Die Schweiz: ein Wasserschloss und Sonnenland

Am 1. Januar 2018 tritt das revidierte Energiegesetz zusammen mit den Verordnungen in Kraft. Damit wird der Bau neuer Kernkraftwerke verboten. Die alten AKWs sollten noch so lange weiterbetrieben werden, solange diese sicher sind. In Fachkreisen wird davon ausgegangen, dass das letzte Schweizer Kernkraftwerk bis 2040 stillgelegt wird. Die schrittweise wegfallende Elektrizität muss anderweitig zur Verfügung gestellt werden. Das revidierte Energiegesetz dient deshalb auch dazu, die erneuerbaren Energien zu fördern. Insgesamt sollen die Abhängigkeit von importierten fossilen Energien reduziert und die einheimischen erneuerbaren Energien gestärkt werden. Doch welche Stromproduktionstechnologien weisen in der Schweiz das grösste Potenzial zu gleichzeitig günstigen Preisen vor und leisten zudem ihren Beitrag zu einer klimafreundlichen Stromversorgung?

Die Wasserkraft gilt heute als wichtigste Stromquelle. Die Ausbaupotenziale sind aber stark begrenzt. Grosse Potenziale in der Schweiz gibt es bei der Sonnenenergie (Photovoltaik).

Viel Sonnenenergie

Unter den erneuerbaren Energien in der Schweiz weist die Solarenergie – genauer gesagt Photovoltaik-Anlagen bis 2035 und 2050 das grösste Zubau-Potenzial auf, wie eine neue Studie des PSI zuhanden des Bundesamtes für Energie (BFE) zeigt. Da die Sonne jedoch nur tagsüber variabel scheint und im Sommerhalbjahr viel ausgiebiger als im Winterhalbjahr, sind laut Studie Massnahmen notwendig, um grosse Mengen Photovoltaik-Strom ins System zu integrieren. Das können beispielsweise dezentrale Batteriespeicher in Ein- und Mehrfamilienhäusern oder grössere Netzspeicher im Verteilnetz sein. Auch die Windenergie – vor allem in der Romandie – präsentiert sich in der neuen Studie mit einem beträchtlichen Zubau-Potenzial. Erst für einen Zeithorizont ab 2050 oder später wird die Stromproduktion aus Tiefengeothermie genannt. Sie ist heute noch mit grossen technischen Unsicherheiten verbunden.

Bereits heute wird die in der Landwirtschaft anfallende Gülle energetisch genutzt und in Biogas-Kraftwerken verstromt. In Zukunft könnte ein noch grösserer Teil der Gülle zu Strom umgewandelt werden. Auch beim wichtigsten Standbein der Schweizerischen Stromversorgung – der Wasserkraft – besteht ein gewisses Zubau-Potenzial. Ob dieses realisiert werden kann, hängt jedoch sehr stark von den wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab.

Bei der zukünftigen Entwicklung der Gestehungskosten der verschiedenen Stromerzeugungstechnologien bis 2050 zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Während die Kosten für Wasserkraft, landwirtschaftliche Biogasanlagen und fossile Stromerzeugung eher steigen, sinken sie für Photovoltaik und Windenergie nochmals deutlich. 2050 dürfte Strom aus Photovoltaik nur noch halb so teuer sein wie heute.

Die Kosten von neuen Photovoltaik- und Windenergieanlagen sind schon heute konkurrenzfähig. Grosse Photovoltaikanlagen werden zukünftig die kostengünstigste Stromerzeugungstechnologie sein.

Versorgungssicherheit auch ohne Atomstrom

Die Studie des PSI zeigt folglich, dass das Potenzial für den Zubau erneuerbarer Energien in der Schweiz sehr gross ist und die Photovoltaik und Windenergie aufgrund der weiter sinkenden Kosten zu den günstigsten Stromerzeugungstechnologien gehören. Die Stromproduktion aus Sonnen- und Windenergie fluktuiert aber zeitlich stark. Ob in einem kalten, dunklen Winter mit geringer erneuerbarer Produktion nach Abschaltung aller Kernkraftwerke genügend Strom für alle vorhanden ist und kein Blackout droht, muss sich zeigen. Die Ende Oktober veröffentlichte Studie „System Adequacy“ der ETH Zürich und der Universität Basel zuhanden des BFE sieht die Versorgungssicherheit bis 2035 für gewährleistet. Wichtige Voraussetzung dafür ist neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der Steigerung der Energieeffizienz die Integration in den europäischen Strommarkt. Die Versorgungssicherheit mit Strom in der Schweiz wird durch eine gute Vernetzung mit den Nachbarländern gewährleistet. Ein gut funktionierender Stromhandel ist für die Versorgungssicherheit der Schweiz enorm wichtig. In diesem Fall kann die Schweiz dann Strom günstig importieren, wenn dieser in anderen europäischen Ländern im Überfluss vorhanden ist. Diese Importzeiten sind wichtig, da dadurch die Schweizer Speicher ruhen können, so dass genügend Kapazitäten für Stunden mit hoher Stromnachfrage und geringer Importmöglichkeit vorhanden sind.

Trotz Ausstieg aus der Kernenergie kann die langfristige Versorgungssicherheit marktorientiert und im Verbund mit den Nachbarstaaten sichergestellt werden. Dass der dafür notwendige Ausbau der erneuerbaren Energien vorankommt, sorgt ab 2018 das revidierte Energiegesetz.

Die Schweiz: ein Wasserschloss und Sonnenland

Der Herbst auf der Sonnenseite

Der diesjährige Oktober verwöhnte die Schweiz mit anhaltend sonnigem Wetter. In Zürich summierte sich der Sonnenschein allein im Oktober auf knapp 190 Stunden. Damit war der Oktober 2016 der 2.-sonnigste seit 1901. Verantwortlich dafür war ein kräftiges Hochdruckgebiet, welches sich ab dem 10. Oktober aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa schob. Es war der Beginn eines anhaltend prächtigen Altweibersommers in der ganzen Schweiz. In Zürich ist während eines durchschnittlichen Oktobers nur mit drei bis vier heiteren Tagen zu rechnen. Ganz anders präsentierte sich die Situation in diesem Jahr. An dreizehn Tagen lachte die Herbstsonne von einem fast wolkenlosen, stahlblauen Himmel. Dabei kletterten auch die Tageshöchsttemperaturen nochmals auf spätsommerliche 23 Grad – dies, nachdem das Quecksilber seit dem 5. September nicht mehr so hoch stieg. In Zürich war es letztmals vor genau 50 Jahren, im Jahr 1967, noch eine Spur sonniger als im diesjährigen Oktober. Damals war es vom 10.-30. Oktober mit jeweils nur ganz kurzen Einschränkungen ausgesprochen sonnig. Die Sonne schien in dieser Periode meistens 7 bis 10 Stunden pro Tag. Im Oktober 2017 zeigte sich die sonnigste Periode vom 10.-19. Oktober mit aussergewöhnlich vielen Tagen mit maximaler Sonnenscheindauer von 10 Stunden. Ebenfalls sehr sonnig war in Zürich der Oktober 1971. Weitere vergleichbar sonnige Oktober sind in der bis 1901 zurückreichenden Sonnenscheinmessreihe nicht zu finden.

Trübe Oktober

Dass der Oktober wettertechnisch auch alles andere als golden sein kann, zeigte er im Jahr 1939. Mit total nur 35 Sonnenstunden war es der trübste Oktober in der Messreihe seit Messbeginn 1901. Dies lag aber nicht wie möglicherweise vermutet an vielen Nebeltagen, sondern an anhaltendem Regen-, respektive Schneewetter. Kein einziger Tag ging damals trocken über die Bühne. Der Oktober 1939 war in Zürich nicht nur der sonnenärmste, sondern auch der niederschlagsreichste. Ende Monat schneite es sogar schon bis ins Flachland. Einen ähnlich trüben Oktober in Zürich gab es letztmals im Jahr 1992. Mit insgesamt 37 Sonnenstunden war er nur unbedeutend sonniger als der grauste Oktober im Jahr 1939. Auch im trüben Oktober 1992 war anhaltendes Regenwetter schuld am grossen Sonnendefizit.

Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1939 am Messstandort Zürich.
Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1992 am Messstandort Zürich.

Heitere November

Trübes und nasses Wetter passt aber gefühlsmässig noch besser in den November als in den Oktober. Dieses Gefühl wird auch durch die langjährigen Wetterbeobachtungen bestätigt. So sind in Zürich während eines durchschnittlichen Novembers nur gerade zwei heitere Tage zu erwarten. Richtig trüb verlief der November 1958. In Zürich zeigte sich die Sonne im ganzen Monat nur gerade 13 Stunden. Die Schuld konnte damals auf den Nebel geschoben werden. Es war gleichzeitig einer der sonnenärmsten Monate überhaupt. Dass der November aber auch eine Sonnenseite hat, haben die letzten Jahre gezeigt. So gehört der November 2015 mit mehr als 100 Sonnenstunden zu den sonnigsten Novembern überhaupt. Ebenfalls sehr sonnig war der November 2006 und damit ein zweiter November seit der Jahrtausendwende. Mehr als 100 Stunden Novembersonne brachten ansonsten nur noch die Jahre 1969, 1981 und 1986.

Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1967 am Messstandort Zürich.
Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 2017 am Messstandort Zürich.

Mehr Sonne im Herbst

Der ausgesprochen sonnige Oktober 2017 und der sonnenverwöhnte November 2015 sind keine Zufälle, sondern Zeugen einer Tendenz zu sonnigeren Herbstmonaten. Ein Blick in die Sonnenscheinstatistik der Herbste in Zürich seit 1901 zeigt, das sich die Herbstsonne in den 10er-Jahren des 21. Jahrhunderts deutlich häufiger zeigt als noch in den 90er-Jahren. Heute scheint die Sonne im Herbst (September bis November) durchschnittlich 360 Stunden. In den 90er-Jahren waren es noch weniger als 290 Sonnenstunden. Ähnlich trübe Herbste gab es auch in den zwei Jahrzehnten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Deutlich sonniger verliefen die Herbstmonate in den 40er- und 60er-Jahren. So sonnig wie heutzutage waren die Herbste in Zürich aber seit Messbeginn im Jahre 1901 noch nie.

Die letzten Herbste brachten so viel Sonnenschein wie noch nie seit Messbeginn 1901.
Der Herbst auf der Sonnenseite

Wetterjahr 2017 wohl wieder unter den wärmsten

Die Schweiz erlebte einen ausserordentlich sonnigen und sehr milden Oktober. Der zehnte Monat des Jahres war in Zürich rund anderthalb Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Referenzperiode 1981-2010 und brachte bis zu 70 Prozent mehr Sonne als in einem durchschnittlichen Oktober. Gleichzeitig blieben die Niederschläge deutlich hinter den Erwartungen. Noch viel extremer präsentiert sich das Niederschlagsdefizit auf der Alpensüdseite. Im Tessin hat es den ganzen Oktober praktisch nie geregnet. Gerade einmal 1 mm Niederschlag wurden in diesem Oktober in Locarno gemessen. Auch in Lugano sind es lediglich knapp 6 mm. Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 fällt die Niederschlagsbilanz ernüchternd aus. So erreichte Locarno nur 0,5 Prozent dieses Wertes. Normalerweise fällt im Tessin im Oktober nämlich rund 190 mm Regen. Nicht nur in der Schweiz, auch weltweit präsentiert sich das Wetter im laufenden Jahr erneut von seiner extremen Seite. Das zeigt sich vor allem in rekordhohen globalen Durchschnittstemperaturen.

Wahrscheinlich wird das Wetterjahr 2017 in Zürich zu den 10 wärmsten gehören. Wo genau das sich 2017 einreihen wird, ist aber noch offen. Drei Szenarien geben mögliche Antworten.

393 zu warme Monate in Folge

Die globale Durchschnittstemperatur – also die Lufttemperatur über den Kontinenten und die Meeresoberflächentemperatur – liegt auch 2017 in rekordverdächtiger Höhe. Die ersten neun Monate des Jahres 2017 reihten sich alle jeweils zu den vier wärmsten in ihrer Monatskategorie. Der September 2017 war im weltweiten Mittel ebenfalls der 4.-wärmste September seit 1880. Er war damit der dreihundertdreiundneunzigste zu warme Monat in Folge! Das Jahr 2017 ist bis jetzt (Januar-September) weltweit das 2.-wärmste in der knapp 140-jährigen Messreihe. Die positive Temperaturabweichung gegenüber dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts beträgt knapp 0,9 Grad. Neun der zehn wärmsten Januar-bis-September-Perioden sind in den Jahren seit 2005 zu finden! Nur eines (1998) stammt aus dem 20. Jahrhundert. Um herauszufinden, wie 2017 am Ende des Jahres abschneiden wird, schaut der amerikanische Wetterdienst NOAA mit drei einfachen Szenarien bis zum Jahresende. Das erste Szenario rechnet damit, dass die verbleibenden Monate des Jahres jeweils den 5.-wärmsten Wert erreichen. Das zweite Szenario rechnet damit, dass die verbleibenden Monate eine durchschnittliche Temperaturabweichung von +0,85 Grad haben werden. Das dritte Szenario rechnet damit, dass die restlichen Monate des Jahres jeweils gleiche Werte annehmen, wie die entsprechenden Monate im Jahr 1998. Das Jahr 1998 ist dabei nicht zufällig gewählt. So rechnen die Meteorologen in den Monaten rund um den Jahreswechsel im Pazifik nämlich mit einer La Niña. Also einem dominierenden Wettermuster, welches durch die immense räumliche Ausdehnung sogar die globale Temperatur um einige Zehntelgrad nach unten drücken kann. Eine solche Konstellation gab es auch 1998. Die stark positive globale Temperaturabweichung 2017 wird bis Ende Jahr daher noch etwas nach unten korrigiert. Unabhängig von den erwähnten Szenarien zeigt sich aber, dass das Jahr 2017 auf globaler Ebene sehr wahrscheinlich das 3.-wärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1880 wird. Noch wärmer als das aktuelle Jahr waren nur die beiden Vorjahre 2015 und 2016.

 

2017 unter den wärmsten?

Auch in der Schweiz waren die letzten beiden Jahre sehr warm. 2015 war beispielsweise in Zürich das bisher 2.-wärmste Jahr seit Messbeginn 1864. Das Jahr 2016 war das 9.-wärmste in der über 150-jährigen Messreihe. Auf dem Thron des wärmsten Jahres in Zürich sitzt weiterhin das Jahr 2014. Hat das laufende Jahr 2017 in der Schweiz und in Zürich Ambitionen auf einen Podestplatz der wärmsten Jahre oder kann es sogar dem Rekordjahr 2014 Paroli bieten? Lassen wir das Jahr 2017 kurz Revue passieren: Das Jahr startete mit einem eisigkalten Januar, welcher mehr als drei Grad unterkühlt blieb. Der Wärmeumschwung kam aber sogleich und so waren Februar und März deutlich übertemperiert. Nach einem durchschnittlichen April waren die Monate Mai bis August allesamt zu warm. Mai, Juni und August waren sogar recht deutlich zu warm. Der September war dann hingegen rund ein Grad unterkühlt bevor der gerade zu Ende gegangene Oktober wiederum anderthalb Grad zu mild ausfiel. Die Wärme dominiert bis anhin also klar. So erstaunt es nicht, dass 2017 in Zürich bis jetzt (Januar-Oktober) das 4.-wärmste Jahr seit Messbeginn ist. Die Periode Januar bis Oktober war bisher nur in den Jahren 2007, 2011 und 2014 noch ein bisschen wärmer als heuer. Doch wo wird sich das gesamte Jahr 2017 in Zürich einreihen? Wendet man die gleichen drei Szenarien der amerikanischen Wetterbehörde für Zürich an, so zeigt sich, dass noch vieles möglich ist. Würden November und Dezember je jeweils 5.-wärmste in ihrer Monatskategorie (Szenario 1), so würde 2017 in Zürich am Ende das 2.-wärmste Jahr sei Messbeginn sein. Sind November und Dezember hingegen 0,85 Grad wärmer als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts (Szenario 2), so landet 2017 am Ende auf Platz 7 der wärmsten Jahre – noch vor den warmen Jahren 2003, 2007 und 2016. Folgen die Temperaturen im November und Dezember hingegen den Werten aus 1998 (Szenario 3), wäre mit einem sehr kalten November zu rechnen und das Jahr 2017 würde sich am Ende nur noch auf Platz 9 wiederfinden. Die Spannung bleibt beim Wetter zum Glück bis am Ende gewährleistet. Mit einem weiteren Top-10-Jahr auf der Wärmeskala ist aber durchaus zu rechnen – auch in Zürich.

Wetterjahr 2017 wohl wieder unter den wärmsten

Goldener Oktober im Flachland: mehr Zufall als Regelfall

Vom 11.-20. Oktober herrschte in der Schweiz sonniges und mildes Bilderbuchwetter – sprich goldenes Oktoberwetter, oder sonniges Altweibersommerwetter? Abgesehen vom Nebel im Mittelland gab es zahlreiche Sonnenstunden und für die Jahreszeit hohe Temperaturen. Nach einem September, welcher im landesweiten Durchschnitt 1,6 Grad unter den Erwartungen blieb und der in den Bergen oberhalb von 2000 Meter mehrmals Schnee brachte, kamen die goldenen Oktoberwochen wie gerufen.

Langanhaltende Schönwetterphasen im Herbst werden Altweibersommer genannt. Der Altweibersommer ist einer der bekanntesten Witterungsregelfälle im jährlichen Wetterjahr. Gemäss MeteoSchweiz wird als Witterungsregelfall, auch Singularität genannt, eine an bestimmten Kalendertagen mehr oder weniger regelmässig auftretende Abweichung vom mittleren jährlichen Gang der meteorologischen Elemente bezeichnet. Gemäss Definition in der Literatur soll der Altweibersommer in Mitteleuropa fast regelmässig in der zweiten Septemberhälfte und Anfang Oktober auftreten (z.B. Meyers kleines Lexikon Meteorologie, 1987 oder Allgemeine Klimageographie, 1980). In der Schweiz hält sich der Altweibersommer jedoch nicht genau an diese Definition.

Weder Mitte noch Ende Oktober ist in Zürich, anders als in den Bergen, eine Häufung von Schönwettertagen ersichtlich.

Mitte Oktober

Falls der Altweibersommer regelmässig auftritt, muss dies in den historischen Wetterdaten ersichtlich sein, namentlich in der täglichen Dauer des Sonnenscheins. Erwartungsgemäss bringt der Altweibersommer viele Tage mit sonnigem Wetter. Ein Tag gilt als „heiter“ oder eben „schön“, wenn die Sonnenscheindauer 80 Prozent oder mehr erreicht. Das heisst, die Sonne darf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nur zu einem Fünftel der Zeit von Wolken oder Nebel verdeckt werden. Auswertungen von MeteoSchweiz für die Wetterstation Davos zeigen eindrücklich, dass der Altweibersommer ein Mitte-Oktober-Phänomen ist. In der gesamten betrachteten Periode von 1901 bis 2015 zeigten die Tage vom 12. bis zum 17. Oktober am häufigsten schönes Wetter. Insbesondere waren der 12., und 13. sowie der 16. und 17. Oktober in mindestens 50 Prozent der Fälle, im langfristigen Durchschnitt also mindestens jedes zweite Jahr schön. An den übrigen Oktobertagen sowie im September war schönes Wetter sichtbar weniger häufig.

 

Altweibersommer gestern und heute

Der Altweibersommer hat sich im Laufe der Zeit terminlich und auch in seiner Ausprägung deutlich verändert. Zwischen 1901 und 1930 war der 11. und 12. Oktober in 60 Prozent der Jahre schön, der 16. und 17. Oktober gar in 67 bzw. 70 Prozent der Jahre. Der 13., 14. und 19. Oktober war im Durchschnitt jedes zweite Jahr schön. Zwischen 1931 und 1960 erreichte die Häufigkeit für Schönwetter vom 12. bis zum 16. Oktober 50 bis 60 Prozent. Es war die stabilste Schönwetterzeit in den Monaten September und Oktober. In der Periode 1961 bis 1990 zeigte der Oktober eine auffallend andere Charakteristik. Eine definierte mehrtägige Phase um die Monatsmitte mit häufig schönem Wetter ist nicht mehr erkennbar. Dagegen wurde Schönwetter in der zweiten Oktoberhälfte markant häufiger. Auch unter den heutigen Klimabedingungen ist der Altweibersommer im Oktober ein Thema, allerdings nicht mehr in der markanten Ausprägung wie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. In der Periode der automatischen Messungen von 1981 bis 2015 ist vom 25. bis am 27. Oktober eine Häufung von Schönwettertagen zu finden, wie Auswertungen von MeteoSchweiz zeigen. Die einst klassische Schönwetterperiode zur Oktobermitte kommt in den letzten 35 Jahre hingegen nicht mehr zum Ausdruck.

Fehlanzeige im Flachland

Analysen der Schönwettertage im Herbst in Zürich zeigen hingegen ein ganz anderes Bild. Weder in den Klimaperioden des 20. Jahrhunderts noch unter aktuellen Klimabedingungen der letzten Jahre ist ein Altweibersommer im September oder Oktober ersichtlich. Anzeichen für einen Altweibersommer in Zürich zeigen sich noch am ehesten Anfang September. Zwischen 1931 und 1960 erreichte die Häufigkeit für Schönwetter vom 3. bis 6. September 40 bis 50 Prozent. In der Periode 1981 bis 2016 erreichen der 8. und 9. September eine Schönwetterquote von nahezu 50 Prozent. Vom Altweibersommer, welcher Mitte oder Ende Oktober in den Bergen auftritt, spürt das Flachland nichts. Grund ist der Nebel oder Hochnebel, welcher die Sonne im Herbst auch bei Schönwetterlagen länger verdecken kann.

In der Schweiz tritt der Altweibersommer also erst im Oktober auf und ist folglich gleichbedeutend wie der „Goldene Oktober“. So richtig zur Geltung kommt der Altweibersommer nur in Berglagen über dem Nebelmeer. Im Flachland sind weder Altweibersommer noch der „Goldene Oktober“ nachweisbar. Umso mehr lernen wir den diesjährigen Oktober zu schätzen.

> siehe auch MeteoSchweiz “Altweibersommer” 

Goldener Oktober im Flachland: mehr Zufall als Regelfall

Unbeschränktes Wachstum auf beschränktem Raum?

Als um 1970 Wissenschaftler erstmals zeigten, welche gravierenden ökologischen Probleme sich die Menschheit mit ihrem rasanten industriellen Fortschreiten selbst geschaffen hat, war ein Schweizer zuvorderst dabei: der Ingenieur Ernst Basler. Er gehört zu den Pionieren einer Bewegung, die das Postulat der Nachhaltigkeit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte. Ernst Basler agierte zur selben Zeit und am selben Ort wie die Vordenker des Club of Rome, der 1972 mit dem bis heute millionenfach verkauften Werk The Limits to Growth (Die Grenzen des Wachstums) über Nacht berühmt wurde.

Das neue Buch von Thomas Sprecher handelt von der Einsicht, dass unbeschränktes Wachstum auf beschränktem Raum unverträglich ist.

Thomas Sprecher, Rechtsanwalt und Germanist aus Zürich, blickt in seinem neuen Buch zurück auf Ernst Baslers Werdegang, auf die Gegenwart und in die Zukunft. Doch das Buch mit dem Titel Endliche Erde hat den Anspruch mehr zu sein, als eine Biographie. In vielen Gesprächen mit dem Autor beschreibt der Nachhaltigkeitspionier Basler sein ökologisches Credo und gibt Ratschläge, wie es die Menschen vielleicht doch noch fertigbringen, sich mit der Endlichkeit der Erde zu arrangieren, bevor sie diese zerstören. Ernst Basler ging es daher primär um die Sache und weniger um seine Person, deshalb trifft auch die Bezeichnung „Sachbuch“ zu. Nichtsdestotrotz ist die Sache an der Biographie Baslers aufgehängt. Diesen Doppelcharakter muss das Buch Endliche Erde aber nicht verleugnen, denn gerade diese Mischung macht es abwechslungsreich und spannend.

Unbeschränktes Wachstum
Endliche Erde ist in drei Teile gegliedert. Der erste zeigt Ernst Basler als ökologischen Pionier. Im Zentrum stehen seine damaligen Einsichten aus den 1960er-Jahren und seine Gastvorlesung am MIT in Boston, wo er schliesslich 1970 die weltweit erste Vorlesung über die Bedingungen nachhaltigen Wirtschaftens hielt. Das war noch vor der Veröffentlichung des vielbeachteten Buches Die Grenzen des Wachstums. Auch Basler arbeitete zu jener Zeit an einem eigenen Buch mit dem Titel Strategie des Fortschritts. Die Grundaussage lautete: „Was immer wir unternehmen, wir stellen fest, dass unbeschränktes Wachstum auf beschränktem Raum unverträglich ist mit dem hoffentlich noch stärkeren Wunsch, dass der Mensch für ungezählte Generationen über eine lebenserhaltende irdische Biosphäre verfügt.“ Das Buch blieb, im Gegensatz zum Werk des Club of Rome, aber leider weitgehend unbeachtet. Im vorliegenden Buch wird der Inhalt von Strategie des Fortschritts zusammengefasst. Der Leser erfährt auch, dass Basler dem alten, aus der Forstwirtschaft stammenden Wort Nachhaltigkeit einen neuen Sinn gab. Er brauchte es im deutschen Sprachraum erstmals so, wie wir es heute brauchen.
Im zweiten Teil erweitert das vorliegende Buch das Bild zur Entwicklung des ökologischen Denkens. Seit den 1980er-Jahren ist die Diskussion nicht stehen geblieben. Die Literatur zu ökologischen Themen, zu Fragen nach der Art und den Grenzen des Wachstums, ist geradezu explodiert. Inhaltlich werden vom Brundtland-Report und zahlreichen UN-Klimakonferenzen bis zu einem ausdifferenzierten Wachstumsdiskurs als Kern der Nachhaltigkeitsdiskussion dem Leser zahlreiche spannende Aspekte in gebotener Kürze präsentiert.

Grenzen des Wachstums
Der letzte Teil des Buchs widmet sich wiederum Ernst Basler. Wie denkt der Nachhaltigkeitspionier Ernst Basler heute? Baslers Plädoyer für nachhaltiges Handeln lässt sich in acht Leitsätzen fassen. Der erste Leitsatz lautet: „Wir müssen mit den Grenzen des Wachstums umgehen lernen.“ Basler war sich früh bewusst, dass der Mensch die Natur dominiert und sich lästige Nebenwirkungen einhandelt. Vor diesem Hintergrund entspricht eine nachhaltige Entwicklung einem Lernprozess, welcher die Menschheit durchlaufen muss. Die erste und wichtigste Lektion ist dabei, dass sich die Menschheit ihrer dominierenden Stellung gegenüber der Natur bewusst wird.

Bewusstes Wachstum
Ein weiterer Leitsatz lautet: „So wie du die Welt wahrnimmst, so handelst du auch.“ Der Hintergrund liegt in der wohl mangelnden Fähigkeit der Menschen zum angemessenen Umgang mit den ökologischen Problemen. Vor allem in Bezug auf exponentielles Wachstum haben wir Mühe zu realisieren, was ein kontinuierliches Wachstum von zwei oder drei Prozent pro Jahr bedeutet. Zu diesem Wahrnehmungsproblem kommen Hemmnisse dazu, von veralteten Denkmodellen und Wertvorstellungen Abschied zu nehmen.
Die verbleibenden sechs Leitsätze seien an dieser Stelle nicht verraten. Zum Schluss des Buches blickt der Autor mit Ernst Basler in die Zukunft. Mit etwas Wehmut muss der Leser feststellen, dass wir schon viel Zeit verloren haben und dass die Erde heute weniger schlecht dastünde, hätten die Menschen schon in den 1970er-Jahren auf Ernst Basler und andere, die dasselbe sagten, gehört.

Thomas Sprecher: Endliche Erde. Ernst Basler – Pionier des ökologischen Nachhaltigkeitsdenkens.
NZZ Libo Verlag, Zürich 2017. 192 S., Abb., geb., Fr. 39.– (UVP) / € 39.–

Unbeschränktes Wachstum auf beschränktem Raum?

Hurrikane in den USA: Schlägt der Klimawandel durch?

Extremereignisse wie die Hurrikane Harvey und Irma oder der Bergsturz im Bergell lassen aufhorchen. Schnell wird die Schuld auf den Klimawandel geschoben. Ein Beweis ist aber schwierig.

Das Auge des Hurrikans Irma lag am 10. September 2017 zwischen Kuba und der Südwestküste Floridas. Dahinter (rechts unten im Bild) folgte sogleich der schwächere Hurrikan Jose. Bildquelle: NASA/NOAA GOES Project

Zwischen Ende August und Anfang September entstand in kurzer Zeit eine Reihe tropischer Wirbelstürme – sogenannte Hurrikane – im Atlantik und im Golf von Mexiko. Die Bedingungen im Atlantik scheinen dieses Jahr speziell geeignet für die Bildung von Hurrikanen. Tatsächlich ist der tropische Atlantik in diesem Jahr besonders warm. In der Karibik ist die Meeresoberflächentemperatur mit knapp 30 Grad rund 2 Grad wärmer als üblicherweise zu dieser Zeit. Dies begünstigt die Bildung und die Erhaltung von Hurrikanen, denn der warme Ozean ist der Treibstoff der Wirbelstürme. Die Entstehung tropischer Wirbelstürme erfolgt zudem nur, wenn keine vertikale Windscherung auftritt. Das heisst, dass die Höhenwinde mit ähnlicher Stärke und aus der gleichen Richtung wehen müssen wie die Bodenwinde. Ist dies nicht der Fall, bekommen die aufsteigenden Winde im Wirbelsturm eine Schräglage und der Wirbel wird zerrissen. Da nebst den hohen Wassertemperaturen dieses Jahr auch die vertikale Windscherung gering ist, muss tatsächlich mit überdurchschnittlich vielen und intensiven Hurrikanen gerechnet werden, wie auch aus einer Ende Mai von MetOffice veröffentlichten Vorhersage zur atlantischen Hurrikansaison hervorgeht. Die Saison der Hurrikane dauert im Atlantik üblicherweise von Juli bis November und erreicht ihren Höhepunkt anfangs September.

Bildquelle: NASA/NOAA GOES Project

Aktive Hurrikansaison
Mit Harvey und Irma sind gleich zwei extreme Hurrikane entstanden, die in der Karibik und in den Vereinigten Staaten grosses Leid und enorme Schäden angerichtet haben. Zuerst hat Ende August Harvey als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 214 km/h die texanische Küste heimgesucht. Der Fokus hat sich vom Wind aber rasch auf die sintflutartigen Regenfälle verlagert. Besonders Houston wurde über mehrere Tage hinweg von historisch kaum vergleichbaren Wassermassen heimgesucht. Die Niederschläge summierten sich innert weniger Tage auf bis zu 1’300 mm. Das ist mehr als in Zürich in einem ganzen Jahr fällt! Die Folge waren verheerende Überschwemmungen in der Grossstadt. Nur wenige Tage später zeichnete sich bereits das Unheil des nächsten Wirbelsturms ab. Anfang September zog mit dem Hurrikan Irma einer der stärksten Hurrikane überhaupt auf. Irma brachte gemäss Berichten von NOAA während 37 Stunden ununterbrochen Windgeschwindigkeiten von 295 km/h hervor. Das macht Irma zum langlebigsten Hurrikan der höchsten Kategorie 5 weltweit seit Beginn der Satellitenmessungen vor mehr als 50 Jahren. Nah am Auge fielen zudem bis zu 270 mm Regen pro Stunde. Dies entspricht der durchschnittlichen Niederschlagssumme von Zürich von August bis Oktober.
Seit Beginn der Hurrikansaison 2017 erhielten im Atlantik bisher elf Stürme aufgrund ihrer Stärke einen Namen. Sechs wurden tatsächlich Hurrikane und drei wurden sogenannte Major Hurrikane der dritthöchsten Kategorie und höher. Obwohl die Hurrikansaison noch bis Ende November dauert, ist sie daher bereits überdurchschnittlich. Das bisherige Maximum an Hurrikanen wurde 2005 gezählt: 28 benannte Wirbelstürme, davon fünfzehn mit Hurrikanstärke und sieben mit Kategorie 3 oder höher.

Zukünftig mehr Hurrikane?
Der Verweis auf den Klimawandel liess nach den extremen Hurrikanen Harvey und Irma und der allgemein aktiven Hurrikansaison 2017 nicht lange auf sich warten, obwohl der Einfluss der menschgemachten globalen Erwärmung auf tropische Wirbelstürme wissenschaftlich umstritten ist. Seit Jahren befassen sich Studien mit diesem spannenden Thema. Viele Studien zeigen, dass die Hurrikanaktivität in den letzten Jahren viel stärker durch natürliche Variationen als durch die globale Erwärmung bestimmt wurde. Ein messbarer Einfluss der globalen Erwärmung auf tropische Wirbelstürme ist zurzeit noch nicht bewiesen. Gemäss den neusten Klimamodellen und Berichten des UNO-Klimarats IPCC ist es aber wahrscheinlich, dass die Intensität der Wirbelstürme (Windgeschwindigkeiten und Extremniederschläge) zunimmt. Das hängt mit der Tatsache zusammen, dass mit dem Klimawandel einerseits die Ozeantemperatur ansteigt – das verstärkt den Antrieb – und andererseits die wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Die globale Häufigkeit von tropischen Wirbelstürmen dürfte jedoch in etwa konstant bleiben oder sogar abnehmen. Bei konstanter Zahl von tropischen Wirbelstürmen und verstärkter Intensität ist folglich global mit einer Zunahme von Hurrikanen der stärksten Kategorien zu rechnen.

Schuld ist der Klimawandel?
Einzelne Extremereignisse wie die Hurrikane Harvey und Irma können nicht einfach und direkt der vom Menschen verursachten Klimaänderung zugeordnet werden, da immer die Möglichkeit besteht, dass das Ereignis auf natürliche Weise hätte auftreten können. Aussagen darüber, ob Extreme zu- oder abgenommen haben, sind wegen der Seltenheit der Ereignisse zudem häufig schwierig. So reichen verlässliche Statistiken zu Hurrikanen lediglich 50 Jahre zurück. Aufgrund des Wissens über das Klimasystem ist aber zu erwarten, dass bestimmte Extremereignisse zunehmen. Was für starke Hurrikane gilt, gilt natürlich auch für alle anderen Extremereignisse. So ist der Bergsturz im Bergell zwar dem Auftauen des Permafrosts zuzuordnen aber nicht per se dem menschgemachten Klimawandel. Da im Zuge der globalen Erwärmung jedoch die Permafrostböden auftauen und Gletscher schmelzen, steigt folglich auch das Risiko eines Bergsturzes oder eines Gletscherabbruchs.

Hurrikane in den USA: Schlägt der Klimawandel durch?

Wieder ein (kleiner) Hitzesommer

Die Schweiz und Zürich durchschwitzten den 3.-heissesten Sommer seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1864. Anders als 2003 und 2015 kam heuer trotz wechselhaftem Charakter grosse Hitze zustande.

Zürich registrierte nach dem drittwärmsten Frühling auch den drittwärmsten Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Heisser waren bisher nur der Sommer 2015 und der Hitzesommer 2003. Seit den 1980er sind die Sommer spürbar wärmer geworden (10-Jahresdurchschnitt in rot).

Bereits seit Mitte Mai verwöhnte uns der diesjährige Sommer mit viel Wärme und Sonnenschein. Es sind aber nicht lang anhaltende Schönwetterperioden mit eitlem Sonnenschein, welche den diesjährigen Sommer prägten. Vielmehr zeichnete sich der Sommer 2017 durch ein ständiges Auf und Ab der Temperaturen und ein Hin und Her des Wetters aus. So reihten sich nie mehr als zehn schöne und hochsommerlich warme Tage hintereinander. Im Gegenteil, fast im Wochenrhythmus wechselten sich heisse und kühlere Phasen ab. Die heissen Phasen dauerten aber länger und waren in ihrer Intensität deutlich ausgeprägter als die kühlen Phasen. Mit insgesamt vier Hitzewellen und 15 bis 20 Hitzetagen mit mehr als 30 Grad gesellt sich der Sommer 2017 in Zürich zu den ganz heissen. Nur die Jahre 2003 und 2015 brachten mit je 26 heissen Tagen deutlich mehr Hitze hervor. Nur an neun Tagen blieb die Höchsttemperatur unter 20 Grad. So erstaunt es nicht, dass die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur zwischen Juni und August mit 25,8 Grad die zweithöchste war seit Messbeginn im Jahr 1864. Nur im legendären Hitzesommer 2003 stiegen die täglichen Höchsttemperaturen mit durchschnittlich 28 Grad noch höher.

 

Schlaflos in Zürich

Die grosse Sommerwärme machte sich in diesem Jahr nicht nur in hohen Tageshöchsttemperaturen bemerkbar, sondern vor allem auch durch erstaunlich hohe Nachttemperaturen – die das Schlafen in vielen Sommernächten erschwerten. Während sieben Nächten sank die Temperatur sogar nie unter 20 Grad. In diesen Fällen sprechen Meteorologen von Tropennächten. Solche waren für Zürich bis vor wenigen Jahren noch eine absolute Seltenheit. Selbst im Jahrhundertsommer 2003 gab es lediglich eine Tropennacht in Zürich. Der bisherige Rekordhalter ist der Hitzesommer 2015 mit insgesamt neun Tropennächte. Der Sommer 2017 reiht sich somit gleich dahinter auf Platz zwei in Sachen Tropennächten ein.

 

Konstant hohe Temperaturen über alle drei Sommermonate. Jedoch mit einem ständigen Auf und Ab.

Höhepunkt bereits im Juni

Der Sommer 2017 setzte relativ früh zum Höhepunkt an. So brachte die Hitzewelle vom 19.-23. Juni mit Temperaturen bis 34 Grad am Zürichberg die höchsten Temperaturen. Der 23. Juni war mit einer Tagesdurchschnittstemperatur von 27 Grad zudem der wärmste Tag des Sommers. So war der Juni auch der wärmste Monat im diesjährigen Sommer. Juli und August waren in der Folge einige Zehntelgrad kühler, wobei der August wiederum etwas wärmer war als der Juli. Grosse Unterschiede zeigten sich temperaturmässig aber kaum zwischen den einzelnen Sommermonaten. Vielmehr hielt sich die Sommerwärme seit Mitte Mai auf relativ konstantem Niveau. Richtig sonnig war vor allem der Juni. Vom 10.-27. Juni präsentierte sich der Sommer abgesehen von kurzen Unterbrüchen von seiner sonnigen und heissen Seite. Mit 260 Sonnenstunden war der Juni der sonnigste Monat des Sommers. Der Juli war dann mit 200 Sonnenstunden nur durchschnittlich. Mit 210 Sonnenstunden war der August dann etwas sonniger als im langjährigen Durschnitt. Mit insgesamt 670 Sonnenstunden machte die Sonne diesen Sommer rund 70 Überstunden. Seit 2001 waren jedoch auch sechs Sommer sonniger als 2017.

 

41% der Tage brachten Regen

Der wechselhafte Charakter des Sommers schlägt auch bei der Anzahl Regentage durch. An insgesamt 38 Tagen, oder an 41 Prozent der Sommertage, fiel Regen – häufig in Form von Gewittern. Diese Anzahl Regentage liegt im Bereich der langjährigen Erwartungen. Die Regenmengen summierten sich auf total 330 mm. Das entspricht knapp 90 Prozent der üblichen Sommerniederschlagsmengen. Die Niederschlagsmengen waren jedoch nicht gleichmässig über den Sommer hinweg verteilt. So blieben Juni und August trockener, wohingegen im Juli überdurchschnittlich grosse Regenmengen in Zürich niedergingen.

 

3.-wärmster Sommer

Mit durchschnittlich 19,6 Grad am Zürichberg reiht sich der Sommer 2017 als drittheissester Sommer seit Beginn der systematischen Erhebungen im Jahr 1864 in die Messreihe ein. Wenige Zehntelgrad heisser war lediglich der Hitzesommer 2015 mit durchschnittlich 20,2. Der Jahrhundertsommer 2003 bleibt mit 21,6 in Zürich weiterhin unantastbar. Erstaunlich ist, dass im Unterschied zu den Hitzesommern 2003 und 2015 der diesjährige Sommer trotz wechselhaftem Witterungscharakter so viele Hitzetage hervorbrachte.

Wieder ein (kleiner) Hitzesommer

Bei welcher Wetter-App herrscht eitler Sonnenschein?

Auf den Smartphones sind sie nicht mehr wegzudenken: Wetter-Apps können das Wetter zwar auch nicht beeinflussen, aber zumindest schöner darstellen. Dieser Artikel hat bekannte und weniger bekannte Wetter-Apps auf dem Radar und zeigt ihre Hochs und Tiefs.

Wie wird das Wetter am Wochenende? Kann der Tennismatch noch fertig gespielt werden oder kommt schon die nächste Regenfront? Wie stark hat der Sturm letzte Nacht gewütet? Unsere Fragen rund ums Wetter beantworten wir heutzutage mit ein paar Klicks in unseren Wetter-Apps auf unseren Smartphones. Es gibt zahlreiche Wetter-Apps in den App-Stores und fast täglich kommen neue dazu. Alle mit einem etwas anderen Erscheinungsbild, alle mit ein paar neuen Funktionen und fast alle mit einer anderen Wetterprognose für die nächsten Tage. Auch wenn es hunderte Wetter-Apps gibt, haben sich einige wenige Apps als Froschkönige etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die populärsten Apps, deckt Relevantes auf und sagt, was jeder über Wetter-Apps wissen muss.

Zweierlei Wetter-Apps

Eine gute Wetter-App liefert verlässliche Wetterinformationen, genaue Prognosen und bietet eine einfache und personalisierte Bedienung. Um beurteilen zu können, ob die Wetter-App verlässliche und gute Prognosen liefert, sollte sich jeder fragen: «Wer steckt dahinter?». Es gibt grundsätzlich zwei Gruppen von Wetter-Apps: Apps der Wetterbüros wie bspw. die App von MeteoSchweiz oder SRF Meteo, die ihre eigenen Daten, Dienste und Prognosen präsentieren, und Wetter-Apps wie «Wetter Alarm», «Landi Wetter», «Wetter Live» oder «Wetter für die Schweiz» von Firmen oder Entwicklern, die eingekaufte Wetterdaten neu darstellen. Hinter den Apps der ersten Gruppe stecken immer ortskundige Meteorologen, so dass die Qualität und Zuverlässigkeit grundsätzlich höher ist als bei der zweiten Gruppe. Grosse Unterschiede gibt es bei den rundum beliebten Orts- oder Punktprognosen. So kann zum Beispiel eine Lokalprognose für die Postleitzahl 8053 oder für den Bürkliplatz abgerufen werden. Solche Punktprognosen werden immer automatisch aus Wettermodellen generiert, sind also keine Prognosen von erfahrenen Meteorologen. Wie gut diese Punktprognosen sind, ist davon abhängig, wie gut das verwendete Wettermodell ist. Die App WeatherPro von MeteoGroup hat sich auf diese automatischen Punktprognosen spezialisiert und erreicht daher weltweit wie auch in der Schweiz eine hohe Qualität. Aber auch MeteoSchweiz, SRF Meteo und meteoblue haben eigene Modelle und Berechnungsverfahren, um eine hohe Zuverlässigkeit dieser automatischen Punktprognosen zu liefern. Anders sieht es bei Apps wie WetterOnline, «wetter.com», «Yahoo! Wetter», oder AccuWeather aus. Diese verwenden als Basis für ihre Punktprognosen in der Schweiz grob aufgelöste Weltwettermodelle, welche in der kleinräumigen und topografisch anspruchsvollen Schweiz völlig durchfallen und praktisch unbrauchbar sind. Gleiches gilt auch für die vorinstallierte iPhone-Wetter-App, weil sie Daten von «The Weather Channel» verwendet und in der Schweiz ein No-Go ist.

Ein Hoch auf diese drei Wetter-Apps

Die wertvollsten Informationen können übrigens in den Lauftexten des «Wetterberichts» in den Apps von MeteoSchweiz und SRF Meteo gefunden werden. Diese Texte werden von erfahrenen Meteorologen verfasst und mehrmals täglich aktualisiert. Diese Berichte schildern den Wetterablauf der nächsten Tage detailliert und geben einen viel besseren Überblick als einfache Sonne-Wolken-Regen-Symbole. Im Ausland geben die Punktprognosen von «WeatherPro» einen guten Überblick. Die Apps «MeteoSwiss», «SRF Meteo» und «WeatherPro» gehören deshalb auf jedes Smartphone.

 

SRF Meteo

Die App von SRF Meteo bringt die landesweit bekannten Wolken-animationen vom Fernsehen auf die Smartphones. Die App verfügt über einen von Meteo-rologen verfassten Wetterbericht und weltweite Orts-prognosen. Die Lokalprognosen in der Schweiz basieren auf einem hochaufgelösten Wettermodell speziell für Mitteleuropa. Mehrmals täglich werden Beiträge im Blog namens «Meteo-News» auf der App veröffentlicht.

Meine Erfahrung:

Intuitive Bedienung mit Glamour-Effekt. Die Expertise der Meteorologen kommt mit den standardisierten Ortsprognosen und den knappen Wetterberichten zu kurz.

Radar unterscheidet zwischen Regen und Schnee, Wetterbericht von Meteorologen, Saisonspezials wie Schneekarten.

Wenig detaillierter Wetterbericht, Grafiken wirken etwas überladen, keine Stationsmesswerte.

Bewertung:

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MeteoSwiss

Die offizielle App des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz besticht durch ihre individualisierbaren Darstellungs-möglichkeiten. Neben einem detaillierten Wetterbericht für die nächsten fünf Tage und einem Ausblick auf die Tage 6 und 7 ist auch ein Trend für die nächsten 14 Tage in Textform enthalten. Die Wetterprognosen und die Radarprognose stammen von einem hochaufgelösten Wettervorhersage-modell speziell für den Alpenraum.

Meine Erfahrung:

Den Wetterbericht und die Blogbeiträge lese ich jeden Tag. Im Sommer vertraue ich auf den Niederschlagsradar der MeteoSchweiz App.

Wetterbericht von Meteorologen, Radarprognose, zahlreiche Messwerte, intuitive Bedienung.

Im Ausland unbrauchbar, Radar unterscheidet nicht zwischen Regen und Schnee, keine Klimadaten zugänglich.

Bewertung:

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WeatherPro

Bei der Wetter-App «WeatherPro» von MeteoGroup stehen automatisierte Punktprognosen im Zentrum. Und genau darauf, hat sich MeteoGroup unter anderem spezialisiert. Die Prognosen von «WeatherPro» werden von amerikanischen und europäischen Modellen gefüttert und mit statistischen Verfahren, sogenannten Model Output Statistics (MOS) auf die lokalen Gegebenheiten angepasst. Damit gelingen weltweit verlässliche Prognosen.

Meine Erfahrung:

Ob in der Schweiz oder im Ausland: für eine einfache Lokalprognose nutze ich immer «WeatherPro». Wetterberichte von Meteorologen suche ich hier aber vergebens.

Weltweite Lokalprognosen, hohe Prognosegüte, einfaches und anschauliches Design.

Kein Wetterbericht von Meteorologen, Kein verlässlicher Radar für die Schweiz, exklusive Inhalte der Premium-Version.

Bewertung:

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meteoblue

Die App von meteoblue, einem Spin-off der Universität Basel, liefert weltweit ortsgenaue Wetterinformationen in hoher Qualität. Dafür verfolgt meteoblue einen sogenannten Ensemble-Ansatz und kombiniert und gewichtet verschiedene Wettermodelle miteinander, um daraus eine präzise Ortsprognose abzuleiten. Mit «Where2Go» bietet die App die einzigartige Möglichkeit, das beste Wetter für die nächsten Tage in einem Umkreis von z.B. 30 km zu finden.

Meine Erfahrung:

Seine Hochschulherkunft kann die App von meteoblue kaum verbergen. Vieles wirkt akademisch und detailverliebt. Wer genau das sucht, kommt mit meteoblue voll auf seine Kosten.

Weltweite Lokalprognosen auf Land und See, zahlreiche Wettermodelle, Where2Go, europäische Wind-Strömungsanimation.

Inhalte (z.B. Meteogramme) nicht Smartphone-optimiert, kein Wetterbericht von Meteorologen, Radar zu kompliziert.

Bewertung:

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MeteoNews

Die App von MeteoNews gibt es als einzige nur in der Bezahlversion. Für den Download sind 4 Franken fällig. Die App liefert Wetterprognosen und aktuelle Messwerte für Ortschaften in der Schweiz und Frankreich sowie für zahlreiche Orte weltweit. Die App liefert zudem Wintersportberichte der relevanten Skiorte und die Wassertemperaturen von Seen, Flüssen und Freibädern in der Schweiz und von Stränden in Feriendestinationen.

Meine Erfahrung:

Die App von MeteoNews macht einen veralteten und verstaubten Eindruck. Die letzte Aktualisierung muss Jahre zurückliegen. Der Kaufpreis von 4 Franken ist nicht gerechtfertigt.

Wassertemperaturen und Wintersportberichte, aktuelle und vergangene Messwerte, Webcams.

Unübersichtlich, veraltetes Design, geringer Funktionsumfang, nur in der Bezahlversion erhältlich.

Bewertung:

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Wetter Alarm

Der «Wetter Alarm» war eine der ersten Wetter-Apps der Schweiz. Heute wird sie von den kantonalen Gebäude-versicherungen und der Helvetia Versicherung betrieben. Die Wetterdaten werden von SRF Meteo geliefert. «Wetter Alarm» informiert per App und Push-Nachrichten über aufkommende Unwetter in der Schweiz. Zudem können Ortsprognosen der kommenden 5 Tage für die ganze Schweiz abgerufen werden.

Meine Erfahrung:

In Punkto Design und Übersicht gibt der «Wetter Alarm» den Takt vor. Im Sommer hilft der exklusive Blitzradar beim Beobachten von Gewittern.

Schönes, intuitives Design, Blitzradar, Pegelstände, Informationen zu Gewässern, Push-Mitteilungen vor Unwettern.

Kein Wetterbericht von Meteorologen, im Ausland unbrauchbar, keine aktuellen Wetterdaten.

Bewertung:

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Bei welcher Wetter-App herrscht eitler Sonnenschein?

Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Der Frühling 2017 ist bisher so warm wie nie seit Messbeginn. Nur drei Jahre, respektive sechs Jahre nach den letzten beiden Rekordfrühlingen. Ob auch die zweite Frühlingshälfte warm verläuft, bleibt aber ein Geheimnis.

Die Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Und so ist es auch mit dem Frühlingswetter. Dieses ist heuer, drei Jahre nach dem letzten Rekordfrühling, so warm wie noch nie seit mehr als 100 Jahren. In der Meteorologie dauert der Frühling vom 1. März bis zum 31. Mai. Es ist also bereits Frühlings-Halbzeit. Und diese erste Halbzeit brachte in Zürich mehr Frühling, als in vielen Jahren überhaupt der ganze Frühling im Stand war. Die Lufttemperatur erreichte in der Periode vom 1. März bis 15. April auf dem Zürichberg einen Durchschnitt von 9,4 Grad. Die erste Frühlingshälfte war damit um deutliche 3,4 Grad übertemperiert, verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Zürich erlebte gleichzeitig auch die wärmste erste Frühlingshälfte seit mindestens Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Temperaturniveau ist dem Kalender rund ein Monat voraus. Und das begann nicht erst im März – bereits der Februar war so mild wie ein Märzmonat. Der März brachte dann durchwegs Apriltemperaturen und in der ersten Aprilhälfte erreichte das Thermometer bereits „Maiwärme“. Die erste Frühlingshälfte 2017 war mit 9,4 Grad sogar wärmer als das langjährige Mittel des Gesamtfrühlings – also die Periode März bis Mai – welches zwischen 1981-2010 9,1 Grad vorweist. Dies erstaunt umso mehr, da die zweite Frühlingshälfte (16. April bis 31. Mai) normalerweise deutlich wärmer ausfällt als die erste (1. März bis 15. April). Dieser Vergleich bringt zutage, wie markant die diesjährige Temperaturanomalie ist.

Die erste Frühlingshälfte (1. März-15. April) war heuer mit durchschnittlich 9,4 Grad in Zürich so warm wie nie zuvor seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Top 5

So warm wie 2017 war die erste Frühlingshalbzeit noch nie, umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass erst das Jahr 2014 und davor 2011 ähnlich hohe Temperaturen in der ersten Frühlingshälfte hervorbrachten. Es scheint als wollen sich die Rekordfrühlinge im 3-Jahres-Rythmthmus wiederholen. Die ersten Frühlingshalbzeiten in den Jahren 2011 und 2014 waren praktisch identisch zum diesjährigen Rekord. Wie heuer war die Periode vom 1. März bis 15. April durch Trockenheit und sehr viel Sonnenschein geprägt. Am trockensten und sonnigsten war es 2011. Damals fiel in dieser Periode nur gerade 37 Liter Regen pro Quadratmeter und die Sonne strahlte 316 Stunden über Zürich. Vor drei Jahren wie auch 2017 waren es immerhin rund 50 Liter Regen, gleichzeitig gab es etwas mehr als 300 Sonnenstunden. Temperaturtechnisch können die Vorjahre der aktuellen Anomalie das Wasser nicht reichen. So erreichte die erste Frühlingshälfte 2011 eine mittlere Lufttemperatur von 8,5 Grad, 2014 waren es 8,8 Grad. Damit gehören sie alle in die Top 5 der wärmsten seit mindestens 1901. Die 2.-wärmste erste Frühlingshälfte wird im Jahr 1981 gefunden. Damals erreichte die Durchschnittstemperatur 9,1 Grad. Jedoch fiel damals in der gleichen Periode mehr als doppelt so viel Regen verglichen mit 2017, und die Sonne schien mehr als 100 Stunden weniger häufig. Es war mehrfach bewölkt. Dies zeigte sich auch in den sehr milden Nächten. So sank das Thermometer 1981 in den Nächten jeweils nur auf 5,3 Grad. 2017 waren die Nächte in der ersten Frühlingshalbzeit mit durchschnittlich 4,4 Grad deutlich kühler, was ein Zeichen dafür ist, dass die Nächte häufig klar und die Tage anschliessend sonnig verliefen. Ebenfalls sehr mild zeigte sich die erste Frühlingshälfte 1961, welche 8,6 Grad am Zürichberg erreichte. Auch witterungstechnisch gibt es viele Parallelen zum aktuellen Frühling. So war es auch 1961 trocken und sonnig, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie in diesem Jahr.

Sommer oder Schnee im Mai?

Dass eine rekordwarme erste Frühlingshälfte keine Garantie für eine weiterhin hochfrühlingshafte zweite Hälfte gibt, offenbart ebenfalls ein Blick in die Wetterbücher. Vor drei Jahren gab es in der zweiten Aprilhälfte sowie im Mai wiederholt ausgeprägte Kaltluftvorstösse. Der Mai verlief insgesamt kühl und regenreich. Auch 1981 kehrte das Wetter in der zweiten Frühlingshalbzeit. Die zweite Aprilhälfte war sehr kühl – respektive nochmals spätwinterlich. Im Mai 1981 folgte ein ständiges Auf und Ab. Noch extremer verlief der Frühling 1961, als nach der sehr milden ersten Frühlingshälfte ein ausserordentlich kalter Mai folgte. Der Mai war sogar kühler als der vorangegangene April und am 28. Mai gab es sogar nochmals messbaren Schnee in Zürich. Es war bis heute der späteste Schneefall in Zürich seit Messbeginn 1931. Ganz anders verlief die zweite Frühlingshälfte 2011, welche der ersten Hälfte nacheiferte. Der einmonatige Temperaturvorsprung blieb erhalten und so war der Mai 2011 so warm wie ein durchschnittlicher Juni und die Trockenheit setzte sich fort. Dem Frühling 2017 kann nun also die Gretchenfrage gestellt werden.

Kälteeinbruch zur Monatsmitte (Ostern 2017)

Von rekordwarm zu fast rekordkalt in nur einer Woche.
Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Ein Verbund für die Versorgungssicherheit

Im kalten Januar 2017 wurden die Energiereserven in der Schweiz knapp. Deutschland und Frankreich nehmen zahlreiche Kraftwerke vom Netz. Wie steht es um die Versorgungssicherheit in der Schweiz?

Im ersten Teil dieses Artikels, der in der letzten Ausgabe erschien, wurde über die «angespannte» Energie- und Netzsituation in der Schweiz berichtet. Die Gewährleistung der sicheren Stromversorgung in der Schweiz ist im Winter jeweils mit erhöhten Anforderungen verbunden. Im Winter wird in der Schweiz mehr Energie verbraucht als im Sommer. Deshalb ist die Schweiz im Winter auf Importe angewiesen, um den höheren Strombedarf im Inland zu decken. Durch die Ausserbetriebnahme zahlreicher Braunkohlekraftwerke in Deutschland und Kernkraftwerke in Frankreich in den kommenden Jahren, verschärft sich die Situation in Europa zunehmend.

Wie entwickelt sich die Versorgungslage in der Schweiz? Und was geschieht, wenn die Nachbarländer die Schweiz im Winter nicht mehr mit Strom bedienen können, weil sie selber zahlreiche Kraftwerke abschalten?

Die Füllstände der Schweizer Speicherseen erreicht im Spätwinter (vor der Schneeschmelze) ihren jährlichen Tiefstpunkt. Im Winter 2016/17 waren die Füllstände verglichen mit den Vorjahren stark unterdurchschnittlich. Vor allem im Januar 2017 wurde viel Wasser zur Stromerzeugung abgelassen und turbiniert. Quelle: Swissgrid

Der Markt regelt es

Bei der Beantwortung dieser Fragen prallen Welten aufeinander: Die Marktgläubigen sind überzeugt, dass bei einer Verknappung der Energiereserven Preisspitzen resultieren und dadurch Investitionen in neue, flexible Kraftwerke auslösen. Das könnten Gaskraftwerke sein, die nur wenige Stunden im Jahr (und daher klimafreundlich) produzieren, aber in diesen Stunden das „grosse Geld“ machen können. Die Kontrahenten halten dieser Einstellung vor, dass die Preisspitzen aufgrund von Marktverzerrungen gar nie richtig auftauchen werden, oder dann zu spät, um noch reagieren zu können. Zumindest fehle die Investitionssicherheit. Heute aber investiert kaum jemand in neue Kraftwerke. Ihre Lösungen beruhen auf der Überführung alter Kraftwerke in eine Reserve (wird in Deutschland gemacht) oder auf dem Aufbau eines zusätzlichen Marktes alleine zur Vorhaltung von Kraftwerkskapazitäten für „angespannte“ Situationen. Einen solchen Kapazitätsmarkt (wie es ihn in Frankreich schon gibt) hat jüngst auch die BKW für die Schweiz vorgeschlagen. Mit ihren Massnahmen hat Swissgrid in den letzten beiden Wintern schliesslich nichts anderes gemacht. So wurden Energiemengen in Form von Wasser in Speicherseen auf Reserve gekauft – respektive zurückgehalten – um eine zusätzliche Sicherheitsmarge zu schaffen.

Lehren aus dem Winter 2016/17

Dass die Marktmechanismen auch ohne Eingriffe zu Versorgungssicherheit führen, hat sich im Januar und Februar 2017 gezeigt. Während des eisigen Januars 2017 war der Stromverbrauch in Europa überdurchschnittlich hoch. Gleichzeitig fehlten in der Schweiz und in Frankreich zahlreiche Kernkraftwerke wegen Unregelmässigkeiten und Wartungen. Es kam zu ersten Knappheitssignalen. Die Preise an der Strombörse schossen in die Höhe und lagen rund 80% höher als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Die Gunst der hohen Preise nutzten auch die Schweizer Kraftwerksbetreiber von Speicherseen und turbinierten überdurchschnittlich viel Wasser, um möglichst viel Geld zu verdienen. Die Speicherseen entleerten sich und die Importe sanken entsprechend. Trotz Kältewelle im Januar 2017 wurden die Importkapazitäten zu weniger als 50% ausgenutzt. Die Entlastung der ausländischen Kapazitäten kam der Versorgungssicherheit in den Nachbarstaaten zugute. Ein ganz anderes Bild dann im Februar. Der letzte Wintermonat war übermässig mild. Die Stromnachfrage gegenüber dem Vormonat geringer. Entsprechend sanken die Strompreise an der Börse. Die Produktion aus Speicherseen war folglich weniger spannend, so dass die Schweizer Energiereserven „automatisch“ geschont wurden. Handkehrum wurde im Februar deutlich mehr importiert als im Februar, da ausländische Kapazität verfügbar und eben billiger war. Doch was wäre gewesen, wenn auf den eisigen Januar ein ebenso kalter Februar gefolgt wäre. Wären die Speicherseen dann mitten im Monat leer gewesen und auch die Importe aus den Nachbarländer versiegt?

Nationale Sicherheit

Wie sich in den letzten Jahren und auch in den jüngsten Handlungen gezeigt hat, definieren die europäischen Länder Versorgungssicherheit zuerst einmal national und leiten die dafür notwenigen Schritte ein. Und genau da liegt das Problem. Die Schweiz kommt ohne Importe nicht über den Winter. Wenn sie unabhängig vom Ausland Versorgungssicherheit jederzeit national gewährleisten wollte, würde nicht einmal der gesamte Inhalt aller Speicherseen reichen. Gleiches gilt für die Nachbarländer Deutschland und Frankreich, die parallele Strukturen für Reservekapazitäten aufbauen. Dies ist ineffizient. Denn zukünftig steigt bei einer nationalen Betrachtung der Reservebedarf weiter und damit steigen auch die Kosten.

Stärker zusammen

Vielversprechender wäre es, wenn länderübergreifende Regionen, die über Stromnetze hinreichend miteinander vernetzt sind, Versorgungssicherheit gemeinsam definieren und auch umsetzen. Also eine gemeinsame Winterreserve oder ein gemeinsamer Kapazitätsmarkt. Unter dem Strich wäre dies billiger, da die vorzuhaltende Infrastruktur verhältnismässig schlanker gehalten werden könnte, bei gleichzeitig höherer Sicherheit aufgrund der Ausgleichseffekte, die mit zunehmender Regionsgrösse stärker ausfallen. Die Schweiz macht sich im Rahmen des pentalateralen Energieforums (PLEF) für diese Stossrichtung stark. Das PLEF, zusammengesetzt aus den Übertragungsnetzbetreibern der Länder Deutschland, Frankreich, Österreich, Benelux und Schweiz, veröffentlichte 2015 einen gemeinsamen Bericht zur Lage der Versorgungssicherheit. Es war ein Anfang, kein Durchbruch. Weiterhin fehlt eine gemeinsame Definition, Massnahmen und vor allem bindende Abmachungen. Aufgrund der anhaltenden Differenzen mit der EU müsste ein Übereinkommen ausserhalb des EU-Stromabkommens gefunden werden. Ein solches ist anzustreben, will die Schweiz auch zukünftig sicher durch den Winter.

Ein Verbund für die Versorgungssicherheit