Sommerhalbjahr alle je 26 Hitzetage.

 

Dürre und Sonnenschein pur

Extrem war neben der Rekordwärme auch die ausgeprägte Trockenheit, welche das Sommerhalbjahr 2018 dominierte. Seit April fielen in Zürich lediglich 400 mm Regen. Das sind gerade mal 60 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen. Das Regendefizit entspricht der Regenmenge zweier Sommermonate. Das Sommerhalbjahr war damit in Zürich so trocken wie seit 69 Jahren nicht mehr. Noch etwas trockener waren die Sommerhalbjahre 1947 und 1949. Hohe Temperaturen und Trockenheit entstehen durch langanhaltende Schönwetterlagen. Entsprechend leistete im Sommerhalbjahr 2018 auch die Sonne zahlreiche Überstunden. Mit 1‘462 Sonnenstunden in Zürich zwischen April und September 2018 war es das sonnigste Sommerhalbjahr seit mehr als 70 Jahren. Diese Periode  brachte mehr Sonnenschein als beispielsweise das ganze Jahr 1994. Noch sonniger waren die Sommerhalbjahre 1911 und 1945 und 1947 mit 1‘470 bis 1‘520 Sonnenstunden.

 

Die Rekordwärme im Sommerhalbjahr 2018 hat durchaus einen Einfluss auf die Energiekosten im Gebäudebereich. Die Heizkosten steigen und sinken analog mit den Temperaturen. Ein meteorologischer Indikator dafür sind die Heizgradtage. Am Anfang und Ende des Sommerhalbjahrs wird in der Schweiz je nach Witterung geheizt. Im Sommerhalbjahr 2018 erreichten die Heizgradtage einen Wert von 235. Noch tiefer war dieser Wert lediglich im Sommerhalbjahr 2009. Im Durchschnitt liegt er bei über 640. Anders sieht es beim Kühlbedarf aus. Immer häufiger werden Gebäude im Sommer gekühlt. Je höher die Aussentemperatur, desto mehr Energie braucht es zur Kühlung. Ein Indikator dafür sind die Kühlgradtage. Dieser Indikator stieg heuer auf einen Wert von 263. Noch höher stieg er lediglich im Sommerhalbjahr 2003. Im langjährigen Durchschnitt liegt er allerdings nur bei 85. Im Sommerhalbjahr 2018 musste aufgrund der Rekordwärme natürlich nicht geheizt, jedoch aber umso mehr gekühlt werden.

Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Fünf Beweise für den Hitzesommer 2018

Ende Juli 2018 tauchte das Schlagwort „Hitzesommer“ wieder auf. Seither wird es in zahlreichen Medien zur Berichterstattung des diesjährigen Sommers verwendet. Berühmt wurde der „Hitzesommer“ im Jahr 2003 – als Mitteleuropa den heissesten Sommer mindestens seit Messbeginn Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte. Aber auch der Sommer 2015 wurde vom BAFU zum Hitzesommer hochgestuft, und auch im letzten Jahr trat das Schlagwort hie und da in Erscheinung. Retroperspektivisch gelten auch die Sommer 1911, 1947 und 1983 als Hitzesommer.

Von Seiten der Wissenschaft gibt es keine klaren Kriterien, die ein Sommer erfüllen muss, damit er als Hitzesommer gilt. Vielmehr machen die öffentliche Wahrnehmung und die Medienarbeit einen Sommer zum Hitzesommer. Der meteorologische Sommer 2018 – der seit Ende Juli als Hitzesommer gilt – dauert per Definition vom 1. Juni bis zum 31. August. Nun ist er also vorbei, der Sommer 2018. Wie er im Vergleich zu den anderen (Hitze-)Sommern abschneidet, lässt sich jetzt also eindeutig zeigen. Eines vorweg: der Thron des heissesten Sommers seit Menschengedenken blieb unangetastet. Der Hitzesommer 2003 bleibt in dieser Hinsicht fast immer das Mass aller Dinge. Trotzdem lassen sich rasch sieben Beweise finden, die zeigen, dass der Sommer 2018 eindeutig das Etikett „Hitzesommer“ verdient.

Extreme Tage hinsichtlich Wärme nehmen in den letzten Jahren eindeutig zu. Der Sommer 2018 brachte knapp 60 deutlich zu warme Tage. Das ist der zweithöchste Wert seit 1901.

1. Durchgehend warm

Zürich erlebte 2018 einer der heissesten Sommer seit Messbeginn. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von knapp über 20 Grad war der Sommer in etwa gleich warm wie der (Hitze-)Sommer 2015 und somit der zweitwärmste seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnung in Zürich im Jahre 1864. Im Hitzesommer 2003 lag die Durchschnittstemperatur in Zürich nochmals um rund ein Grad höher als 2015 und 2018. Wie es sich für einen Hitzesommer gehört, war es zwischen Anfang Juni und Ende August praktisch konstant zu warm. Der diesjährige Sommer zeichnete sich nicht durch extreme Hitzewellen aus, sondern durch langanhaltend grosse Wärme. Werden alle Sommertage vom 1. Juni bis zum 31. August in die Kategorien warm, normal und kalt eingeteilt, so zeigt sich, dass im Sommer 2018 zum ersten Mal überhaupt seit Messbeginn 1901 kein einziger Tag in die Kategorie kalt fällt. 58 der 92 Sommertage wurden 2018 als „warm“ eingestuft – das ist der zweithöchste Wert seit Messbeginn. Weitere 34 Tage im Sommer 2018 waren normal-temperiert. Als „kalt“ gilt ein Tag, wenn er mindestens drei Grad kälter ist als der Durchschnitt des entsprechenden Tages der Periode 1961-1990. Entsprechend weisen „warme“ Tage eine positive Abweichung von mindestens drei Grad vor. Alles dazwischen gilt als normal-temperiert. Zum Vergleich: im Hitzesommer 2003 waren 71 der 92 Tage zu warm, aber auch drei zu kalt. Und auch im Hitzesommer 2015 gab es drei kalte Tage. Die (Hitze-)Sommer 1947 und 1983 müssen sogar 5 respektive 8 zu kalte Tage verbuchen und weisen „nur“ 37, respektive 45 warme Tage vor. Auch im letztjährigen Sommer gab es mit 48 zu warmen Tagen einen Spitzenwert.

 

2. Intensive Hitzewelle

Zu einem Hitzesommer gehören Hitzewellen. So richtig heiss, mit täglichen Hitzewerten von über 30 Grad war es in Zürich zwischen dem 30. Juli und dem 8. August. Diese zehntägige Hitzewelle brachte in den tiefen Lagen der Alpennordseite eine mittlere Höchsttemperatur von 32 bis 34 Grad. So war es in Zürich, Basel und Luzern die dritt-, teilweise die viert- intensivste Zehntages-Hitzewelle seit Messbeginn im 19. Jahrhundert. Letztmals heisser während zehn Tagen war es an diesen Messstandorten im Hitzesommer 2003 mit einer mittleren Höchsttemperatur von 34 bis 37 Grad.

 

3. Grosse Dürre

Der Sommer 2018 gehört zu den trockensten seit Messbeginn. Zwischen Juni und August fielen nur gerade 200 mm Regen – also nur rund die Hälfte der üblichen Regenmengen. Letztmals trockener war der (Hitze-)Sommer 1983. Auch der (Hitze-)Sommer 1947 und der Sommer 1949 brachten noch weniger Regen. Die Dürre reicht aber weiter zurück. So hat sich die monatelange Regenarmut in der Ostschweiz zu einem Jahrhundert-Ereignis entwickelt. Im Gebiet zwischen Zürichsee/Walensee und Bodensee fielen in den fünf Monaten von April bis August im Mittel nur 45 Prozent der normalen Regensumme. Hier fehlt der Regen von zweieinhalb bis drei normalen Sommermonaten, wie Auswertungen von MeteoSchweiz zeigen. Gemäss MeteoSchweiz handelt es sich um das deutlich massivste April-August- Regendefizit in der Ostschweiz seit Messbeginn 1864. Auf Rang zwei liegt die April-August Periode aus dem Jahr 1870 mit nur 50 Prozent der Norm 1981‒2010. Im Zuge der Trockenheit sind die Pegel der Schweizer Seen teilweise auf neue Sommerrekordtiefstwerte gesunken. Auch der Pegel des Zürichsees erreichte Ende August einen neuen Sommertiefststand. In anderen Jahren lag der Pegel aber im Spätwinter jeweils noch tiefer.

 

4. Sonnenschein pur

Wo Wärme und Trockenheit ist, ist auch Sonnenschein. Und so war es auch im Sommer 2018. Mit insgesamt 800 Sonnenstunden erlebte Zürich den sonnigsten Sommer seit 2003. Der Hitzesommer 2003 brachte noch 50 Sonnenstunden mehr als 2018. Ähnlich sonnig wie heuer waren auch die Sommer 2013 und 2015.

 

5. Zahlreiche Sommertage

Gemessen an den Sommertagen – also an Tagen mit einer Höchsttemperatur von 25 Grad oder mehr – spielt der diesjährige Sommer ganz oben mit. Abgesehen vom Hitzesommer 2003 gab es heuer mit 56 noch nie so viele Sommertage. Im Hitzesommer 2003 waren es sogar 74 Sommertage. Die Hitze von Mitte Juli bis Mitte August liess auch die Anzahl Hitzetage mit Höchstwerten über 30 Grad stark ansteigen. Am Zürichberg wurden im Sommer 2018 insgesamt 18 Hitzetage registriert. Das ist der vierthöchste Wert seit 1901. Mit 25-26 Hitzetagen gab es nur in den (Hitze-)Sommern 1947, 2003 und 2015. Und auch die Tropennächte mit Tiefstwerten von über 20 Grad fehlten im diesjährigen Sommer nicht.

Der Sommer 2018 hat also eindeutig das Prädikat „Hitzesommer“ verdient.

Fünf Beweise für den Hitzesommer 2018